Continental: 120 Jahre Runderneuerung von Lkw-Reifen - Pionier der Kreislaufwirtschaft

Runderneuerte Lkw-Reifen stellen einen wichtigen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft - auch bei Conti. Der Konzern setzt mit dem Konzept ContiLifeCycle auf Wiederverwendung und Lebensdauerverlängerung. Dabei werden immer wieder neue Lösungen für mehr Kreislaufwirtschaft ersonnen.

ContiLifeCycle-Werk zur Runderneuerung von Lkw- und Busreifen bei Continental am Standort Hannover-Stöcken. (Foto: Cotinetal)
ContiLifeCycle-Werk zur Runderneuerung von Lkw- und Busreifen bei Continental am Standort Hannover-Stöcken. (Foto: Cotinetal)
Johannes Reichel
(erschienen bei Transport von Christine Harttmann)

Bereits seit 1903 setzt Continental mit der Runderneuerung von Lkw-Reifen ein Zeichen für mehr Nachhaltigkeit. Seit über 120 Jahren verlängert der Premium-Reifenhersteller mit der Runderneuerung die Lebensdauer von Reifen - für mehr Ressourcenschonung und weniger Kosten.

Weltweit werden nach eigenen Angaben jährlich mehr als eine Million Lkw- und Busreifen runderneuert. Als Beleg für die Nachhaltigkeit zitiert das Unternehmen eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT), wonach runderneuerte Reifen im Vergleich zu Neureifen inzwischen bis zu 50 Prozent CO2-Emissionen einsparen. Der Anteil an recycelten und nachwachsenden Rohstoffen beträgt bei runderneuerten Reifen bis zu 85 Prozent. Dabei stehen die runderneuerten Reifen von Continental den Neureifen in Sachen Traktion, Haftung und Sicherheit in nichts nach, so der Reifenhersteller.

„Seit mehr als 120 Jahren gehören wir zu den Pionieren bei der Runderneuerung von Lkw- und Busreifen“, erklärt Jorge Almeida, Leiter Nachhaltigkeit des Reifenbereichs von Continental. „Unsere Reifenrunderneuerung spart Rohmaterialien und Kosten – eine echte Win-win-Situation für Flottenbetreiber und die Umwelt.“

Aus alt mach neu: Heiß- und Kaltrunderneuerung

Reifen bestehen unter anderem aus Karkasse und Lauffläche. Die Karkasse kann noch völlig intakt sein, während die Lauffläche das Ende ihrer Lebensdauer erreicht hat. Auf der Grundlage von Industrieberichten und Studien zur Reifenherstellungspraxis wurden rund 70 Prozent der Lkw- und Busreifen als für die Runderneuerung im Jahr 2022 geeignet eingestuft.

Bei der Runderneuerung wird der noch vorhandene Laufflächengummi und bei der Heißrunderneuerung auch die Seitenwand des Reifens abgetragen und ersetzt. So wird die Karkasse für ein zweites und drittes Reifenleben vorbereitet. Dabei setzt Continental sowohl bei der Heiß- als auch bei der Kalterneuerung auf modernste Analyseverfahren, Fertigungsmethoden und Recyclingtechnologien.

Bei der Heißrunderneuerung wird die Karkasse in einem Heißvulkanisationsprozess von Wulst zu Wulst erneuert. Dabei wird eine neue Gummimischung auf die gebrauchte Karkasse aufgetragen. Bei Continental wird dieses Verfahren ContiRe genannt.

Bei der Kaltrunderneuerung, bei Continental unter dem Namen ContiTread bekannt, wird auf die abgefahrene Karkasse ein profilierter und vorvulkanisierter Laufstreifen aufgebracht. Die Kaltrunderneuerung erfolgt bei niedrigeren Temperaturen und mit vorvulkanisierten Laufstreifen. Sowohl bei der Heiß- als auch bei der Kaltrunderneuerung können in der Regel rund 70 Prozent des Materials des Originalreifens wiederverwendet werden.

Von der Regeneratgewinnung zum vollintegrierten ContiLifeCycle-Werk

Die Wiege der Reifenrunderneuerung von Continental steht in Hannover. Bereits vor mehr als 120 Jahren konnten im Continental-Werk in Hannover-Vahrenwald Reifen zur Runderneuerung angeliefert werden. Im Jahr 1903 kaufte das Unternehmen zusätzlich ein Fabrikgebäude in Seelze in der Region Hannover und errichtete auf dem Gelände eine Anlage zur Regeneratgewinnung, d.h. zur Aufbereitung und Wiederverwertung von Altgummi. Schon damals wurden täglich neun bis 13 Tonnen Altgummi verarbeitet. Das entspricht dem durchschnittlichen Gewicht von rund acht Pkw. Damit legte Continental bereits damals den Grundstein für ein zirkuläres und nachhaltiges Wirtschaften.

Continental hat 2013 einen weiteren wichtigen Meilenstein in der Runderneuerung von Lkw-Reifen gesetzt: Die Eröffnung des ContiLifeCycle-Werks in Hannover-Stöcken. Das Besondere daran ist die Kombination aus Runderneuerungs- und Recyclingwerk. Mit einem integrierten Ansatz aus Heißrunderneuerung für Lkw- und Busreifen sowie einer eigens für das ContiLifeCycle-Werk entwickelten Gummirecyclinganlage setzt sich das Unternehmen seit einem Jahrzehnt aktiv für den nachhaltigen Umgang mit Rohstoffen, Wasser und Energie ein. Seit der Eröffnung des Werks in Hannover-Stöcken vor zehn Jahren haben rund 900.000 Lkw- und Busreifen durch die Runderneuerung eine verlängerte Lebensdauer erhalten.

Mehrwert für Flottenkunden

Runderneuerte Reifen tragen auch zum LODC-Konzept von Continental bei, das sich speziell an Flotten richtet.

„LODC steht für Lowest Overall Driving Costs - unser ganzheitlicher Beratungsansatz, der Flottenkunden hilft, ihre durch Reifen beeinflussten Betriebskosten zu senken“, erklärt Tansu Isik, Leiter Region Süd, Fleet und OE Trailer der Continental-Reifensparte in der Region EMEA.

Das nachhaltige ContiLifeCycle-Konzept ist integraler Bestandteil unseres LODC-Ansatzes und bietet Flottenkunden heiß- und kalterneuerte Reifen, ein serviceorientiertes Karkassenmanagement mit ContiCasingAccount sowie langlebige und kraftstoffsparende Neureifen.

„Mit unseren runderneuerten ContiRe- und ContiTread-Reifen können Flotten ihre Reifenkosten um bis zu 35 Prozent senken und gleichzeitig die Umwelt schonen“, erklärt Isik.

Ausbau der Kreislaufwirtschaft

Die Runderneuerungsaktivitäten sind ein Beispiel für intelligente Kreislaufwirtschaftslösungen von Continental. So profitiert die Umwelt von der Runderneuerung, da der Einsatz wertvoller Ressourcen wie Rohöl, Naturkautschuk und Wasser deutlich reduziert werden kann. Darüber hinaus trägt die Runderneuerung zur Einsparung von CO2-Emissionen bei, da im Vergleich zur Herstellung eines Neureifens bis zu 70 Prozent weniger Energie benötigt wird. Zur Wirtschaftlichkeit trägt bei, dass ein Großteil der Karkasse wiederverwendet werden kann.

Continental arbeitet daran, innovative Technologien und nachhaltige Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette voranzutreiben - von der Beschaffung nachhaltiger Materialien bis zum Recycling von Altreifen. So setzt das Unternehmen auch auf die Pyrolyse von Altreifen. Übergeordnetes Ziel ist es, bis spätestens 2050 60 Prozent der im Reifenbau eingesetzten Materialien aus Altreifen zurückzugewinnen.