Continental: Vollautomatisierte Reifenlogistik in Tschechien gestartet

Neueste Intralogistik-Technologie regelt das neue Hochregallager des Hannoveraner Konzerns am Produktionsstandort Otrokovice. Mehr als 900.000 Reifen sind untergebracht.

Das vollautomatisierte Lager in Otrokovice wurde in etwa eineinhalb Jahren errichtet und soll die lokalen Reifenlager unter einem Dach vereinen. | Bild: Continental.
Das vollautomatisierte Lager in Otrokovice wurde in etwa eineinhalb Jahren errichtet und soll die lokalen Reifenlager unter einem Dach vereinen. | Bild: Continental.
Johannes Reichel
(erschienen bei PROFI-Werkstatt von Claudia Leistritz)

Reifenhersteller Continental hat an seinem Reifenproduktionsstandort im Osten Tschechiens ein vollautomatisiertes Hochregallager in Betrieb genommen. Die Anlage mit einem Fassungsvermögen von rund 930.000 Reifen soll die lokalen Lager im Großraum von Otrokovice bündeln und dient nicht nur zur Optimierung der Abläufe, wie aus der Pressemeldung hervorgeht. Dr. Bernhard Trilken, Leiter Produktion und Logistik des Reifenbereichs von Continental, zur Eröffnung des Gebäudes:

„Mit unserem vollautomatisierten Lager optimieren wir unsere Logistikprozesse. Wir können unsere Kunden noch schneller bedienen und gleichzeitig unseren CO2-Abdruck reduzieren.“

Eine nachhaltige Logistik, so Trilken weiter, bilde einen wichtigen Baustein für eine „ressourceneffiziente und umweltfreundliche“ Lieferkette. Zu diesem Zweck habe sich der Hannoveraner Technologiekonzern entschieden, seine logistischen Prozesse systematisch ökologischer auszurichten.

Mehrere Faktoren greifen ineinander

Zu den weiteren Maßnahmen der Strategie neben effizienten Lagerabläufen gehört auch die Umsetzung innovativer Technologien, berichtet der Konzern; zudem sollen erweiterte Kapazitäten und optimierte Streckenverläufe sich positiv auf umweltrelevante Gesichtspunkte auswirken. Nicht zuletzt gehört auch die Einbindung erneuerbarer Energien dazu, „um mit den knappen Ressourcen so effizient wie möglich umzugehen“, wie es heißt.

Roboter im Einsatz

Die Anlage verfügt über eine Fläche von 10.000 Quadratmetern und erreicht mit etwa 43 Metern die Höhe der New Yorker Freiheitsstatue (ohne Sockel). Zum Vergleich: Der Turm des Kölner Rathauses misst 61 Meter, derjenige des Münchner Rathauses ist mit 85 Metern doppelt so hoch, der Turm des Hamburger Rathauses mit 112 Metern fast dreimal höher. Die Dimensionen des Gebäudes reichen aus, um über 930.000 in Hochregalen mit schmalen Gängen gelagerte Reifen aufzunehmen, wobei die Lagerung sowohl vertikal wie horizontal erfolgt. Als vollautomatisiertes Lager konzipiert, werden hier nun für alle Organisationsabläufe Roboter eingesetzt. Dazu schreibt Continental: „Mobile Stapler bewegen die auf Paletten gelagerten Reifen automatisch durch den Lagerbereich.“

Umstellung auf erneuerbare Energien

Für den dazu nötigen Strom kommen erneuerbare Energien auf – laut Angaben sind solche praktisch unerschöpflichen „regenerativen“ Stromquellen wie aus Sonne (Photovoltaik), Wind (Windkraftanlagen), Wasserkraft oder der Verbrennung von Biomasse an den weltweiten Standorten des Konzerns schon seit Ende 2020 üblich. Mit der Regelung folgt Continental der „globalen RE100-Initiative“, in der sich laut eigenen Angaben mehr als 400 weltweite Unternehmen zusammengeschlossen haben mit dem Ziel, ihren Strombedarf bis 2050 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu beziehen.

Die Federführung des RE100-Projekts liegt in Händen der 2003 gegründeten Londoner Non-Profit-Organisation The Climate Group, die mehrere solcher Initiativen zur Steuerung des Klimawandels initiiert hat. Dabei stehen neben den Bemühungen zur Steigerung des Stromanteils aus erneuerbaren Energien unter anderem auch Initiativen zur Förderung des technologischen Wandels hin zu E-Fahrzeugen (EV100) und die Eliminierung von Treibhausgas-(vor allem CO2-)Emissionen („net zero carbon emissions“) bis 2050 im Fokus. Zu den Mitgliedern von RE100 zählen weltweit die großen Konzerne verschiedenster Branchen.

Digitalisieren und automatisieren für Klimaneutralität

Daneben treibt Continental die Digitalisierung und Automatisierung auch seiner weiteren weltweiten Reifenproduktionsstandorte voran: 20 Reifenwerke in 16 Ländern sollen entsprechend umgestaltet werden. Continental sagt, bei dem Vorhaben stünden „Forschung und Entwicklung neuer Technologien, alternativer Materialien und umweltschonender Produktion sowie die kontinuierliche Verbesserung der Gesamteffizienz der Logistikprozesse“ im Mittelpunkt. Ziel sei es, bis spätestens 2050 seine gesamte Wertschöpfungskette auf „100 Prozent Klimaneutralität“ umgestellt zu haben.

Im Reifenbereich des Technologiekonzerns Continental sind weltweit 57.000 Mitarbeiter tätig, von insgesamt rund 200.000. Zur Reifensparte gehören 20 Reifenproduktions- und 16 Entwicklungsstandorte. Im Jahr 2022 erzielte der Unternehmensbereich Tires einen Umsatz von 14 Milliarden Euro, bei einem gesamten Konzernumsatz von rund 39,4 Milliarden Euro. Continental teilt seine Aufgaben in drei Unternehmensbereiche: Reifen (Tires), eine neben autonomen Fahrzeugen auch die damit verbundene technische Struktur, Netzwerke, Sicherheit und Software umfassende Mobilität (Automotive) sowie der mit der Entwicklung von neuen Materialien jenseits des Rohstoffs Kautschuk befasste Bereich ContiTech. Dessen Produkte zielen nicht nur auf die Automobilbranche, sondern auch weitere „zukunftsträchtige“ Industrien sowie den Maschinen-und Anlagenbau, den Schienenverkehr oder den Bergbau.