Corona-Impfstoffe: Trans-o-flex-Chef fordert zentrale Verteilung

Parallel kündigt CEO Wolfgang Albeck die Erweiterung des Zentral-Hubs von ThermoMed in Baunatal an und sieht sie genau zum richtigen Zeitpunkt. Speziell die Last-Mile-Logistik an Ärzte und Impfzentren sei komplex.

Das Zentralhub von ThermoMed im hessischen Baunatal. (Foto: Trans-o-flex)
Das Zentralhub von ThermoMed im hessischen Baunatal. (Foto: Trans-o-flex)
Johannes Reichel
(erschienen bei LOGISTIK HEUTE von Therese Meitinger)

Wolfgang Albeck, CEO des Pharmalogistikdienstleisters Trans-o-flex, hat sich für eine zentrale Verteilung der Covid-19-Impfstoffe in der Bundesrepublik ausgesprochen. Entsprechend äußerte er sich in einem Artikel, der am 11. März in der „Welt“ erschien und in einer Pressemitteilung von Thermomed vom 15. März. Der zentrale Ansatz sei besonders angesichts der Komplexität der Last-Mile-Logistik gefordert, die mit der Zustellung der Impfstoffe an Hausärzte und Impfzentren künftig eine große Rolle spielen werde, so Albeck. Bisher liegt die Verantwortung für die Verteilung der Impfstoffe auf der letzten Meile bei den Ländern.

„Aus meiner Sicht ist das für die Bundesländer eine noch nie da gewesene Herausforderung. Das merken wir schon an den Anfragen, die uns aus den Ländern erreichen“, so der Trans-o-flex-CEO gegenüber der Welt.

Auf bestehende Strukturen zurückgreifen

Die zentrale Steuerung durch die Bundesregierung sei hingegen erprobt, man könne etwa auf die bestehenden Strukturen zur Verteilung der Grippeimpfstoffe zurückgreifen. 2020 seien über das dazugehörige Transportsystem in einem Zeitraum von drei Monaten rund 15 Millionen Impfdosen verteilt worden.

„Bei der bundesweiten Verteilung über ein Netz sinkt der administrative Aufwand für die Auftraggeber nachhaltig“, argumentiert Wolfgang Albeck in der Pressemitteilung vom 15. März. „Denn eine Lösung kann für alle Länder angewandt werden. Ein Effekt würde schon erzielt, wenn sich zwei Bundesländer zusammenschließen.“

Auch ein bundesweit einheitlicher Standard ließe sich auf diese Weise für Impfzentren, Krankenhäuser, Apotheken, Arztpraxen und Altenheime gleichermaßen gewährleisten. Mit seiner Argumentation verband Albeck auch eine Bewerbung um einen möglichen zentralen Auftrag: Trans-o-flex beliefert seiner Aussage zufolge die meisten künftigen Empfänger von Impfstofflieferungen bereits mit anderen Medikamenten.

„Deshalb könnte trans-o-flex die Impfstoffe an einem einzigen oder an verschiedenen Orten in Deutschland übernehmen, die Kommissionierung für die einzelnen Impfzentren erledigen und die Zustellung innerhalb von 24 Stunden garantieren, bei Bedarf auch mit Zustellungen vor 8 oder 10 Uhr“, so der Manager.

Laut der Pressemitteilung hat von den einzelnen Bundesländern bisher nur Bayern Trans-o-flex beauftragt.

ThermoMed baut in Baunatal aus

Trans-o-flex vermeldete am 15. März auch, dass sein auf Pharma-Feindistribution spezialisiertes Tochterunternehmen ThermoMed kurz davorstehe, die Erweiterung seines Zentralumschlags in Baunatal abzuschließen und damit die Kapazität seines gesamten Netzwerks um mehr als 25 Prozent zu erhöhen. Mit der Hub-Erweiterung in Hessen habe man frühzeitig und bereits vor der Coronapandemie auf die europaweit wachsende Nachfrage nach Arzneimitteltransporten reagiert, so das Unternehmen. Es sei ein „glücklicher Umstand“, dass damit jetzt ausreichend Kapazitätsreserve vorhanden wäre, um sowohl die aktuelle als auch die künftig erwartete Impfstoffmenge flächendeckend und sicher in Deutschland zu verteilen.

Die Erweiterung des Zentralumschlags hat Trans-o-flex zufolge parallel zum laufenden Betrieb des Sortierzentrums stattgefunden. Zunächst wurde demnach an die bestehende Halle ein weiterer Hallenteil angebaut. Als der Innenausbau des neuen Hallenteils inklusive Temperaturmapping und Aufbau einer neuen Sortieranlage fertig war, wurde die Wand zwischen altem und neuem Hallenteil entfernt. Die Hallenfläche des Zentralumschlags sei auf diese Weise von 1.300 auf fast 2.000 Quadratmeter gewachsen, die Zahl der Ladetore um 20 auf 41. Die neue, vollautomatische Sortieranlage, deren Abnahme den offiziellen Abschluss der Bauarbeiten bilden wird, soll die Umschlagzeit nochmals verkürzen. Weil nach Anbieterangaben alle Sendungen von Trans-o-flex ThermoMed aktuell im Zentralhub umgeschlagen werden, steigt mit der Erweiterung die Kapazität des gesamten Netzes.

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