Corona-Krise: LBS mahnt faire Behandlung der Lkw-Fahrer an

Landesverband Bayerischer Spediteure appelliert an Empfänger und Versender, Fahrern weiter Zugang zu Toiletten und Waschräumen zu geben und andererseits von überzogenen Hygieneauflagen abzusehen.

Waren, nicht Viren: Der LBS sieht Lkw-Fahrer derzeit einerseits als Helden gefeiert, andererseits schikaniert, weil Zugang zu Waschräumen verwehrt wird oder Schutzkleidung fehlt. | Foto: Adobestock
Waren, nicht Viren: Der LBS sieht Lkw-Fahrer derzeit einerseits als Helden gefeiert, andererseits schikaniert, weil Zugang zu Waschräumen verwehrt wird oder Schutzkleidung fehlt. | Foto: Adobestock
Johannes Reichel

"Wir liefern Waren, nicht Viren": Mit einem Appell zu fairem Umgang mit Lkw-Fahrerinnen und Fahrern hat sich der LBS – Landesverband Bayerischer Spediteure e.V. an Unternehmen gewandt, bei denen in diesen Tagen Waren angeliefert oder abgeholt werden. „Während vielerorts den Fahrerinnen und Fahrern – wie unter normalen Umständen auch – eine Gelegenheit zum Besuch von Toiletten oder Waschräumen gewährt wird, häufen sich Berichte darüber, dass ihnen der Zugang verwehrt wird", berichtet Sabine Lehmann, Geschäftsführerin des LBS. Damit erschwerten sich die Arbeitsbedingungen für jene weiter, die unter Hochdruck daran mitarbeiten würden, die Versorgungsketten im Land am Laufen zu halten, befand die Verbandschefin.

Abgelehnt, weil man nicht in Schutzkleidung liefert

Befremdlich seien aber auch Situationen, in denen bestellte Waren in Unternehmen nicht angenommen werden oder die Beladung verweigert wird, weil die Fahrer nicht in Schutzkleidung gehüllt seien. „Ein solches Verhalten können unsere Mitgliedsunternehmen und die betroffenen Fahrer in Zeiten, in denen es um die Aufrechterhaltung der Lieferketten geht, nicht verstehen", meint Lehmann. Sie verweist darauf, dass eine entsprechende Ausrüstung sogar in Krankenhäusern knapp sei, wo eine tatsächliche Infektionsgefahr bestehe. Umso geringer seien die Chancen, dass eine Spedition momentan ihre Fahrer rein vorsorglich damit ausstatten könne.

„Es ist kontraproduktiv, wenn wegen solch künstlicher Barrieren wichtige Sendungen nicht zum Empfänger gelangen", mahnt die LBS-Geschäftsführerin.

Verfahren Absprechen, damit der Fahrer in der Kabine bleiben kann

Wichtig sei es aus Sicht des Branchenverbands, dass sich Dienstleister und Empfänger vorher über ein Verfahren verständigten, bei dem z.B. der Fahrer gleich in seiner Kabine bleiben kann. Es sei verständlich, dass die angefahrenen Unternehmen besondere Sicherheits-Standards setzen, so Lehmann. Aber es passe nicht zusammen, auf der einen Seite die Dringlichkeit funktionierender Lieferketten zu betonen und auf der anderer Seite jenen, die sie sicherstellen, ein Minimum an Entgegenkommen bei menschlichen Grundbedürfnissen zu gewähren – vielmehr noch: sie wie vermeintliche Risiko-Träger zu behandeln, meinte Lehmann.

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