Coronakrise: BVL sieht Wandel zu Click&Collect-Konzepten

Themenkreis Logistikimmobilien des Verbandes mahnt Handlungsbedarf im Retail an, weil sich Einkaufsgewohnheiten Richtung Online verschieben. Click&Collect-Konzepte gefragter.

Das Konzept OmniStore von TGW könnte nach Ansicht des BVL Themenkreises Logistikimmobilien den Wandel im Lebensmittelsegment erfolgreich begleiten. (Grafik: TGW/Umdasch)
Das Konzept OmniStore von TGW könnte nach Ansicht des BVL Themenkreises Logistikimmobilien den Wandel im Lebensmittelsegment erfolgreich begleiten. (Grafik: TGW/Umdasch)
Johannes Reichel
(erschienen bei LOGISTIK HEUTE von Sandra Lehmann)

Die Corona-Pandemie hat nach Aussage von Experten des BVL-Themenkreises Logistikimmobilien Auswirkungen auf die Einkaufsgewohnheiten der Deutschen. Wie die Mitglieder des Themenkreises in einer Pressemeldung bekannt gaben, könnte sich auch der Einkauf von Lebensmitteln und Produkten des täglichen Bedarfs zukünftig öfter im Onlinesegment und weniger im stationären Handel abspielen. Zudem gehen die Experten von einer vermehrten Nutzung von Click & Collect-Konzepten aus. Darauf müssten sich aus Sicht des Themenkreises insbesondere etablierte Lebensmittelhändler einstellen, um den Anschluss an große Onlineanbieter nicht zu verlieren.

„Die Coronakrise mit den strengen Abstands- und Hygieneregeln wird diesen Wandel beschleunigen. Und nach der Pandemie werden viele Verbraucher schlichtweg keine Lust mehr haben, sich den wöchentlichen Warenkorb, der zu 60 bis 80 Prozent immer aus den gleichen Produkten besteht, selbst im Lebensmittelmarkt zusammenzusuchen“, betont Kuno Neumeier, Sprecher des Themenkreises.

In diesem Zusammenhang weist der Logistikimmobilienfachmann darauf hin, dass es bereits Lösungen gibt, die die unterschiedlichen Einkaufsgewohnheiten der Kunden in einem Omni-Channel-Ansatz abbilden. Bereits Ende 2019 diskutierten die Retailexperten des Themenkreises das Konzept „OmniStore“ des Intralogistikanbieters TGW Logistics Group. Die Lösung der österreichischen Automatisierungsexperten sowie des Ladenbauers Umdasch basiert auf der Idee, dass ein Teil eines bestehenden Markts mithilfe eines TGW-Shuttlesystems automatisiert wird. Waren aus Onlinebestellungen würden in diesem Bereich binnen 15 Minuten ausgelagert, kommissioniert und zur Abholung bereitgestellt. Wer das Geschäft nicht betreten wolle, könne die Waren in einer Schleuse abholen.

„Der Vorteil ist, dass die Produkte rund um die Uhr abgeholten werden können und Menschen aus Risikogruppen keinerlei Kontakt mit dem Personal haben müssen“, betont Michael Schedlbauer, Industry Manager bei TGW.

Die Märkte seien so gestaltet, dass Verbraucher, die gerne frische Ware selbst aussuchen, dazu die Möglichkeit in einem von der Logistik separierten Gebäudeteil haben. Doch nicht nur die Kunden profitieren aus Sicht des Intralogistikanbieters von den Vorteilen des Omni-Channel-Ansatzes, sondern auch die Handelsketten: Sie könnten die bereits bestehenden, optimierten Supply Chain-Strukturen auch künftig nutzen und gleichzeitig die Logistik besser planen beziehungsweise das Personal gleichmäßiger auslasten.

„Die Lebensmittelketten haben zudem den Vorteil, dass sie das Konzept in bestehenden Immobilien umsetzen können“, betont Logistikimmobilienexperte Neumeier.

Die Automatisierungslösung ist nach TGW-Angaben in Märkten ab einer Fläche von 1.200 Quadratmetern und einer Deckenhöhe von sechs Metern einsetzbar. Gegebenenfalls müsse in einer kurzen Umbauphase die Decke im automatisierten Bereich erhöht werden.

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