Coronakrise: Einbruch bei CO2-Ausstoß wohl nur von kurzer Dauer

Der Verkehrssektor verzeichnet den stärksten Rückgang durch die Pandemie. Dennoch entspricht die Menge gerade mal dem weltweiten CO2-Ausstoß von 14 Tagen. Klimaexperten warnen vor Rebound-Effekt.

Alle Räder stehen still: Vor allem das Verkehrsaufkommen sank in der Corona-Krise und trug zu dem harten Abriss bei den CO2-Emissionen bei. Im Bild: Leere Autobahn A8 nahe Aying Richtung München am Samstag, 15. April, mitten in den Osterferien. | Foto. J. Reichel
Alle Räder stehen still: Vor allem das Verkehrsaufkommen sank in der Corona-Krise und trug zu dem harten Abriss bei den CO2-Emissionen bei. Im Bild: Leere Autobahn A8 nahe Aying Richtung München am Samstag, 15. April, mitten in den Osterferien. | Foto. J. Reichel
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Der CO2-Ausstoß ist im Zuge der Corona-Pandemie so stark gesunken wie seit 60 Jahren nicht mehr, vor allem der Verkehrssektor hat dazu beigetragen. Weltweit waren es 17 Prozent gegenüber dem üblichen Tageswert Anfang April, in Deutschland sogar 26 Prozent weniger an Ausstoß des schädlichen Treibhausgases. Das ist das Fazit einer Analyse von 13 internationalen Klimaforschern auf Basis der Energie- und Verbrauchsdaten der größten Volkswirtschaften der Erde, das im Fachblatt Nature Climate Change publiziert wurde.

Und dennoch, so warnen die Forscher, lagen die Emissionen sogar auf dem Tiefpunkt der Virus-Krise noch auf dem Niveau des Jahres 2006. Nach ihrer Prognose könnte der Rückgang in diesem Jahr weltweit in einem Korridor zwischen 4,2 bis 7,5 Prozent liegen, je nach Tempo der Lockerungen. Dabei wird nicht berücksichtigt, welche Auswirkungen eine Weltwirtschaftskrise auf den CO2-Ausstoß haben könnte. Seit Ostern steigen die Emissionen parallel zu den Lockerungen wieder an, liegen in Deutschland Ende April aber noch 16 Prozent unter dem Normalniveau.

Verkehr spart massiv CO2 ein, Heimarbeit fast ohne Effekt

Den stärksten Rückgang verzeichnete dabei der Transport- und Verkehrssektor: Im Minimum wurde ein Minus von 7,5 Millionen Tonnen pro Tag verzeichnet, fast die Hälfte aller eingesparten Emissionen. Aus Flugzeugtriebwerken stammten 60 Prozent weniger CO2 täglich als üblich. Die vermehrte Heimarbeit hatte im übrigen mit einem Anstieg von 0,16 Millionen Tonnen pro Tag kaum einen Effekt auf das Emissionsniveau.

Allerdings warnen die Forscher vor sogenannten Rebound-Effekten, mit dem die Emissionen in den Folgejahren 2021 und 2022 überkompensiert werden könnten. In China hätten sich die CO2-Wert bereits wieder dem Vorkrisen-Niveau angenähert. Der Einbruch durch die Pandemie könne den Klimawandel im besten Fall ohnehin nur unwesentlich verzögern. Die eingesparten Emissionen im Zuge der Pandemie entsprächen gerade einmal dem weltweiten Ausstoß von CO2 an 14 Tagen.

"Der Rückgang nutzt wenig, wenn die Politik diese Krise nicht zum Anlass für einen Strukturwandel nimmt. Wir haben jetzt die Möglichkeit, ökonomische Strukturen zu schaffen, die unabhängiger vom fossilen Energieverbrauch sind", erklärte der an der Studie beteiligte Berliner Klimaforscher Felix Creutzig vom MCC gegenüber dem SPIEGEL.

Was nötig wäre, haben die Forscher in der Studie ebenfalls skizziert: Um das im Pariser Abkommen verabredete 1,5-Grad-Ziel zu halten müsste der CO2-Ausstoß in jedem einzelnen Jahr über Dekaden in vergleichbarem Tempo sinken wie im Jahr der Corona-Krise 2020.

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