Coronakrise: InstaFreight liefert Gesichtsvisiere

In einer für die in der Coronakrise typisch pragmatischen Kooperation beteiligt sich die Spedition an einem Projekt mit Spritzguss- und Visierfolienherstellern zur Fertigung und Lieferung von Gesichtsvisieren.

Kooperativ und schnell: Das Projekt wurde von der Idee bis zur Umsetzung per 3D-Druck in wenigen Tagen umgesetzt. Von links nach rechts: Martin Koll vom Wissenschaftsladen Potsdam und Alexander Joseph von InstaFreight bei der Entladung der Gesichtsvisiere. | Foto: InstaFreight/Sebastian Gabsch
Kooperativ und schnell: Das Projekt wurde von der Idee bis zur Umsetzung per 3D-Druck in wenigen Tagen umgesetzt. Von links nach rechts: Martin Koll vom Wissenschaftsladen Potsdam und Alexander Joseph von InstaFreight bei der Entladung der Gesichtsvisiere. | Foto: InstaFreight/Sebastian Gabsch
Johannes Reichel

Die digitale Spedition InstaFreight hat gemeinsam mit anderen Unternehmen ein Projekt für medizinische Schutzausrüstung mit Gesichtsvisieren realisiert. Seit kurzem arbeitet man in dem Netzwerk der offenen Werkstätten Brandenburg an der Umsetzung mit. Hergestellt werden 24.000 dringend benötigte Visiere, die kostenfrei an Einrichtungen und Personen in Brandenburg verteilt werden. Dazu zählen insbesondere Pflegekräfte und medizinisches Personal.

Dabei handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt. Das Spritzguss-Unternehmen 1st Mould stellt Gestelle her, die Firma Bleher aus Süddeutschland produziert Visierfolien, die Potsdamer Druckerei Rüss druckt Beipackzettel und InstaFreight übernimmt die Transporte. Die Idee und Organisation der Gesichtsvisiere stammt vom Netzwerk der offenen Werkstätten Brandenburg, zu dem auch der Wissenschaftsladen Potsdam zählt.

"Von der Idee bis zum ersten Prototypen aus einem 3D-Drucker vergingen nur wenige Tage", skizziert der Logistikdienstleister.

Die große Nachfrage nach den kostenfreien Visieren habe bald den Ausbau der Produktion erforderlich gemacht, sodass der Kontakt zu 1st Mould, Bleher, Rüss, InstaFreight und anderen entstand. Am vergangenen Mittwoch organisierte InstaFreight kostenfrei den Transport der Visierfolien für die weitere Verarbeitung vom süddeutschen Ditzingen-Heimerdingen in die Landeshauptstadt Brandenburgs.

„Wenn wir von Initiativen wie diesen hören, unterstützen wir natürlich gerne. Die Anfrage für den Transport erreichte uns kurzfristig, da die Folien schneller als geplant zur Abholung bereitstanden. Uns gelang es, die Lkw bereits am Folgetag auf die Straße zu schicken”, schildert Philipp Ortwein, Co-Founder und Managing Director InstaFreight.

Martin Koll, Sprecher des Vereins ergänzt, in Zeiten des Coronavirus brauche es offen agierende Unternehmen, die pragmatisch denken und einfach mitmachen. Da InstaFreight kurzfristig und flexibel Transportkapazitäten zur Verfügung haben stellen können, wurden die Gesichtsvisiere schon zwei Tage früher verteilt. Weitere Transporte seien bereits im Gespräch, sollte die Nachfrage weiter steigen, bekräftigen alle Partner der Hilfsaktion.
 

Visiere: Essentiell bei engem Kontakt zu Patienten

Die 24.000 Gesichtsvisiere für den aus der Corona-Krise resultierenden großen Bedarf an Schutzausrüstungen unterstützen den medizinischen Bereich in einer kritischen Phase, in der etablierte Hersteller an ihre Fertigungsgrenzen stoßen, heißt es weiter. Für die nahe Zukunft ist auch ein Einsatz der Visiere in Schulen denkbar, beispielsweise bei der Durchführung der Abiturprüfungen. Benötigt wird das Produkt vor allem bei Personen, die Abstriche zur Untersuchung des Coronavirus durchführen oder engen Kontakt zu Patienten haben, wie es zum Beispiel bei Zahnärzten der Fall ist. Beim ausschließlichen Tragen eines FFP3-Mundschutzes kann eine Tröpfcheninfektion dennoch über die Schleimhäute der Augen erfolgen. Die Gesichtsvisiere werden über dem Mundschutz getragen und stellen eine zusätzliche Absicherung dar, beschreibt der Dienstleister weiter.

Medizinisches Personal, das die Gesichtsvisiere benötigt, kann sich für die Kontaktanbahnung an das Netzwerk offener Werkstätten Brandenburg wenden. Die Initiative bleibt, um die Gesichtsvisiere weiterhin kostenfrei verteilen zu können, auf Spenden angewiesen. Eine Spendenbescheinigung wird dabei auf Nachfrage ausgestellt.

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