Coronakrise könnte Boom bei Pharmalogistik auslösen

Als Folge Pandemie könnten sich neue Herausforderungen für die Pharma-Transportbranche ergeben. Schon jetzt nimmte bei der Dekra die Nachfrage nach GDP-Zertifizierungen zu.

Derzeit kommt Schutzausrüstung oft aus Fernost. Künftig könnte die Pharmaproduktion verstärkt nach Europa zurückgeholt werden. (Foto: Fiege)
Derzeit kommt Schutzausrüstung oft aus Fernost. Künftig könnte die Pharmaproduktion verstärkt nach Europa zurückgeholt werden. (Foto: Fiege)
Johannes Reichel
(erschienen bei Transport von Christine Harttmann)

Die Erfahrungen in der Corona-Pandemie werden dazu führen, dass in Europa mehr Pharmaprodukte produziert und auch eingelagert werden. Die Experten der Dekra gehen davon aus, dass die Unternehmen damit ihre Abhängigkeit aus Übersee verringern wollen. Hinzu komme, dass es den Behörden gemäß neuem Arzneimittelgesetz künftig möglich ist, eine Lagerhaltung bestimmter Präparate anzuordnen. Die hohen Qualitätsmaßstäbe im Hinblick auf Transport, Lagerung und Auslieferung von Humanmedizin können jedoch die europäische Logistikbranche an ihre Grenzen bringen. Im Sinne einer stringenten Kontrolle der Lieferketten für sämtliche Arzneimittel gilt seit 2013 die EU-Leitlinie für die gute Vertriebspraxis von Humanarzneimitteln (Good Distribution Practice - GDP). Demnach müssen Großhändler, nachgelagerte Transportunternehmen und Kuriere die Lageranforderungen vom Hersteller auch beim Transport einhalten.

Hohe Anforderungen für die Logistiker

Die Unternehmen in der Pharma-Logistik müssen dafür hohe Anforderungen erfüllen. Dazu gehören die Temperatur- und Feuchtigkeitskontrolle der Fahrzeuge und der Lager sowie die IT-seitige Vernetzungen der Kühlketten mit Seriennummernverfolgung. Auch Fahrer und Lagermitarbeiter müssen für die besonderen Anforderungen im Umgang mit Arzneimitteln geschult und sensibilisiert werden. In der gesamten Supply Chain müssen die Sorgfaltspflichten der Auftraggeber sowie der Auftragnehmer dokumentiert und überprüft werden.

Schwachstellen bei Lagerung und Transport

Eine erhöhte Nachfrage nach diesen GDP-konformen Zertifizierungen verzeichnen die Dekra Experten bereits jetzt. Wie Auditoren berichten, erkennen sie dabei häufig Schwachstellen bei Lagerung und Transport. Unter anderem geraten Arzneimittellieferungen Zwischenhändlern ohne Großhandelsgenehmigung oder in nicht geeignete Fahrzeuge mit mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen. Medikamente sind während des Transportwegs zuweilen nicht vor Hitze und Kälte geschützt. Hinzu kommen bauliche und technische Mängel bei Lagerhallen.

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