Dachser-Bilanz: Rekordjahr und schwierige Prognose

Der Logistikdienstleister Dachser steigerte 2019 seinen Umsatz. Der Landverkehr legte zu, Luft- und Seefrachtgeschäft waren rückläufig. Die Corona-Krise hinterlässt Spuren und macht Vorhersagen schwierig.

Stadt und Land: Die europäischen Landverkehre waren 2019 Umsatztreiber. | Foto: Dachser
Stadt und Land: Die europäischen Landverkehre waren 2019 Umsatztreiber. | Foto: Dachser
Johannes Reichel
(erschienen bei Transport von Torsten Buchholz)

Vor dem Hintergrund der Corona-Krise hat Dachser-CEO Bernhard Simon die Unternehmenszahlen für das vergangene Geschäftsjahr im Rahmen einer Web-Konferenz bekannt gegeben. Die Pandemie werde auch dazu führen, dass Dachser seine Ziele anpassen müsse.

"Dennoch werden wir mit fairen Preisen und fairer Vergütung die Corona-Krise durchstehen und den Grundstein für zukünftiges Wachstum legen“, schickte Dachser-CEO Bernhard Simon vorweg.

Immerhin baut man auf ein starkes letztes Jahr mit Rekord-Umsätzen: 2019 verzeichnete der Kemptener Logistikdienstleister 2019 einen konsolidierten Netto-Umsatz von 5,66 Milliarden Euro. Das bedeutet ein Plus von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr 2018. Dabei steigerte sich das Geschäftsfeld Road Logistics, in dem Dachser den Transport und die Lagerung von Industriegütern (European Logistics) und Lebensmitteln (Food Logistics) zusammenfasst, um 2,9 Prozent auf 4,60 Milliarden Euro. Dem gegenüber steht ein Umsatzrückgang von 4,1 Prozent im Luft- und Seefrachtbereich (Air & Sea Logistics), der laut Dachser insbesondere aus dem schwächeren Luftfrachtgeschäft für Automotive-Kunden resultiert. Dazu erklärte CEO Simon:

„Das Gesamtbild fällt differenzierter aus als in den Jahren zuvor, in denen wir bei nahezu allen Kennzahlen Jahr für Jahr neue Bestmarken erzielen konnte.“

Stagnation in der zweiten Jahreshälfte 2019

Diese Differenzierungen würden sich aus der sich eintrübenden Konjunktur insbesondere gegen Ende vergangenen Jahres ergeben. Aus Simons Sicht trat die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte weitgehend auf der Stelle. Die internationalen Verkehre zwischen Europa und dem Rest der Welt hätten unter geo- und wirtschaftspolitischen Neujustierungen gelitten. "Ich nenne nur die Zollkonflikte zwischen den USA und China, die lähmende Brexit-Debatte sowie vielerorts nationalistische Bestrebungen, die auf dem internationalen Handel lasten“, so Simon.

Dem Umsatzplus auf Konzernebene stehen rückläufige Sendungs- und Tonnagezahlen gegenüber. Während sich die Sendungszahlen um rund 3,7 Prozent von 83,7 auf 80,6 Millionen verringerten, sank die Tonnage im Vorjahresvergleich um 1,0 Prozent von 41,4 auf 41,0 Millionen Tonnen.

Im vergangenen Jahr hat Dachser insgesamt 151 Millionen Euro investiert. Das sei im Mehrjahresvergleich ein überdurchschnittlich hoher Wert. "Mehr als zwei Drittel dieser Summe flossen in unsere physische Infrastruktur“, erklärte Simon.

Auf alles gefasst: Auswirkungen der Corona-Krise

Simon ging natürlich auch auf die aktuellen Entwicklungen genauer ein. Hauptthema war die Corona-Krise. Diese habe zwar im ersten Quartal 2020 noch „relativ wenige Bremsspuren“ hinterlassen. Doch mittlerweile sei „Dachser als Logistikunternehmen, ebenso wie unsere Transportunternehmen und Carrier, konkret betroffen“. Mengenrückgänge im Industriegütergeschäft seien angesichts der aktuellen Einschränkungen des Geschäftslebens, insbesondere in Spanien und Frankreich, unvermeidbar. Simon analysierte, die Mengen im deutschen Netzwerk entwickelten sich recht stabil. Im Ausland verzeichne man allerdings 20 Prozent Rückgang, im Bereich Food Logistics hingegen Wachstumsraten. "Die Auswirkungen auf unser Geschäft sind schwer prognostizierbar, wir können die Lage nur jeden Tag aufs Neue bewerten und uns agil und flexibel darauf einstellen“, so Simons Resümèe.

Vor diesem Hintergrund und vor allem ohne zu wissen, wie lange diese Sondersituation noch anhalten werde, sei man derzeit nicht in der Lage, eine seriöse Prognose für das laufende Jahr abzugeben. „Wir stellen uns auf alle denkbaren Szenarien ein und werden auch unsere Wachstumsziele anpassen müssen“, gestand Simon zu. In diesem Jahr will er trotzdem kräftig investieren. Für den Moment seien die Investitionspläne für 2020 unverändert.

"Wir planen 195 Millionen Euro in unsere Standorte, Flotte, IT und andere Technologien zu investieren. Denn gerade in Krisenzeiten werden Qualität und Verlässlichkeit noch wichtiger.“

Printer Friendly, PDF & Email