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Dachser und Fraunhofer IML erproben digitalen Zwilling im Lager

KI-basierte Algorithmen identifizieren, verorten und vermessen vollautomatisch alle Packstücke im Umschlaglager. In ersten Schritt sollen Scannen und Beschriften entfallen, Abfahrtszeiten sich beschleunigen. Künftig soll KI die Beladung unterstützen und optimieren. Erfolgreicher Testbetrieb an zwei Standorten.

Ein (Ab)Bild von einem Lager: Dachser und Fraunhofer IML erproben den Einsatz eines digitalen Zwillings, um die Prozesse im Umschlaglager zu beschleunigen und zu effektivieren. | Foto: Dachser
Ein (Ab)Bild von einem Lager: Dachser und Fraunhofer IML erproben den Einsatz eines digitalen Zwillings, um die Prozesse im Umschlaglager zu beschleunigen und zu effektivieren. | Foto: Dachser
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Johannes Reichel

Der Kemptener Logistikdienstleister Dachser hat zusammen mit dem Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik (IML) eine Innovation in der Stückgutlogistik entwickelt und in die Praxis gebracht. Im sogenannten „@ILO-Terminal“ wird vollautomatisch und in Echtzeit ein komplettes digitales Abbild aller Packstücke, Assets und Abläufe eines Umschlaglagers erstellt. Damit beschleunigten sich die Eingangs- und Ausgangsprozesse, der Standort des Packstücks ist in Echtzeit nachvollziehbar. Davon sollen  gewerbliche Mitarbeitende, Fahrerinnen und Fahrer, aber auch Beschäftigte in Disposition und Kundenservice profitieren. Im Echtbetrieb bewähre sich die technologische Neuerung bereits in den Umschlaglagern der Dachser Niederlassungen in Unterschleißheim bei München und Öhringen bei Heilbronn. Die Abkürzung steht für „Advanced Indoor Localization and Operations“ und ist ein Forschungsprojekt aus dem DACHSER Enterprise Lab, das der Logistikdienstleister gemeinsam mit dem Fraunhofer (IML) betreibt.

Software im Mittelpunkt

Herzstück ist die gemeinsam entwickelte @ILO Software. Spezielle KI-basierte Algorithmen interpretieren die im Sekundentakt von optischen Scaneinheiten erfassten Daten, um so alle Packstücke automatisch und unmittelbar zu identifizieren, zu lokalisieren und in Zukunft auch zu vermessen, skizziert der Anbieter weiter. Dabei werde ein komplettes, jederzeit aktuelles Abbild des Lagers und seiner Prozesse erstellt – ein so genannter, digitaler Zwilling‘. Dieser soll in Zukunft Echtzeitdaten zu jeder palettierten Sendung im europäischen Dachser-Transportnetzwerk liefern.

„Mit der konsequenten Digitalisierung unserer Kernprozesse können wir unsere Dienstleistung weiter verbessern. Wir setzen dabei nicht nur auf modernste Technologien, sondern wollen - wie im @ILO-Terminal - auch unsere Mitarbeitenden in die digitale Welt mitnehmen. Diese Innovation hat so das Potenzial, ein Meilenstein auf dem Weg zu effizienteren und nachhaltigeren Logistikoperationen zu sein", wirbt erklärt Burkhard Eling, CEO von Dachser.

Man erreiche eine neue Stufe der "Supply Chain Visibility“, meint auch Stefan Hohm, CDO von Dachser und Mitglied des Vorstands. Vier Jahre lang habe man an dem digitalen Zwilling gearbeitet, mit dem das Internet der Dinge und die Vision von Logistik 4.0 auch in der Stückgutlogistik Wirklichkeit werde.

Vollautomatische Identifizierung und metergenaue Ortung

In dem Terminal werden Packstücke beim Eintritt, Aufenthalt und Verlassen vollautomatisch identifiziert und im Transportmanagementsystem erfasst, schildert der Logistiker weiter. Manuelle Scanvorgänge von Barcodes und das zusätzliche Beschriften der Packstücke entfallen damit. Technologische Basis des Systems sind zweidimensionale Datamatrix-Codes auf der Oberseite jedes Packstücks, die als Identifikator dienen sowie mehrere hundert optische Scaneinheiten im Deckenbereich der Hallen, die den gesamten Boden erfassen. Dies ermögliche auch die metergenaue Ortung aller Paletten in Echtzeit in den oftmals Fußballfeld-großen Umschlaglagern. Die Stellplätze von Sendungen als auch die Position von Flurförderzeugen ließen sich so in Echtzeit visualisieren und auf Websites, Apps oder mobilen Displays zusammen mit Leitinformationen für den innerbetrieblichen Transport darstellen, was die Transparenz im Lager deutlich verbessern sowie Such- und Beladeprozesse beschleunigen soll.

Verheiratung der Flurförderzeuge

Eine Neuheit ist die so genannte automatische „Verheiratung“ der Flurförderzeuge (FFZ) und Packstücke. Das System erkennt die Aufnahme einer Palette mit einem FFZ automatisch und übermittelt in Echtzeit Informationen zum jeweiligen Packstück über Displays an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auch diese Funktionalität spare Prozesszeiten und könne Abläufe im Umschlaglager neu gestalten, wirbt der Logistiker.

Permanente Vermessung der Packstücke

Ein weiteres technologisches Highlight soll künftig die vollautomatische und permanente Vermessung aller Packstücke werden. Bereits im Pilotbetrieb könne das System die Dimensionen der Packstücke mit hoher Genauigkeit ermitteln. Bei voller Praxistauglichkeit ließen sich die ermittelten Volumendaten unter anderem von intelligenten Algorithmen nutzen, um Fahrerinnen und Fahrer sowie die Beschäftigten im Umschlaglager bei der Verladungs- und Tourenplanung zu unterstützen und die Auslastung von Wechselbrücken, Trailern und Nahverkehrsfahrzeugen weiter zu erhöhen. Dies würde dann zu einer Reduzierung von Transportkilometern und so auch zu einer Vermeidung von Emissionen führen.

„Bereits in den ersten Tests haben sich die praktischen Vorteile des @ILO-Terminals deutlich gezeigt. Die Kolleginnen und Kollegen sparen mit dem System wertvolle Zeit und können die Abläufe im Terminal noch effizienter gestalten. Auch die Beladung und Abfahrt gestaltet sich für die Fahrerinnen und Fahrer deutlich entspannter. All das hat das Potenzial für einen Innovationssprung in der Stückgutlogistik", schwärmt Alexander Tonn COO Road Logistics bei Dachser.

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