DAF XF/XG: Neue Reihe soll sparsamer, sicherer und vernetzter sein

Die Niederländer wollen mit dem neuen XF/XG den Truck neu erfunden haben. Hohe Effizienz und gute Aerodynamik soll mit weiter üppigem Raumangebot verquickt sein. Konnektivität und Fahrerassistenz sowie digitale Spiegel und LED-Leuchten heben die Marke auf ein neues Level.

Dreieinigkeit: Als erster Hersteller reklamiert DAF für den XG die Umsetzung der neuen EU-Regularien zur Lkw-Gestaltung. | Foto: DAF Trucks
Dreieinigkeit: Als erster Hersteller reklamiert DAF für den XG die Umsetzung der neuen EU-Regularien zur Lkw-Gestaltung. | Foto: DAF Trucks
Johannes Reichel

Der niederländische Lkw-Hersteller DAF Trucks hat seine neuen Baureihen XF, XG und XG+ vorgestellt und verspricht um bis zu 10 Prozent verbesserte Kraftstoffeffizienz, deutlich höhere aktive und passive Sicherheit sowie eine aerodynamisch optimierte und dennoch geräumige Kabine. DAF sei der erste europäische Lkw-Hersteller, der die neuen Gestaltungsfreiheiten der geänderten EU-Regelungen genutzt habe, reklamiert der Anbieter. Die wichtigsten Features umfassen ein völlig neu konzipiertes, vorne um 160 mm verlängertes Fahrerhaus für branchenführende Aerodynamik, höchste Energieeffizienz und den geringsten CO2-Ausstoß. Das Fahrerhaus der neuen XF-Generation ist im Vergleich zum Vorgängermodell um 75 mm niedriger. Die große Windschutzscheibe gewährleistet zusammen mit der besonders niedrigen Gürtellinie eine herausragende Direktsicht, die für eine in der Branche führende Sicherheit sorgt, insbesondere in Bezug auf gefährdete Verkehrsteilnehmer. Je nach Position im Fahrerhaus verfügt der neue XF über eine ausgezeichnete Stehhöhe zwischen 1.900 und 2.075 mm.

Ausgewürfelt: XG setzt neu an

Neben dem XF führt DAF den XG und den XG+ ein und schafft damit ein neues Oberklasse-Segment, das die neuen Vorschriften für Maße und Gewichte optimal ausnutzt. Neben der um 160 mm längeren Front sind die Fahrerhäuser der beiden Flaggschiff-Modelle auch hinten um ganze 330 mm länger und bieten im Innenraum ein unübertroffenes Platzangebot für Arbeit, Freizeit und Ruhezeiten. Das Fahrerhaus des XG und XG+ ist 125 mm bzw. 220 mm höher als das der neuen Generation des XF. Durch den halbflachen Boden wird eine optimale Kombination aus leichtem Einstieg mit nur drei Stufen und einer hervorragenden Sitzposition mit fantastischer Direktsicht erreicht. Im Inneren bietet das Fahrerhaus des DAF XG eine Stehhöhe zwischen 1.980 und 2.105 mm sowie – dank des längeren Hecks – einen enorm großzügigen Innenraum. Der XG+ ist noch höher, die maximale Stehhöhe erreicht 2.220 mm.

Die Front kombiniert ansehnliches Design mit regulatorischen Vorgaben, was zu einer aerodynamischen Form und erhöhter Sicherheit für gefährdete Verkehrsteilnehmer sorgen soll. Ein zentrales Designmerkmal sind die modernen Voll-LED-Scheinwerfer mit charakteristischen Tagfahrleuchten und Abbiegelicht, die für eine markante Signatur und eine gute Sicht bei Nacht sorgen sollen. Beim XG und XG+ serienmäßig sind die LED-Skylights ergänzt, für jedes Modell unterschiedlich gestalte.

Viel Feinarbeit am Motor - und bis zu zehn Prozent mehr Effizienz

Um die Effizienz weiter zu steigern wurden die Antriebsstränge weiterentwickelt. Die Verbrennung des 10,8-Liter-Motors PACCAR MX-11 und des 12,9-Liter-Motors PACCAR MX-13 wurde mit neuen Einspritzdüsen, einem neuen Zylinderkopf und Motorblock – für höhere Zylinderdrücke – sowie einem neuen Aufbau von Kolben und Laufbuchsen optimiert. Effiziente Turbolader der neuesten Generation sorgen für ein optimales Luftmanagement, wobei die Verlustleistung mit neuen Druckluftkompressoren, Ölpumpen und Lichtmaschinen auf ein Minimum reduziert wird. Das Abgasnachbehandlungssystem wurde neu konzipiert, um den Weg vom Motorauslass zur Nachbehandlung so weit wie möglich zu verkürzen und damit minimale Abgastemperaturverluste und dadurch höchste Effizienz zu erzielen.

Das Ergebnis soll ein effizienter Motor sein, der ein Wartungsintervall von einem Jahr sowie ein um 10 bis 15 kg geringeres Gewicht aufweist. Die Luftführungen sollen hohe Aerodynamik am Unterboden und im Motorraum sicherstellen sowie höchste Effizienz des Kühlmoduls und minimalen Lüfterbetrieb, während große Ladeluftkühler für gutes Temperaturmanagement und optimalen Motorbetrieb sorgen sollen. Diese neuen Motor- und Nachbehandlungstechnologien sowie das aufwendige Wärmemanagement machen bis zu drei Prozent des um 10 Prozent niedrigeren Kraftstoffverbrauchs aus, wie der Hersteller angibt

Die neuen DAF-Modelle sind serienmäßig mit einem automatisierten TraXon-Getriebe ausgestattet, das eine automatische Gangwahl beim Anfahren, verbesserte vorausschauende Funktionen und den (optionalen) „Urge-to-move“-Modus umfasst. Um die Effizienz des Antriebsstrangs zu maximieren, werden Hinterachsen mit einem reduzierten Ölstand und neue Ritzellager verwendet. Die Bremssättel der neuesten Generation sorgen für weniger Reibungsverluste und ein geringeres Gewicht.

Größter Verbrauchssprung der DAF-Historie

Das verringerte Fahrzeuggewicht - das Eigengewicht der 4x2-Zugmaschine der neuen Generation XF nur 6.912 kg - und die fortschrittlichen Fahrerassistenzsysteme wie etwa Predictive Cruise Control 3 mit erweiterten EcoRoll-Funktionen und Vorschau der Geschwindigkeitsregelung für Bergabfahrten sollen für eine Steigerung der Effizienz um beeindruckende 10 Prozent in der Summe sorgen. Das sei die größte Verbesserung der Kraftstoffeffizienz in der Geschichte des Unternehmens.

Dank des um 50 bis 100 Nm höheren Drehmoments im Direktantrieb im höchsten Gang verspricht man zugleich bessere Performance. Die Spitzenversion mit 390 kW/530 PS leistet jetzt 2.550 Nm in jedem niedrigeren und 2.700 Nm im höchsten Gang. Mit dem neuesten HE400-Turbolader werden das Luftmanagement sowie das Downspeeding der Fahrzeuge weiter verbessert: Das maximale Drehmoment beim PACCAR-MX-13-Motor mit 390 kW/530 PS liegt jetzt bei 900 U/min. Darüber hinaus liefere die bereits marktführende Motorbremse bis zu 20 Prozent mehr Drehmoment bei niedrigeren Drehzahlen.

Luftschnittstelle für Software: Over-the-Air-Updates

Mit der Einführung der neuen Generation führt der Hersteller Over-the-Air-Updates für den Motor und die Nachbehandlungssysteme, das Fahrzeug-ECU, das Central Security Gateway (CSG) und DAF Connect ein. Für den Fernverkehr ist ein optionales verlängertes Wartungsintervall von bis zu 200.000 Kilometern verfügbar. Dies bedeutet für alle Einsätze auf der Straße Wartungsintervalle von einem Jahr. Der MultiSupport bietet europaweit gültige Reparatur- und Wartungsverträge an, und dank des neuen Reparatur- und Wartungsplaners werden Kunden proaktiv kontaktiert, wenn Wartungsarbeiten erforderlich sind.

Vollen Durchblick: Großer Wert auf Direktsicht gelegt

Bei der Entwicklung der neuen Fahrzeuggeneration habe man höchsten Wert auf eine ausgezeichnete Direktsicht gelegt, unter anderem über eine 2,3 m² große Windschutzscheibe, die tief herunter gezogen ist. Auf Wunsch kann auf der Beifahrerseite ein Bordsteinfenster eingebaut werden, das zusammen mit dem neuen hochklappbaren Beifahrersitz bessere Sicht auf Fußgänger, Radfahrer und Kinder neben dem Lkw ermögliche. Die neuen Spiegelgehäuse sind schlanker gestaltet, was die Sichtverhältnisse ebenfalls verbessere.

Kameraspiegelsystem ersetzt Hauptspiegel

Das optional erhältliche, neue Kameraspiegelsystemersetzt die Haupt- und Weitwinkelspiegel. Mit den Kameras wird die Direktsicht ergänzt und zugleich die Aerodynamik verbessert. Zu den weiteren Funktionen gehören das automatische Schwenken (das Kamerabild folgt in Kurven dem Heck des Anhängers) und das Einblenden zusätzlicher Informationen zu Fahrzeuglänge und Abständen, was das Manövrieren und Überholen erleichtern soll. Selbst bei extremen Wetterbedingungen böten die beheizten Kameras eine klare Sicht, wirbt der Hersteller. Die Spiegel-Kameras sind außerdem elektrisch einklappbar. Der optionale Eckkameraspiegel an der A-Säule der Beifahrerseite ersetzt die Bordstein- und Frontscheibenspiegel und bietet ein deutlich größeres Sichtfeld als herkömmliche Spiegel.

Neue Konstruktion mit mehr Crash-Sicherheit

Die neue Konstruktion der Rohkarosserie zeichne sich durch eine leichte und extrem robuste Bauweise aus und verfüge über stoßabsorbierende Crashboxen an der Trennwand zum Fahrerhaus sowie vollständig in die Fahrerhaus-Rückseite integrierte Knautschzonen, die den Fahrer vor beweglichen Lasten schützen. Das sogenannte Programmed Cab Displacement System (ProCaDis). Mit diesem System kann sich bei einem Unfall das Fahrerhaus auf dem Fahrgestell kontrolliert um bis zu 400 mm verschieben, um die Aufprallenergie zu absorbieren und ein unkontrolliertes Lösen des Fahrerhauses zu verhindern. Mit ProCaDis bleibt die Struktur des Fahrerhauses erhalten, und der Überlebensraum für die Fahrzeuginsassen wird deutlich vergrößert.

Intelligente Funktionen für aktive Sicherheit
Bei den Modellen XF, XG und XG+ stehen zahlreiche aktive Sicherheitsvorrichtungen zur Auswahl. Dazu gehören der Bremsassistent, der Spurhalteassistent und die Notbremsleuchten. Der neueste Notbremsassistent (AEBS-3) ermöglicht vollautonome Notbremsungen, um einen Aufprall auf stehende und sich bewegende Fahrzeuge bei einer Geschwindigkeit von bis zu 80 km/h zu verhindern. Der Abbiegeassistent erkennt andere Verkehrsteilnehmer oder Objekte auf der Beifahrerseite.

Automatische, elektronische Feststellbremse

Zu den weiteren optionalen Systemen gehört die neue elektronische Feststellbremse, die beim Abstellen des Motors automatisch betätigt wird. Die Anhängerbremse für niedrige Geschwindigkeiten betätigt die Anhängerbremsen unabhängig voneinander, um ein sicheres An- und Abkuppeln des Anhängers zu gewährleisten, skizziert der Hersteller. Der Feststellbremsassistent aktiviere alle Bremsen zusammen mit der Feststellbremse, um die Standsicherheit zu gewährleisten, so dass sich der Lkw beim Be- und Entladen mit einem Kran oder bei der Verwendung eines Kipperaufbaus nicht bewegt.

Cockpit: Verbesserte Benutzerfreundlichkeit
Im Cockpit selbst wurde die Ergonomie verbessert und alle fahrbezogenen Funktionen können jetzt über das Lenkrad sowie den Lenksäulenhebel gesteuert werden, ebenso wie das Menü des digitalen Displays, das Getriebe sowie die Audio- und Telefonfunktionen. Die sekundären Fahrfunktionen werden über physische Schalter betätigt, die auf dem Armaturenbrett logisch angeordnet und einfach zu bedienen sind.

Die Highlights der Kabine:

  • Neue Fahrerhäuser, bis zu 12,5 m3 Volumen
  • Sitzposition: 
    • Sehr großer Einstellbereich von Fahrersitz und Lenksäule
    • Optional drehbarer Fahrer- und Beifahrersitz
    • Hochwertiges Armaturenbrett mit 12-Zoll-Display und optionalem 10-Zoll-Zusatz-Display für das Infotainment-System
  • Betten:
    • Bis zu 800 mm Breite über die gesamten 2.220 mm Länge
    • Voll elektrisch verstellbares Relax-Bett mit optionalem Topper
  • LED-Innenraumbeleuchtung
  • Hochwertige Verarbeitung, Materialien und Innenausstattung
  • Vollintegrierte Standklimaanlage
  • Handling: 
    • Neue Fahrgestellkonstruktion vorn und hinten
    • Hohe Torsionssteifigkeit
  • Geräuschkomfort verbessert

Der Einstieg erfolgt über nur drei Stufen, die wie eine Treppe angeordnet sind. Für einen leichten Einstieg kann das neue Lenkrad weit nach vorn gekippt werden. Für die XG- und XG+-Modelle ist auf Wunsch auch eine umfangreiche Innenraumbeleuchtung mit 15 LEDs und -Lichtbändern mit Dimmfunktion und Ambientelicht erhältlich. Ein Beispiel für die Ambitionen in Sachen Haptik ist das Armaturenbrett, das aus einem pulvergesinterten Material besteht. Die neue Generation sorgt mit der serienmäßig verbauten automatischen Temperaturregelung oder der optional erhältlichen Klimaautomatik für mehr Komfort. Eine Neuheit ist die für den XG+ optional erhältliche voll integrierte Standklimaanlage, mit der das Fahrerhaus beim Fahren wie im Stand automatisch gekühlt und beheizt werden kann.

Neues Chassis mit höherer Steifigkeit

Aufgrund der um 160 mm verlängerten Fahrerhausfront musste ein neues Fahrgestell konstruiert werden. Die neu entwickelten, versteiften Querträger sowie der neue vordere Unterfahrschutz aus Aluminium sollen für eine verbesserte Torsionssteifigkeit bei gleichzeitig geringerem Gewicht (ca. –38 kg) sorgen, was auch den Fahrkomfort noch weiter erhöh, so das Versprechen. Dazu trägt dem Vernehmen nach auch die neue Fahrerhausfederung mit neuem Dämpferdesign und integrierten Crash-Trägern bei. Die Hinterachsaufhängung wurde neu konzipiert, um eine bessere Geometrie sowie eine neue Position der Sattelkupplung zu ermöglichen. Dadurch verlängerte sich der Radstand des XG und des XG+ im Vergleich zum neuen XF von 3.800 mm um 200 mm auf 4.000 mm. Dies soll für bessere Fahreigenschaften und agileres Handling sorgen. Einen Beitrag leistet hier auch die komplett neuentwickelte Lenkung mit geringem Kraftaufwand. Darüber hinaus sollen die Fahrerhäuser leise und vibrationsarm sein.

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