Werbung
Werbung
Werbung

Daimler: 12,8-Liter-Motor überarbeitet, neue Sicherheitsfeatures in Entwicklung

Der gründlich überarbeitete OM471-Motor soll um weitere drei Prozent sparsamer sein. Abbiegeassistent und Spiegelkamera angekündigt. Daimler: "Rahmenbedingungen für autonomes Fahren schaffen". Staatssekretär kündigt "Runden Tisch" an.
Sicherheit auf ganzer Linie: Daimler präsentierte in Berlin einen Zwischenstand bei der Entwicklung neuer Sicherheitsfeatures vom Van bis zum Lkw. | Foto: Daimler
Sicherheit auf ganzer Linie: Daimler präsentierte in Berlin einen Zwischenstand bei der Entwicklung neuer Sicherheitsfeatures vom Van bis zum Lkw. | Foto: Daimler
Werbung
Werbung
Johannes Reichel

Lkw- und Bus-Hersteller Daimler hat bei einer Veranstaltung in Berlin eine überarbeitete Version seines Schwer-Lkw- und Bus-Motors OM471 präsentiert. Das 2011 als Neuentwicklung vorgestellte Aggregat soll dank diverserer technischer Verfeinerungen bei der innermotorischen Verbrennung um bis zu drei Prozent sparsamer laufen als der Vorgänger. Ermöglicht werde der Verbrauchsfortschritt etwa durch Verbesserungen bei der Kraftstoffeinspritzung in Form eines überarbeiteten "X-Pulse"-Systems, eine höhere Verdichtung, einen neuen Abgasturbolader sowie eine reduzierte Rate der Abgasrückführung, deutet der Hersteller an. Dabei komme eine patentierte Lösung für die AGR sowie ein maßgeschneiderter asymmetrischer Turbolader zum Einsatz, bei dem es nun anstelle der bisherigen AGR-Klappe im AGR-Pfad eine weit nach vorn verlegte AGR-Klappe im Abgaskrümmer gibt, und zwar vor dem Eintritt des Abgases in den Turbolader. Ein Novum dabei: Daimler hat sich entschlossen, statt auf ein Zulieferprodukt zu vertrauen, den Turbolader in eigener Regie im Motorenwerk Mannheim herzustellen.

Zudem wurden die Leistungsvarianten erweitert. Dem Kunden stehen vom kleinsten Motor mit 421 PS/310 kW mit einem Drehmoneten von 2.100 Nm bei 1.100 U/min bis zum neuen Spitzenmotor mit 530 PS/390 kW(2.600 Nm bei 1.100 U/min) fünf verschiedene Grundausführungen zur Verfügung. Der 12,8-Liter-Motor wird ab August in allen Setra-Top-Class-Modellen serienmäßig eingesetzt, ist im Bus-Bereich ansonsten optional bestellbar. Bei der Lkw-Reihe Actros kommt das Aggregat ab Oktober zum Einsatz. Der Mehrpreis beträgt 2450 Euro, der sich aber über die Spritersparnis rasch amortisieren soll.

Daneben hat Daimler angekündigt, weitere Sicherheitsfeatures in den nächsten Jahren zur Serienreife zu bringen. Dazu zählt etwa der seit vielen Jahren diskutierte und oft geforderte Abbiebeassistent für Lkw, für den auch Daimler allerdings noch zwei bis drei Jahre Entwicklungszeit veranschlagt. Mit dem System, das beim Abbiegen Passanten oder Radfahrer erkennt, will man als erster Hersteller an den Start gehen. Damit ließen sich die Hälfte aller Lkw-Unfälle mit Fußgängern oder Radfahrern verhindern, so Daimler mit Verweis auf Verkehrsexperten. Außerdem arbeitet der Hersteller an der sogenannten "Mirror Cam". Durch rechts und links im Fahrerhaus angebrachte Monitore in Verbindung mit Außenkameras werde die Sicht für den Fahrer deutlich verbessert, verspricht Daimler. Außerdem sinke aufgrund des im Vergleich zu Außenspiegeln geringeren Luftwiderstands der Kraftstoffverbrauch.

Weiterentwickelt werde von Daimler derzeit auch der Notbremsassistent, der in der aktuellen dritten Generation Active Brake Assist 3 (ABA3) den Lkw oder auch den Bus vor stehenden Hindernissen falls nötig bis zum Stillstand abbremst. Mehr als die Hälfte aller Auffahrunfälle mit schweren Nutzfahrzeugen ließen sich so vermeiden, verweist Daimler auf Expertenschätzungen. In einer nächsten Stufe werde der Notbremsassistent auch Fußgänger und Radfahrer erkennen können. Weiterentwicklungen kündigt man auch beim Spurhalteassistenten an. Zur optischen und akustischen Warnung soll dann ein aktiver Eingriff in die Lenkung kommen, falls der Lkw von der Fahrbahn abzukommen droht.

Daimler sieht die neuen Systeme als Zwischenschritt auf dem Weg zum autonomen Fahren, das bereits heute mit Systemen wie dem GPS-Tempomat PPC in weitgehender Weise realisiert wird. Für PPC gibt Daimler bei den Actros-Fernverkehrsmodellen im Übrigen enorm hohe Einbauraten an: Bis zu 70 Prozent der Fahrzeuge in diesem Segment würden mit Predictive Powertrain Control geordert. Der Hersteller hat sämtliche vorhandende und darüber hinausgehende Systeme im fahrbaren Konzept Future Truck 2025 zusammengefasst, das die technische Machbarkeit bereits im vergangenen Jahr auf einem Teilabschnitt der A41 bei Magdeburg unter Beweis stellte. Mittlerweile hat der Hersteller in den USA für den auf der gleichen Technik basierenden Freightliner Inspiration Truck mit sogenanntem "Highway Pilot" erhalten. Demnächst will man in die laut Hersteller unabdingbare öffentliche Erprobung auf deutschen Straßen starten, die Autobahn A9 sei dafür vorgesehen. Dafür müsse die Politik die Rahmenbedingungen schaffen. "Die Vorteile für mehr Sicherheit und Effizienz im Güterverkehr liegen auf der Hand. In Deutschland, wo Pkw und Lkw einst zuerst fuhren, müssen auch Pkw und Lkw der nächsten Generation zuerst fahren“, forderte Daimler-Lkw- und Bus-Vorstand Wolfgang Bernhard.

Norbert Barthle, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, erklärte: „Wir wollen die Potenziale des automatisierten Fahrens ausschöpfen. Von dieser Technik versprechen wir uns eine Verbesserung des Verkehrsflusses und eine Erhöhung der Verkehrseffizienz – der Nutzen für den Fahrer ist enorm." Deshalb habe Bundesverkehsminister Dobrindt den Runden Tisch ,Automatisiertes Fahren‘ ins Leben gerufen. Dort sollen gemeinsam mit Wissenschaftlern und Vertretern der Industrie offene Fragen geklärt und beispielsweise haftungsrechtliche Regeln entwickelt werden, so der Staatsekretär. Erste Eckpunkte hierzu werde das Bundesverkehrsministerium bis zur IAA Pkw im September vorstellen. (jr/tbu)

Printer Friendly, PDF & Email
Werbung