Daimler: 275 Jahre Lkw-Historie auf dem Weg nach England

Lkw-Bauer bringt zwei historische Lkw mit dem neuen Mercedes Actros von Stuttgart-Bad Cannstatt nach London.

Zwei historische Trucks von 1896/1897 reisen mit einem Actros genau 125 Jahre nach der Originallieferung nach England. Bild: Daimler Truck AG
Zwei historische Trucks von 1896/1897 reisen mit einem Actros genau 125 Jahre nach der Originallieferung nach England. Bild: Daimler Truck AG
Johannes Reichel
(erschienen bei Transport von Nadine Bradl)

Am 18. August 1896 präsentierte Gottlieb Daimler den weltweit ersten motorisierten Lastwagen. Das allererste Exemplar verkaufte Daimler an das Automobil-Unternehmen British Motor Syndicate in London. Genau 125 Jahre später am 18. August 2021 trifft in London ein Sattelzug aus Stuttgart ein: Der aktuelle Mercedes-Benz Actros transportiert mit zwei historischen Lkw und seinem eigenen diesjährigen 25-jährigen Jubiläum das geballte Erbe aus 275 Jahren Nutzfahrzeuggeschichte. Anlass ist eine Road-Show von Mercedes-Benz Trucks zum 125. Lkw-Jahrestag sowie das Actros-Jubiläum. Mit dabei: Der originalgetreue Nachbau des ersten Lkw von Daimler von 1896, der wie eine Kutsche mit Motor und ohne Deichsel aussah. Die im Jahr 1990 entstandene Replik des ersten Lkw kostete rund 100.000 Deutsche Mark.

Noch auf Eisenreifen

Der „Phoenix“ genannte, vier PS starke Zweizylinder-Heckmotor mit 1,06 Liter Hubraum des Lkw von 1896 stammte aus dem Pkw. Ihn kombinierte Daimler mit einem Riemenantrieb auf die Hinterachse. Dort saßen zudem Schraubenfedern, die die Erschütterungen vom empfindlich reagierenden Motor fernhielten. Schließlich rollte das Fahrzeug auf harten Eisenreifen.

Motor unterm Sitz

Bei dem zweiten historischen Lkw handelt es sich um ein Original, das einst im Dresdner Verkehrsmuseum beheimatet war. Im Jahr 1898 verlegten Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach beim Sechs-PS-Fahrzeug den bis dahin am Heck postierten zweizylindrigen Phoenix-Motor unter den Fahrersitz, wobei das Viergang-Riemengetriebe ebenfalls nach vorn wanderte. Doch ließ auch diese Lösung noch einige Wünsche offen.

Mit zehn PS unterwegs

Noch im gleichen Jahr bekam der Lkw dann schließlich jene Konstruktionsgrundlagen, die bis in die heutige Zeit bei modernen Lkw Bestand haben und den Weg zu immer höherer Leistung und Nutzlast ebnen sollte: Der Motor fand seinen Platz nun ganz vorn, war vor der Vorderachse angeordnet und gab seine zehn Pferdestärken über ein Viergang-Zahnradgetriebe sowie eine durchgängige Längswelle und Ritzel an die Innenzahnkränze der Hinterräder weiter.

Der für den Transport der historischen Lkw eingesetzte Actros startete seine Reise – genau wie sein historischer Vorgänger – von Stuttgart-Bad Cannstatt nach London.

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