Daimler eröffnet Factory 56 und startet in digitalisierte Produktion

In der neuen voll vernetzten Fabrik in Sindelfingen geht mit der Eröffnung die neue S-Klasse in Produktion, die 25 Prozent effizienter gebaut werden soll.

Digital und vernetzt: In der neuen Factory 56 in Sindelfingen soll die neue S-Klasse nachhaltig und effizienter produziert werden. | Foto: Daimler
Digital und vernetzt: In der neuen Factory 56 in Sindelfingen soll die neue S-Klasse nachhaltig und effizienter produziert werden. | Foto: Daimler
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Mit einer Investition von rund 730 Mio. Euro ist die Fabrik im Mercedes-Benz Werk Sindelfingen ein klares Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Deutschland. Insgesamt investiert Mercedes-Benz rund 2,1 Mrd. Euro in den Standort Sindelfingen. Gleichzeitig steigert das Unternehmen in der Factory 56 die Effizienz um 25 Prozent im Vergleich zur bisherigen S-Klasse Montage. Die Produktion in der Factory 56 zeichnet sich durch hohe Flexibilität aus. Dies betreffe sowohl die Anzahl produzierter Modelle und das Produktionsvolumen als auch den Materialfluss. Neue Modelle – vom Kompaktwagen bis zum SUV, vom konventionellen über plug-in hybridischen bis zum elektrischen Antrieb – ließen sich in nur wenigen Tagen in die Serienfertigung integrieren. Die Produktion könne schnell und flexibel an die aktuelle Marktnachfrage angepasst werden, wirbt Daimler.

Auf Linie mit dem Nachhaltigkeitsprogramm der Ambition 2039 werde die Factory 56 zur "Zero Carbon Fabrik" – vollständig CO2-neutral und mit einem deutlich reduzierten Energiebedarf. Möglich wird dies etwa durch ihr innovatives Energiekonzept mit einer Photovoltaikanlage, einem Gleichstromnetz und Energiespeichern auf Basis von wiederverwendeten Fahrzeugbatterien. Als Blaupause will man das Konzept der Factory 56 sukzessive auf alle Mercedes-Benz Pkw-Werke weltweit übertragen.

„Mit der Factory 56 ist es uns gelungen, Flexibilität, Effizienz, Digitalisierung und Nachhaltigkeit erfolgreich zusammen zu bringen. Und davon profitieren die Menschen, die hier arbeiten, der Standort, das Unternehmen und natürlich auch unsere Kundinnen und Kunden. Die Factory 56 gibt damit die Richtung für die künftige Automobilproduktion bei Mercedes-Benz vor: ressourcenschonend, vernetzt und flexibel", kommentierte Vorstandschef Ola Källenius.

5G-Netz ist hier schon Realität

In der Factory 56 bildet eine neue, digitale Infrastruktur mit einem leistungsfähigen WLAN- und 5G Mobilfunknetz eine wichtige Basis für die vollständige Digitalisierung. Hochmoderne Industrie 4.0-Anwendungen – von Smart Devices bin hin zu Big Data Algorithmen – kommen zum Einsatz. Digitale Produktionstechnologien konnten flächendeckend implementiert werden. Die Factory 56 ist dabei völlig papierlos gestaltet: Dank digitaler Ortung eines jeden Fahrzeugs auf der Linie über ein Ortungssystem werden die für die Mitarbeiter relevanten Daten eines jeweiligen Fahrzeugs auf der Linie auf Endgeräten und Bildschirmen in Echtzeit angezeigt. Insgesamt lassen sich dadurch jährlich rund 10 Tonnen Papier einsparen.

Vernetzte Maschinen und Anlagen

Maschinen und Anlagen sind in der gesamten Halle miteinander vernetzt, der größte Teil davon ist bereits Internet-of-Things (IoT)-fähig. Die 360-Grad-Vernetzung erstreckt sich jedoch nicht nur in der Factory 56 selbst, sondern auch über die Fabrikhallen hinaus über die gesamte Wertschöpfungskette: Digitale Technologien wie Virtual oder Augmented Reality kamen bereits bei der Entwicklung sowie Planung der Factory 56 zum Einsatz und machen auch die Serienproduktion flexibler und effizienter. Im Austausch mit Lieferanten und Transportdienstleistern werden zudem die Vorteile von Tracking und Tracing genutzt, wodurch Materialströme weltweit digital nachverfolgt werden können.

Energiebedarf drastisch gesenkt - 30 Prozent durch Photovoltaik

Insgesamt wird in der Factory 56 der benötigte Energiebedarf im Vergleich zu anderen Montagehallen um ein Viertel verringert. Auf dem Dach der Factory 56 befindet sich eine Photovoltaik-Anlage, die die Halle mit selbst erzeugtem, grünem Strom versorgt. Damit kann jährlich rund 30 Prozent des Strombedarfs der Factory 56 gedeckt werden. Ein Teil des Stroms fließt in ein innovatives Gleichstromnetz, das künftig die Energie-Effizienz der Halle im laufenden Betrieb verbessert. Damit werden beispielsweise gebäudetechnische Anlagen wie Lüftungsgeräte betrieben. Ebenfalls an das Gleichstromnetz angeschlossen ist ein stationärer Energiespeicher auf Basis von Fahrzeugbatterien. Mit einer Gesamt-Kapazität von insgesamt 1.400 kWh dient er der Zwischenspeicherung überschüssigen Solarstroms aus der Photovoltaikanlage. Eine moderne Beleuchtung, bestehend aus LEDs und einer innovativen Blue-Sky Architektur, die den Mitarbeitern ein Arbeiten im Tageslicht ermöglicht, schafft eine angenehme Arbeitsatmosphäre und spart gleichzeitig Energie.

Dachbegrünung soll Bodenversiegelung ausgleichen

Zudem werden etwa 40 Prozent der Dachfläche begrünt. Dadurch lasse sich nicht nur versiegelte Bodenfläche ausgleichen. Durch eine Regenwasserrückhaltung werde zudem eine Verbesserung des Raumklimas in der Halle erreicht. Zum Einsatz kommt dabei ein neues System, das Regen- von Schmutzwasser trennt. Durch Zwischenspeichern des Regenwassers entlastet die Factory 56 das angrenzende Gewässer, neue Grünflächen werden geschaffen.

Ein architektonisches und zugleich nachhaltiges Highlight bildet der Kopfbau der Factory 56. In der Betonfassade kommt erstmalig Recycling-Beton zum Einsatz, der aus Abbruchmaterial hergestellt wurde. So ließen sich beim Bau nicht nur Ressourcen schonen, sondern auch Abfallprodukte nachhaltig wiederverwerten.

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