Daimler Truck Bilanz: "Hätten viel mehr Lkw verkaufen können"

Luxusprobleme bei Lkw-Bauer? In der ersten Bilanzpressekonferenz als selbständige Firma schwelgt die Führung von hohem Auftragsbestand und Absatz - den nur die Lieferkettenprobleme bremsen.

20 Prozent mehr Lkw und Busse konnte Daimler Truck 2021 absetzen - ohne die Halbleiterkrise wären es noch mehr gewesen. Foto: Daimler Truck
20 Prozent mehr Lkw und Busse konnte Daimler Truck 2021 absetzen - ohne die Halbleiterkrise wären es noch mehr gewesen. Foto: Daimler Truck
Johannes Reichel
(erschienen bei Transport von Nadine Bradl)

Es gibt für alles ein erstes Mal – selbst, wenn man ein so alteingesessenes Unternehmen wie Daimler ist. Am 24. März war es also soweit, dass die Daimler Truck Holding AG zum ersten Mal als eigenständiges und börsennotiertes Unternehmen zu einer Bilanzpressekonferenz geladen hatte. Und dabei hatten Martin Daum, Vorstandsvorsitzender von Daimler Truck, und CFO Jochen Goetz durchweg Positives zu verkünden – auch wenn es angesichts des russischen Krieges gegen die Ukraine unmöglich sei, sich nur auf das Geschäft zu konzentrieren, wie Daum meinte.

Deshalb berichtete der CEO auch zunächst über die umfangreichen Hilfsprojekte die Daimler Truck bereits auf den Weg gebracht gebracht hat. So wurden unter anderem eine Million Euro an die Unicef gespendet, zahlreiche Lkw und Busse für Hilfslieferungen zur Verfügung gestellt und gerade eine weltweite Spendenaktion ins Leben gerufen, an der sich alle Mitarbeiter beteiligen können – die gesammelte Spendensumme werde Daimler Truck dann verdoppeln, so Daum.

Umsatz legt zu

Nun aber zu den Zahlen des frisch im DAX notierten Unternehmens: Trotz eines herausfordernden Marktumfeldes mit massiven Lieferkettenstörungen und der immer noch anhaltenden pandemischen Lage konnte das Unternehmen mit 455.400 Einheiten weltweit 20 Prozent mehr Lkw und Busse absetzen als im Vorjahreszeitraum (378.300 Einheiten). Der Umsatz stieg der Umsatz dementsprechend im vergangenen Jahr auf 39,8 Milliarden Euro (plus zehn Prozent gegenüber 2020). Durch die Halbleiterkrise sei man allerdings stark limitiert gewesen.

„Die Kundennachfrage war deutlich höher, der begrenzende Faktor war das Angebot“, berichtete Daum. „Wir haben viel weniger verkauft, als wir hätten verkaufen können.“

Im Industriegeschäft konnte Daimler Truck dennoch seinen Auftragseingang deutlich auf 590.000 Einheiten, ein Plus von 37 Prozent, steigern.

Kosten gesenkt, Marge gehoben

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (bereinigtes EBIT) stieg auf 2.552 Millionen Euro (Vorjahr: 657 Millionen Euro). Die bereinigte Umsatzrendite (RoS adjusted) des Industriegeschäfts lag im Jahr 2021 bei 6,1 Prozent gegenüber einem bereinigten RoS von 1,9 Prozent im Vorjahr. Der Free Cashflow des Industriegeschäfts belief sich 2021 auf 1.556 Millionen Euro (2020: 1.781 Millionen Euro). Somit hat Daimler Truck nach eigenen Angaben seine Ziele bei der Kostenreduzierung und Margenverbesserung erreicht.

2022: Alternative Antriebe im Fokus

Auch für 2022 erwartet der CEO eine weiterhin starke Nachfrage, auch wenn er davon ausgeht, dass es weiterhin Gegenwind geben wird – vielleicht sogar noch mehr als noch 2021. Insbesondere bei alternativen Antrieben wolle man Gas geben. So sollen bis 2030 Batterie- und Brennstoffzellenfahrzeuge bis zu 60 Prozent der Verkäufe von Daimler Truck ausmachen. Ab 2039 will das Unternehmen in der Triade nur noch Fahrzeuge anbieten, die im Fahrbetrieb CO2-neutral sind. Für Daimler Truck sind nach eigener Aussage beide Technologien kompatibel und notwendig.

Autonomes Fahren beschleunigen

Für dieses Jahr stünden unter anderem die Markteinführung des Schwerlast-Lkw Freightliner eCascadia mit einer Reichweite von bis zu 400 Kilometern, die Einführung des Entsorgungsfahrzeugs Mercedes-Benz eEconic sowie des Leicht-Lkw Fuso eCanter der nächsten Generation an. Zudem sollen Elektrobusse in Lateinamerika mit einer Reichweite von bis zu 250 Kilometern auf den Markt kommen. Daimler Truck teste außerdem seine GenH2-Lkw auf öffentlichen Straßen und wolle die Entwicklung des autonomen Lkw-Fahrens beschleunigen. Mit den Partnern Torc Robotics und Waymo mache man große Fortschritte. Der autonome Freightliner Cascadia-Lkw werde für intensive Tests an die Partner bereits ausgeliefert. Für das zweite Quartal 2022 kündigte der CEO einen umfassenderen Bericht zum Thema autonomes Fahren an.

Preise werden angepasst

Weniger erfreulich dürfte für Daimler-Kunden die angekündigten Preiserhöhungen sein. Aufgrund der steigenden Rohstoff- und Materialpreise gehe man von einer Preisanpassung von plus fünf Prozent aus. Dennoch ist Daimler Truck für 2022 ausgebucht, berichtete Daum. Nur wenige Slots seien noch verfügbar.

„Die Lkw werden uns unter den Händen weggerissen“, sagte der CEO.

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