Daimler Truck: Freightliner eCascadia autonom unterwegs

Mit dem autonomen Haubentruck hat der Nutzfahrzeughersteller in den USA erstmals einen selbstfahrenden batterieelektrischen Lkw präsentiert.

Mit dem autonomen eCascadia will Daimler Truck demonstrieren, dass autonomes Fahren grundsätzlich modular, skalierbar und unabhängig von der Antriebstechnologie in verschiedenen Lkw-Anwendungen eingesetzt werden kann. (Foto: Daimler Truck)
Mit dem autonomen eCascadia will Daimler Truck demonstrieren, dass autonomes Fahren grundsätzlich modular, skalierbar und unabhängig von der Antriebstechnologie in verschiedenen Lkw-Anwendungen eingesetzt werden kann. (Foto: Daimler Truck)
Johannes Reichel
(erschienen bei Transport von Christine Harttmann)

Erstmals verbindet Daimler Truck den batterieelektrischen Antrieb und das autonome Fahren in einem Fahrzeug. Der Lkw basiert auf dem nordamerikanischen Serienmodell des Freightliner eCascadia und ist mit autonomer Fahrsoftware ausgestattet.

Mit seinem Forschungs- und Entwicklungsprojekt will der Hersteller zeigen, dass autonomes Fahren grundsätzlich modular, skalierbar und unabhängig von der Antriebstechnologie in verschiedenen Lkw-Anwendungen eingesetzt werden kann. Ziel sei es, den Kunden in Zukunft beim autonomen Fahren für unterschiedliche Fahrzeugtypen das passende Angebot für ihre spezifischen Transportanforderungen und Einsatzzwecke zu bieten. Moderne Sensorik und Computertechnologie bereiten den autonomen Freightliner eCascadia auf autonomes Fahren gemäß SAE-auf Level 4 vor. Die Software für das autonome Fahren stammt von der auf autonome Fahrtechnologie spezialisierten Daimler Truck Tochtergesellschaft Torc Robotics.

„Indem wir emissionsfreie und autonome Technologien in einem Produkt kombinieren, testen wir Lösungen für mögliche zukünftige Herausforderungen unserer Kunden“, sagte John O’Leary, Präsident und CEO von Daimler Truck North America. „Wir möchten ihnen Optionen bieten, die es ihnen ermöglichen, das zu tun, was sie am besten können: die Welt heute und auch in Zukunft in Bewegung zu halten. Das erfordert viele Jahre Vorausschau, Hinterfragen, Testen, Lernen, Verbessern und Co-Creation mit unseren Kunden, um letztendlich die richtige Lösung zu finden. Dieser Lkw ist ein großartiges Beispiel für den Beginn dieses Prozesses.“

Joanna Buttler, Leiterin Global Autonomous Technology Group, Daimler Truck:

„Gemeinsam mit Torc Robotics machen wir erhebliche Fortschritte bei der geplanten Einführung autonomer Lkw in den USA im Jahr 2027. Während wir für diese erste Markteinführung auf autonome Lkw mit konventioneller Antriebstechnik setzen, blicken wir immer auch weiter in die Zukunft. Wir werden einen iterativen Ansatz bei der Entwicklung, Erprobung und Optimierung der Technologien zu autonomem und emissionsfreiem Fahren verfolgen und dabei gemeinsam mit unseren Flottenkunden die vielversprechendsten Anwendungsfälle untersuchen.“

Technisches Konzept vereint das Beste aus zwei Welten

Der eCascadia wurde 2022 auf den Markt gebracht und hat nach Angaben von Daimler Truck bereits mehr als sechs Millionen Meilen bei Kunden in über 55 Flotten in den USA zurückgelegt. Der emissionsfreie Lkw wurde für Flotten entwickelt, die auf effiziente, emissionsfreie Sattelzugmaschinen umsteigen wollen. Die Batterie kann in nur 90 Minuten von Null auf 80 Prozent Kapazität aufgeladen werden. Es sind verschiedene Batterie- und Antriebsachsoptionen erhältlich, die je nach Konfiguration eine typische Reichweite von 155, 220 oder 230 Meilen ermöglichen.

Der Freightliner eCascadia ist mit dem proprietären Detroit ePowertrain ausgestattet. Für zusätzliche Sicherheit auf der Straße ist der Elektro-Lkw serienmäßig mit dem Sicherheitspaket Detroit Assurance ausgestattet, zu dem auch der Active Brake Assist 5 gehört.

Im batterieelektrischen eCascadia mit kurzem Fahrerhaus für den Verteilerverkehr oder den Kurzstreckeneinsatz sind die Sensorik und die Rechnerhardware des autonom fahrenden Cascadia mit Dieselmotor, der sich derzeit in der Erprobung befindet, erstmals in einer kompakten Einheit integriert. Um eine ausreichende Kühlung zu gewährleisten, entwickelte das Vorentwicklungsteam ein fortschrittliches Konzept für die Kühlung der Recheneinheit, die platzsparend zwischen Fahrer- und Beifahrersitz positioniert ist. Eine entsprechend modifizierte Software bietet dem autonomen System Steuerungsschnittstellen und Rückmeldungen über wichtige Daten zum Fahrzeugzustand. Die selbst entwickelte Abdeckung der Sensorleiste mit Kameras, Lidar- und Radarsensoren verbessert die Aerodynamik und bietet einen besseren Schutz vor Beschädigungen und Verschmutzung.

Vier zusätzliche 12-Volt-Batterien bilden einen integrierten Energiespeicher, so dass die virtuelle Fahrereinheit auch bei inaktiven Hochvoltbatterien mit elektrischer Spannung versorgt und betrieben werden kann. Dies ermöglicht einen unterbrechungsfreien autonomen Fahrbetrieb und erhöht die Effizienz und Sicherheit.

Blick in die Zukunft

In der derzeit priorisierten Hub-to-Hub-Anwendung fährt der Lkw autonom zwischen Frachtzentren entlang der US-Autobahnkorridore. In einem möglichen Zukunftsszenario könnten Ladeinfrastruktur und autonome Logistikzentren zusammengeführt werden. Der elektrische Ladevorgang könnte zeitgleich mit der Ladungsaufnahme erfolgen, was die Effizienz für die Transportunternehmen weiter steigern würde.

Der autonome Technologieträger eCascadia weist viele Gemeinsamkeiten mit dem Serienmodell des Freightliner eCascadia auf. So werden Synergien im Entwicklungsprozess genutzt und Engineering-Prozesse optimiert. Zudem wird der Nutzen durch eine vereinfachte Wartungsmöglichkeit erhöht.