Daimler Trucks: eActros besteht bei arktischen Temperaturen

Im Zentrum der Tests stehen die Effekte extremer Kälte auf Handling, Ergonomie und Komfort. Überprüft wurden außerdem Startverhalten und Kälteabsicherung, Thermomanagement, Ladeverhalten und Robustheit der Sensorik.

Damit der eActros bei tiefen Temperaturen ab Start schnell in Schwung kommt, ist das „Pre-Conditioning“ der Batterien und der Fahrerhaus-Temperatur wichtig. Um die Batterien nicht damit zu belasten, geschieht das „Vorheizen“ direkt noch an der Ladesäule. Bild: Daimler Truck AG
Damit der eActros bei tiefen Temperaturen ab Start schnell in Schwung kommt, ist das „Pre-Conditioning“ der Batterien und der Fahrerhaus-Temperatur wichtig. Um die Batterien nicht damit zu belasten, geschieht das „Vorheizen“ direkt noch an der Ladesäule. Bild: Daimler Truck AG
Johannes Reichel
(erschienen bei Transport von Robert Domina)

Wenn die Nutzfahrzeug-Hersteller zur Wintererprobung aufbrechen, ist meist das finnische Rovaniemi das Ziel. Hier in den finnischen Wäldern liegt immer Schnee, Temperaturen von bis zu Minus 25° C sind auch tagsüber normal. Die dicken Eisschichten der zugefrorenen Seen sind ideale Handling-Strecken mit viel Auslauf um die Stabilitäts-Programme gefahrlos an ihre Grenzen zu bringen.

Mit dabei bei den diesjährigen Wintertests waren Fahrzeuge verschiedener Baureihen – darunter Prototypen des batterieelektrischen eActros LongHaul, dessen Serienreife für 2024 geplant ist, und des batterieelektrischen eActros 300 als Sattelzugmaschine sowie der konventionell mit Diesel angetriebene Actros L.

Fokus auf den batterieelektrischen Actros

Neben den üblichen Testroutinen interessierte natürlich am meisten, wie sich die E-Antriebsstränge bei großer Kälte verhalten. Zu diesem Zweck wurden unter anderem das Startverhalten sowie die Kälteabsicherung der Antriebskomponenten, Software und Schnittstellen überprüft. Wobei „Startverhalten“ hier nicht meint, ob der Truck nun anspringt oder nicht. Untersucht wird hierbei, wie sich die Stromflüsse bei sehr niedrigen Temperaturen verhalten und ob und wie viel die Batterien unter Umständen vorgeheizt werden müssen. Denn die Batteriepakete mögen weder sehr tiefe Umwelt-Temperaturen noch sehr hohe. Und darum geht es: Sozusagen Die „Wohlfühl“-Temperatur für die Akkus zu finden und möglichst schnell, beziehungsweise schon vor dem Start, einzuregeln.

Das Thermo- und Energiemanagement wurde demzufolge intensiv getestet. Beides sorgt dafür, dass nicht nur der Antriebsstrang sondern auch die Fahrerkabine selbst bei tiefen Temperaturen richtig und energieeffizient temperiert sind.

Hierbei habe sich zum sich zum Beispiel gezeigt, dass der eActros LongHaul durch seinen kleineren Heizkreis mit großer Leistung das Fahrerhaus grundsätzlich schneller erwärmt als ein Diesel-Lkw. Da die Energie hierfür aber den im Fahrzeug verbauten Batterien entnommen wird und sich so die Reichweite reduziert, empfiehlt sich das sogenannte Pre-Conditioning beziehungsweise energieeffiziente Vorklimatisieren des E-Lkw an einer Ladesäule. Nach dem Pre-Conditioning büße der eActros LongHaul auch bei extremer Kälte weniger an Reichweite ein.

Wie die Kapazitäts- und damit die Reichweiten-Einbußen bei unterschiedlichen Tief-Temperaturen genau ausfällt haben wir bei Daimler Trucks nachgefragt. Dr. Christof Weber, Head of Global Testing bei Daimler Trucks hat dazu eine, wie es heißt, „ganz klare Ansage“:

Auf Grund der vielen Faktoren wie Außentemperatur, Beladung und Topographie, ist es einfach nicht möglich, Reichweiteneinbußen und deren Größenordnung pauschal diesem oder jenem Faktor zuzuordnen. Grundsätzlich wichtig beim E-Truck ist aber die Vorkonditionierung noch an der Ladesäule.

Aber: Es gebe ein Fülle von Daten, die noch nicht ausgewertet seien. Genaueres ließe sich erst nach Auswertung sagen.

Bestandteil der Wintererprobung waren außerdem zahlreiche Tests zum Fahr- und Bremsverhalten auf unterschiedlich griffigen Oberflächen und der Einfluss zum Beispiel von Schneematsch auf die Wirksamkeit der Sensoren von Fahrerassistenzsystemen. Ebenso wurde getestet, wie der Trailer Stability Assistent die Schleudergefahr von Sattelzügen bei Kurvenfahrten oder Ausweichmanövern auf winterlichen Straßen reduzieren kann und wie die MirrorCam mit den unterschiedlichen Kontrastverhältnissen auf Eis und Schnee umgeht.

Baldiger Serienstart

Die erstmals auf der IAA Transportation 2022 in Hannover vorgestellte Modellvariante des eActros 300 als Sattelzugmaschine kann unter Berücksichtigung der maximal zulässigen Gesamtzuglänge alle gängigen europäischen Auflieger ziehen. Der E-Lkw basiert auf derselben Technologie wie der eActros 300/400. Drei Batteriepakete mit jeweils 112 kWh installierter Batteriekapazität ermöglichen eine Reichweite von bis zu 220 Kilometern ohne Zwischenladen. Der Serienstart ist für die zweite Jahreshälfte 2023 vorgesehen.

2024 soll der eActros LongHaul für den Fernverkehr serienreif sein. Der eActros LongHaul verfügt in der Serie über eine Reichweite von rund 500 Kilometer ohne Zwischenladen und wird für schnelles Hochleistungsladen vorbereitet sein. Seine Batterien mit Lithium-Eisenphosphat-Zelltechnologie (LFP) sollen sich vor allem durch eine hohe Lebensdauer und mehr nutzbare Energie auszeichnen.