Daimler Trucks: Initiative für Lkw-Ladeinfrastruktur

Im Konglomerat aus Kunden, Stomnetzbetreibern, Energieversorgern und Ladehardwareanbietern will der Lkw-Hersteller die Errichtung von Ladeinfrastruktur für E-Trucks vorantreiben. Priorität hat das Depotladen auf eigenem Betriebshof.

Angeschlossen: Daimler-E-Mobilitätsleiterin Gesa Reimelt will die Akteure zusammenbringen, um den Bau von Ladeinfrastruktur zu beschleunigen. | Foto: Daimler
Angeschlossen: Daimler-E-Mobilitätsleiterin Gesa Reimelt will die Akteure zusammenbringen, um den Bau von Ladeinfrastruktur zu beschleunigen. | Foto: Daimler
Johannes Reichel

Die Sparte E-Mobility Group von Daimler Trucks & Buses hat eine weltweite Initiative für den Aufbau von Ladeinfrastruktur für batterieelektrische Lkw vorgestellt. Der Fokus liege dabei zunächst auf Ladestationen, die auf den Betriebshöfen von Lkw-Kunden installiert werden, so der Anbieter. Die E-Mobility Group solle im Rahmen der Initiative die Hauptakteure – E-Lkw-Kunden, Stromnetzbetreiber, Energieversorger sowie Lade-Hardwarehersteller und Lade-Softwareanbieter – zusammenbringen und gemeinsame Infrastruktur-Lösungen für E-Lkw-Kunden innerhalb des Netzwerks vorantreiben. Der Schwerpunkt der Aktivitäten liege derzeit noch auf den USA und Europa. Japan folge als nächster Markt, kündigte der Hersteller an. Erste Workshops fänden "seit einiger Zeit" statt. Zudem habe man gemeinsame Pilotprojekte zur Errichtung von Ladeinfrastruktur in Lkw-Depots umgesetzt oder in Vorbereitung. Der enge Austausch der Hauptakteure soll auch bislang langwierige und komplexe Planungs- und Beantragungsprozesse in Sachen Netzanbindung beschleunigen, so die Absicht. Darüber hinaus wollen sich die Beteiligten auch mit Aspekten wie einem optimierten Lastmanagement des Stromnetzes sowie der nachhaltigen Versorgung mit Elektrizität befassen.

„Wir übernehmen eine aktive Rolle, um den Wandel hin zum batterieelektrischen Straßengüterverkehr weiter voranzutreiben – auch über unsere E-Lkw und Beratungsangebote hinaus. Dazu stellen wir jetzt gemeinsam mit allen Beteiligten die Weichen für den Aufbau der erforderlichen Infrastruktur“, skizzierte Gesa Reimelt, Leiterin E-Mobility Group Daimler Trucks & Buses.

Schnellere Prozesse für niedrigere Kosten

Je früher und konkreter die Energieversorger und Netzbetreiber wüssten, welche Anforderungen Kunden an die Infrastruktur stellen, desto schneller und effizienter können sie diese aufbauen, meint der Anbieter. Zu den Maßnahmen der Initiative zählt daher die Entwicklung von Standard-Konzepten, die gängige Ladeprofile abdecken. Unterschiedliche Energieversorger können sich dieser Konzepte bedienen, was deren Planungszeit deutlich reduziere. Bislang würden Infrastrukturprojekte meist als Einzelfälle behandelt. Zusätzlich könnten vereinheitlichte und optimierte Formulare der Netzbetreiber die Genehmigungsverfahren beschleunigen, was letztlich auch die Kosten reduziert. Weitere Ansätze wie die bestmögliche Ausgestaltung der Schnittstellen zwischen Ladeinfrastruktur, Fahrzeug und Netz sowie die Steuerungsmöglichkeiten der Netzlast und damit die Sicherstellung der – möglichst nachhaltigen – Stromversorgung will man ebenfalls innerhalb der Initiative thematisieren. Man wolle auch in ländlichen Regionen und bei hohem Strombedarf Ladesicherheit zu gewährleisten.

Depot-Laden bietet Kostenvorteile für Logistiker

Aus Sicht von Gesa Reimelt stellt das Depot-Laden auf den Betriebshöfen der Lkw-Kunden "den ersten und wichtigsten Schritt" für den Einstieg in die E-Mobilität dar. Damit ließen sich die derzeitigen Anwendungsfelder für Elektro-Lkw rund um den urbanen Verteilerverkehr bereits abdecken. Die Infrastruktur könne auf die Abläufe des Logistikers angepasst werden, was die Ladekosten senke. Je nach Nutzung der Lkw sieht man zusätzlich das Gelegenheitsladen zum Vergrößern der Reichweite als nützlich an, beispielsweise bei der Ab- oder Beladestelle, an der der Elektro-Lkw ohnehin einen Halt einlegt. In Zukunft werde auch das Laden an öffentlich zugänglichen Stationen entlang zentraler Verkehrsachsen eine wichtige Säule darstellen, glaubt Daimler. Denn: "Eine flächendeckende Ladeinfrastruktur maximiert den Aktionsradius batterieelektrischer Lkw.“

Die Nutzung eigener Infrastruktur bietet in der Regel Vorteile hinsichtlich der Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership, TCO), da kein zusätzlicher Betreiber involviert ist, plädiert der Anbieter. Auch eine aufwändige Abrechnung und Authentifizierung von berechtigten Fahrzeugen sei nicht notwendig und eine Möglichkeit zu laden könne stets sichergestellt werden. Zudem unterlägen die Lade-Abläufe den Vorgaben des Unternehmens und die Energiekosten ließen sich im Voraus kalkulieren. "Das Depot-Laden eignet sich unter anderem für Anwendungsfälle mit Elektro-Lkw im urbanen Raum, die auf planbaren Routen unterwegs sind und die über Nacht oder während regelmäßiger Standzeiten geladen werden können", skizziert der Anbieter weiter. Der Betriebsablauf werde somit in den meisten Fällen kaum oder gar nicht verändert, meint Daimler.

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