Dataforce-Analyse: Transportermarkt nur langsam unter Strom

Nur sechs Prozent der Vans sind bereits elektrisch angetrieben, Tendenz allerdings steigend, mit dem wachsenden Angebot der Hersteller. Noch dominiert allerdings der Diesel.

Finden erst allmählich Anschluss: Als Treiber im E-Van-Markt fungieren Flotten der KEP-Branche wie bei DHL - und neue Produkte wie der Ford E-Transit. | Foto: Ford
Finden erst allmählich Anschluss: Als Treiber im E-Van-Markt fungieren Flotten der KEP-Branche wie bei DHL - und neue Produkte wie der Ford E-Transit. | Foto: Ford
Johannes Reichel

Der Datenspezialist Dataforce hat eine aktuelle Analyse des Transportermarkts vorgenommen und sieht die Sparte zwar im Aufschwung, die Elektrifizierung allerdings erst am Anfang. Mehr als sechs Prozent der Van-Flotte sind derzeit noch nicht mit E-Antrieb unterwegs. Im Vergleich zu den Pkw-Neuzulassungen stehe der Transportermarkt oft etwas im Schatten. Vom reinen Absatzvolumen sei das Segment natürlich kleiner als das Pkw-Geschäft. Auch Modellneuerscheinungen seien vergleichsweise dünn gesät und die Elektrifizierung der Transporter stehe noch am Anfang. 

Frankreich und UK mit Abstand stärkste Van-Märkte

Innerhalb der großen zwölf Länder konstatieren die Analysten bei den Neuzulassungen von Nutzfahrzeugen bis 7 Tonnen ein enormes Gefälle. Frankreich und das Vereinigte Königreich (UK) sind mit sechsstelligen Zulassungen im Zeitraum Januar bis April 2023 klar die volumenstärksten Märkte. Mit etwas mehr als 82.000 Einheiten folgt Deutschland auf Rang drei vor Italien und Spanien. Insgesamt befindet sich der europäische Transportermarkt aktuell auf Wachstumskurs mit einem Plus von 9,7 Prozent im Vergleich zum Januar bis April 2022. Im Verhältnis zum Jahr 2021 fehlen laut Analsys allerdings mehr als 100.000 Einheiten. Es gebe also noch erheblichen Nachholbedarf, so die Datenspezialisten. Bei den relativen Wachstumsraten stechen aktuell insbesondere Spanien, Tschechien und Österreich heraus, gefolgt von einer Gruppe von fünf Ländern mit ebenfalls zweistelligen Zuwachsraten. Lediglich Frankreich und Polen müssen derzeit einen Rückgang bilanzieren.

Die Elektrifizierung nimmt nur allmählich Fahrt auf

"Es ist noch gar nicht so lange her, dass Kunden bei der Suche nach rein elektrisch angetriebenen Fahrzeugen für ihre Transportbedürfnisse in die Röhre schauten", stellen die Analysten trocken fest. Inzwischen sei das Modellangebot allerdings größer geworden. Das schlägt sich aber erst diskret in steigenden Zulassungszahlen nieder. Weiterhin dominieren Dieselaggregate deutlich mit einem Anteil von 86 Prozent (Vorjahreszeitraum 89 %). Während der Benzineranteil quasi unverändert ausfällt, legen die alternativen Antriebe zu. So kletterte der Anteil der reinen Stromer um zwei Prozentpunkte auf 6,2 Prozent. Wobei sich auch hier länderübergreifend deutliche Unterschiede zeigen. Die höchsten Elektroquoten weisen Schweden und die Niederlande auf, die niedrigsten Belgien und Tschechien.

Auch der Anteil der Transporter mit Hybridantrieb konnte etwas zulegen auf nun 0,7 Prozent. Wen das verwundert: Die zulassungsstärksten Fahrzeuge dieser Art sind Renault Clio und Toyota Yaris! Insbesondere in Frankreich und Italien besteht die gerne genutzte Möglichkeit, solche Pkw-Modelle mit überschaubarem Aufwand zu einem Nutzfahrzeug umzubauen, es als solches zuzulassen und damit Steuern zu sparen.

Drei Viertel der Vans in Flotten zugelassen

Fast drei Viertel aller neuen Transporter werden von Flotten zugelassen. Deren Absatz liegt aktuell mit 12,5 Prozent deutlich im Plus. Die Zulassungen auf Vermietgesellschaften sind äußerst stabil mit einem Minus von gerade einmal 29 Einheiten (- 0,1%) nach vier Monaten, während die Eigenzulassungen der Händler und Hersteller um mehr als 20 Prozent höher ausfallen als noch im Januar-April 2022, aber ebenfalls noch weit entfernt sind von dem Niveau aus 2021, skizzieren die Analysten weiter.

Mehrere Gewinner auf Markenebene

An dem derzeitig positiven Trend partizipieren mehrere Marken. Die vier volumenstärksten Hersteller, Ford, Renault, Volkswagen und Mercedes dürfen sich jeweils über zweistellige Zuwachsraten freuen. Anders sieht es hingegen für Peugeot und Citroen auf den Rängen fünf und sechs aus, deren Volumen sich derzeit rückläufig entwickelt. Das trifft mit Opel auf eine weitere Marke des Stellantis-Konzerns zu, die sich hinter Fiat auf Position acht befindet. Komplettiert werden die Top-10 dann von Toyota und Iveco. Mit Fiat gelingt es nur einem einzigen Hersteller außerhalb der Top-4, Marktführer in einem Land zu sein. Wenig überraschend handelt es sich dabei um Italien. Ford ist die Nummer 1 in UK und Mercedes hat in Deutschland die Nase vorn. Volkswagen Nutzfahrzeuge rangiert aktuell in vier Ländern auf Rang eins (Österreich, Niederlande, Schweden und die Schweiz), Renault gelingt das sogar in fünf verschiedenen Märkten.


Am 7. September bietet Dataforce ein Webinar zum Transportermarkt an.