Datenbrillen: Audi setzt auf neue HoloLens

Beim Automobilhersteller Audi sollen AR-Brillen künftig den aufwendigen Bau von Prototypen weiter reduzieren.

Autobauer Audi setzt bei der Logistikplanung auf Visualisierung durch Augmented Reality. (Foto: Audi)
Autobauer Audi setzt bei der Logistikplanung auf Visualisierung durch Augmented Reality. (Foto: Audi)
Tobias Schweikl
(erschienen bei LOGISTIK HEUTE von Sandra Lehmann)

Der Automobilhersteller Audi nutzt nach eigenen Angaben für die Planung komplexer Logistikprozesse die neue Gerätegeneration der AR-Brille „HoloLens 2“ von Microsoft. Wie das Unternehmen mit Sitz in Ingolstadt am 1. Dezember bekannt gab, helfe die virtuelle Darstellung dreidimensionaler Hologramme, die mittels AR-Brillen direkt in die reale Umgebung eingeblendet werden, den Planern, die zukünftige Situation besser bewerten zu können. Aufwendig produzierte Prototypen von beispielsweise Behältern oder Betriebsmitteln seien dadurch nicht mehr nötig. Beim Aufbau neuer Logistikstrukturen in einer bestehenden Produktionshalle unterstütze die Audi-Logistikplaner das System „LayAR“ (für „Layout“ und „AugmentedReality“). Die Software nutzt nach Audi-Informationen bereits vorhandene CAD-Daten von verschiedenen Objekten wie Regalen, Behältern oder Bauteilen. Diesen sogenannten digitalen Zwilling visualisiert „LayAR“ als dreidimensionales Hologramm in der AR-Brille und projiziert ihn in Originalgröße in die reale Umgebung.

„In der Audi-Produktion setzen wir digitale Technologien gezielt dort ein, wo sie uns echten Vorsprung bringen“, sagt Peter Kössler, Vorstand für Produktion und Logistik im Unternehmen.

Seit diesem Jahr seien die AR-Brillen fester Bestandteil des „Werkzeugkastens“ der Logistikplaner. Ihre Arbeit werde damit effizienter und könne deutlich früher starten: Derzeit planen laut Audi die Verantwortlichen im Ingolstädter Karosseriebau die Anlagentechnik für den Einsatz neuartiger Fahrerloser Transportsysteme (FTS) – lange bevor die ersten FTS überhaupt angeliefert werden. Auch beim Aufbau der Produktion von Elektrofahrzeugen am Stammsitz komme „LayAR“ schon bald zum Einsatz.

„Bisher nutzen wir zur Veranschaulichung von Strukturen und Größenverhältnissen selbst gebaute Prototypen von Behältern und Regalen und aufwändig am Boden aufgeklebte Linien“, beschreibt Projektleiter Tobias Brigl. „Da braucht es viel Vorstellungskraft. AugmentedReality ist ein ideales Hilfsmittel, um den Bruch zwischen realer und virtueller Welt zu schließen.“

Mittels Synchronisation werde dieselbe Darstellung auf mehreren AR-Brillen gleichzeitig abgebildet. Greift ein Nutzer nach einem Objekt, kann er es Audi zufolge mit einfachen Handbewegungen verschieben, drehen oder tauschen. Veränderungen seien für alle Beteiligten in Echtzeit sichtbar. Das gemeinsame Bild vereinfache die Diskussion und erleichtere so die Zusammenarbeit – auch über Standort-und Ländergrenzen hinweg. Zudem könnten Spezialisten aus anderen Werken oder aus dem Home Office in Zukunft per Web-Konferenz in die Entscheidungsfindung miteinbezogen werden.

Ein Projektteam aus der Supply Chain Planung habe die neue Softwarelösung gemeinsam mit Entwicklungspartner Viscopic über mehrere Monate erprobt. Zum Einsatz kommt sie laut Audi etwa bei Planungsworkshops in der Produktionshalle, bei Präsentationen und Layout-Besprechungen im Büro. Mit Hilfe von „LayAR“ könnten die Planer die gesamte Einrichtung der Halle virtuell so verkleinern, dass sie auf den Schreibtisch projizierbar ist. Ein virtuelles Werkzeug ermögliche das präzise Vermessen von Entfernungen und Flächen direkt in der holografischen Darstellung. Alle Veränderungen und Ergebnisse, beispielsweise aus einem Workshop, lassen sich nach Audi-Angaben anschließend innerhalb weniger Sekunden wieder in CAD-Daten übertragen. So können alle beteiligten Mitarbeiter sofort mit dem neuen Planungsstand weiterarbeiten.

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