DB Cargo – Kahlschlag oder Rettung?

Die Bahn-Tochter steckt tief in den roten Zahlen. Medienberichten zufolge plant der Konzern, verlustreiche Geschäfte zurückzufahren oder aufzugeben und massiv Stellen zu streichen. DB-Vorständin Dr. Sigrid Nikutta weist Spekulationen über die Zukunft der DB Cargo zurück.

Güter auf die Schiene, so lässt sich einiges an CO2 einsparen. Doch die DB-.Cargo kämpft mit hohen Verlusten.| Foto: DB
Güter auf die Schiene, so lässt sich einiges an CO2 einsparen. Doch die DB-.Cargo kämpft mit hohen Verlusten.| Foto: DB
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Thomas Kanzler)

So weist die Vorstandsvorsitzende der DB Cargo AG und DB-Konzernvorstand für Güterverkehr Nikutta Spekulationen in Medienberichten über einen massiven Stellenabbau zurück. Ebenso wenig plane der Cargo-Vorstand eine Zerschlagung des Einzelwagenverkehrs. Sie betont, dass die Weichenstellungen der Bundesregierung für eine neue wettbewerbsanreizende Förderlogik im Schienengüterverkehr Rahmenbedingungen schaffe, welche die klimafreundliche Schiene attraktiver machen werde. Die DB Cargo werde liefern und ihrerseits die Transformation des Unternehmens konsequent weiterführen.

„Die öffentlichen Spekulationen über einen massiven Stellenabbau bei der DB Cargo verunsichern die Mitarbeitenden unseres Unternehmens ebenso wie unsere Kundinnen und Kunden. Sie schaden auch unserem Ziel, mehr Güter von der Straße auf die Schiene zu bringen“, verdeutlicht Nikutta.

Einzelwagenverkehr – teuer aber begehrt

Einzelwagenverkehr bedeutet, dass in einem Güterzug die einzelnen Wagen zu unterschiedlichen Kunden befördert werden. Dies gilt als aufwendig für die Bahn und sorgt seit Jahren für Verluste bei der Tochter DB Cargo – nicht zuletzt auch deshalb, weil viele Prozesse noch nicht digitalisiert sind.

betrieblich aufwendige Einzelwagenverkehr ist aber in keinem europäischen Land derzeit wirtschaftlich betreibbar. Die gesamte Bahnbranche hat sich dafür eingesetzt, dass der Einzelwagenverkehr auch in Deutschland wettbewerbsneutral gefördert wird. Es sei ein umweltpolitischer Meilenstein, den das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) mit der Vorlage des Haushaltsplans 2024 vorgenommen hat.

Das neue Förderprogramm für den Einzelwagenverkehr soll die Brücke bilden bis zur Migration auf die Digitale Automatische Kupplung (DAK). Mit der Förderung werde laut Nikutta die Wettbewerbsfähigkeit des Einzelwagenverkehrs gegenüber dem Gütertransport auf der Straße deutlich verbessert.

„Das flächige System des Einzelwagenverkehrs ist das Rückgrat vieler deutscher Schlüsselindustrien und ein Alleinstellungsmerkmal unseres Industriestandorts“, schreibt der Bundesverband der Deutschen Industrie dazu.

Verluste reduzieren – Einzelwagenverkehr aufgeben?

Es werden Pläne diskutiert, den Einzelwagenverkehr drastisch zu reduzieren oder ganz aufzugeben. In einem Gespräch mit dem Handelsblatt erläuterte der Europa Betriebsratschef der Bahn, Jörg Hensel, durch diese Maßnahmen könnten bis zu 8.400 von insgesamt 30.000 Mitarbeitenden ihren Job verlieren. Zudem sehe der Plan vor, dass von den derzeit rund 1000 Güterverkehrsstellen nur noch 100 übrigbleiben werden, so Hensel weiter.

Förderung steht auf der Kippe

DB-Cargo muss profitabel werden und mit dem aufwändigen Einzelwagenverkehr ist es schwer, das auf absehbare Zeit zu leisten erreichen. In den vergangenen Jahren gab es stets hohe Subventionen durch die jeweilige Bundesregierung, um die Verluste abzufangen.

Nun stellt Brüssel allerdings die Subventionen in Frage. Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager lässt prüfen, ob die staatlichen Beihilfen als unzulässige Subventionen einzustufen sind. Sollte die Kommission die Gelder als unzulässige Hilfen einstufen, drohen Rückzahlungsforderungen in Milliardenhöhe.

Was bedeutet das?

Derzeit arbeitet die Bahn an einem Transformations-Plan mit dem Ziel, die größte europäische Güterbahn nachhaltig wirtschaftlich aufzustellen. DB-Vorständin Nikutta ist optimistisch und will den Rettungsplan bis Ende Oktober vorlegen:

„Mit einem starken Team setzen wir die Transformation zu einem wirtschaftlich soliden Unternehmen um.“

Der Einzelwagenverkehr spielt bei der DB-Cargo eine zentrale Rolle – dieses Segment ist elementar zur Erreichung der Klimaziele. Schließlich werden zurzeit dank des Einzelwagenverkehrs in Deutschland rund zwei Millionen Tonnen CO₂ jedes Jahr vermieden und täglich 40.000 Lkw-Fahrten ersetzt.