Deutsche Post DHL: Steigende Umsätze, sinkende Emissionen

Der Bonner Logistikkonzern zieht Bilanz und ist ein Gewinner der Pandemie: Aufgrund stark gestiegener Paketmengen und Expresssendungen steigt der Umsatz üppig. Dafür gehen die CO2-Emissionen zurück.

Post-Chef Frank Appelt: „2020 war für Deutsche Post DHL Group ein außergewöhnlich herausforderndes Jahr.“ (Foto: Deutsche Post DHL)
Post-Chef Frank Appelt: „2020 war für Deutsche Post DHL Group ein außergewöhnlich herausforderndes Jahr.“ (Foto: Deutsche Post DHL)
Johannes Reichel
(erschienen bei Transport von Christine Harttmann)

Als „Rekordjahr“ bezeichnet Deutsche Post DHL Group das abgelaufene Geschäftsjahr 2020. Er sei gelungen den Umsatz 5,5 Prozent auf 66,8 Milliarden Euro steigern. Wie es im Geschäftsbericht weiter heißt, war Hauptwachstumstreiber der weltweite Boom im E-Commerce, der zu deutlich gestiegenen Sendungsmengen im Paket- und Expressgeschäft führte. Das operative Ergebnis (Ebit) verbesserte sich um 17,4 Prozent auf mehr als 4,8 Milliarden Euro. Damit übertraf der Konzern sogar sein unterjährig angepasstes Ergebnisziel von 4,1 bis 4,4 Milliarden Euro.

Frank Appel, Vorstandsvorsitzender von Deutsche Post DHL Group, sprach bei der Vorlage des Ergebnisses von einem „außergewöhnlich herausfordernden Jahr“. Der bewährte Fokus auf das profitable Logistik-Kerngeschäft mit konsequenter Ausrichtung auf E-Commerce und kontinuierlichen Investitionen in unser Logistiknetzwerk sowie in Digitalisierung hätten die Profitabilität und Resilienz gegenüber weltwirtschaftlichen Turbulenzen gestärkt, so Appel.

Weiteres Wachstum prognostiziert

Für das Geschäftsjahr 2021 erwartet der Konzern einen weiteren deutlichen Anstieg des Ebit auf mehr als 5,6 Milliarden Euro. Die Prognose basiert auf der Annahme, dass der Onlinehandel im laufenden Jahr von einer strukturell höheren Ausgangsbasis weiterwachsen wird. Im Konzern geht man jedoch auch davon aus, dass sich die Zuwachsraten im Laufe des Jahres wieder normalisieren. Auch sollte sich der Welthandel im Jahresverlauf 2021 weiter erholen – und damit die Volumina in den globalen Logistikaktivitäten. Zugleich wird erwartet, dass die interkontinentalen Transportkapazitäten aufgrund nur langsam zurückkehrender Beiladekapazitäten in Passagiermaschinen weiter eingeschränkt bleiben dürften.

CO2-Effizienz: Man sieht deutliche Fortschritte

Deutliche Fortschritte machte das Unternehmen nach eigenen Angaben auch bei der CO2-Effizienz sowie dem Engagement für soziale und gesellschaftliche Verantwortung. So verbesserte es seine CO2-Effizienz gegenüber dem Basisjahr 2007 um 37 Indexpunkte. Seinem Ziel, den CO2-Effizienz-Index bis 2025 um 50 Prozent zu erhöhen, will es vor allem dadurch erreichen, dass es seine interkontinentale Flugzeugflotte bei DHL Express modernisiert.

Im Sozialen verweist der Konzern auf die Mitarbeiterzufriedenheit, die im abgelaufenen Jahr in der Kategorie Mitarbeiterengagement auf 82 Prozent stieg. Zum wiederholten Mal sei das Unternehmen von „Top Employer“ und „Great Place to Work“ als bevorzugter Arbeitgeber ausgezeichnet worden.

E-Commerce ragt heraus

Bei der Einzelbetrachtung hervorzuheben ist der Geschäftsbereich eCommerce Solutions. Die Sendungsvolumina stiegen in allen Regionen deutlich stärker als erwartet, vor allem im B2C-E-Commerce. Die Sparte habe, so heißt es im Geschäftsbericht, ein besonders dynamisches Volumenwachstum in mehreren Ländern Europas und den USA verzeichnet. Insgesamt konnte der Konzern seine Ebit-Marge von -1,3 Prozent im Jahr 2019 auf jetzt 3,3 Prozent steigern. Damit sei die Sparte erstmals im positiven Bereich angekommen.

Die Express-Division hat ebenfalls ein gutes Jahr hinter sich. Sie erzielte ein Ebit von 2,75 Milliarden Euro. Im Jahr 2019 waren es noch 2,04 Milliarden Euro gewesen. Basis für das Rekordergebnis sei das Wachstum bei den zeitdefinierten internationalen Express-Sendungen gewesen, teilt der Konzern mit. Nachdem sich die Volumina im zweiten Halbjahr durchgängig in allen Regionen der Welt über dem Vorjahresniveau bewegten, betrug das Wachstum im Gesamtjahr 8,7 Prozent.

Paketbereich bewältigt Rekordmenge

Starkes Umsatz- und Ergebniswachstum meldet der Geschäftsbericht außerdem aus dem Geschäftsbereich Post & Paket Deutschland. Grund dafür war das deutlich gesteigerte Paketaufkommen mit einer Rekordmenge von über 1,6 Milliarden Paketen. Der langfristige Trend steigender Paketmengen habe sich signifikant beschleunig. Der Konzern spricht von einem Mengenwachstum von 15,3 Prozent.

Etwas weniger erfreulich entwickelte sich der Unternehmensbereich Global Forwarding, Freight. Ein Rückgang der Nachfrage und eine Verknappung der am Markt befindlichen Transportkapazitäten kennzeichneten den Jahresverlauf. Diese zeigte sich zunächst bei Beiladekapazitäten in interkontinentalen Passagiermaschinen, zum Ende des Jahres zusätzlich auf einigen Seefrachtrouten.

Supply Chain: Konjunkturabhängiger Dämpfer, dann dynamisch

Im stark konjunkturabhängigen Bereich Supply Chain hinterließ die Pandemie ebenfalls ihre Spuren. Unmittelbar nach Ausbruch der Pandemie reduzierten sich die Kundenaktivitäten laut dem Geschäftsbericht, gewannen dann aber im vierten Quartal wieder an Dynamik. Damit sei es trotz der erheblichen Belastungen aufgrund der Pandemie gelungen, eine Ebit-Marge von 3,4 Prozent zu erzielen.

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