Deutscher Logistik-Kongress 2020: Der Deutsche Logistik-Preis geht an dm-drogerie markt

Der Einzelhändler dm-drogerie markt ist auf dem Deutschen Logistik-Kongress für das Projekt „Integrativ. Intelligent. Automatisiert.“ mit dem Deutschen Logistik-Preis 2020 ausgezeichnet worden.

Am Eröffnungstag des digital abgehaltenen Deutschen Logistik-Kongresses 2020 wurde im Hotel InterContinental Berlin der Deutsche Logistik-Preis 2020 verliehen. Preisträger ist dm-drogerie markt (v.l.n.r): Eike-Niklas Jung, Dr. Michael Sternbeck, Anja Kircher (alle dm), Christina Thurner (Vorstandsmitglied BVL), Matthias Wissmann (Vorsitzender der Jury), Christian Bodi, Katrin Stiemer (beide dm) sowie Prof. Dr. Thomas Wimmer, Vorstandsvorsitzender der BVL. (Foto: BVL/Bublitz)
Am Eröffnungstag des digital abgehaltenen Deutschen Logistik-Kongresses 2020 wurde im Hotel InterContinental Berlin der Deutsche Logistik-Preis 2020 verliehen. Preisträger ist dm-drogerie markt (v.l.n.r): Eike-Niklas Jung, Dr. Michael Sternbeck, Anja Kircher (alle dm), Christina Thurner (Vorstandsmitglied BVL), Matthias Wissmann (Vorsitzender der Jury), Christian Bodi, Katrin Stiemer (beide dm) sowie Prof. Dr. Thomas Wimmer, Vorstandsvorsitzender der BVL. (Foto: BVL/Bublitz)
Tobias Schweikl
(erschienen bei LOGISTIK HEUTE von Matthias Pieringer)

Die Bundesvereinigung Logistik (BVL) hat dm-drogerie markt für das Projekt „Integrativ. Intelligent. Automatisiert.“ und die vorbildliche Verbindung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit den Deutschen Logistik-Preis 2020 verliehen. Das Einzelhandelsunternehmen erhielt den Preis am 21. Oktober im Rahmen des digital veranstalteten Deutschen Logistik-Kongresses 2020.

dm stand – und steht – laut der BVL-Mitteilung vor einer Vielzahl von Herausforderungen: In den Innenstädten sinkt die Kundenfrequenz, der Wettbewerb ist intensiv. Konsumtrends entwickeln sich immer schneller, während die logistischen Kapazitäten von dm durch ein vorangegangenes starkes Wachstum knapper sind. „Mit unserem Projekt konnten wir einen wesentlichen logistischen Beitrag zur Bewältigung dieser Herausforderungen leisten“, erklärt Eike-Niklas Jung, Bereichsleiter Technik bei dm.

So sieht die Lösung aus: In einem strategischen Netzwerkanalyse- und Planungsprozess fiel zunächst die Entscheidung für einen weiteren – und damit zwölften – dm-Verteilstandort in Deutschland, um das anhaltende Mengenwachstum zu bewältigen. Hintergrund: Im Jahr 2019 sorgten etwa 3.700 Menschen in der dm-Logistik und bei einem Dienstleister für insgesamt 270.000 Filialanlieferungen mit insgesamt 3,5 Millionen Paletten, auf denen 540 Millionen Kommissioniereinheiten gepackt waren. „In der Netzwerkplanung haben wir ermittelt, dass der neue Standort idealerweise westlich von Berlin liegen sollte, um von dort aus unsere dm-Märkte von Nordbayern bis an die Ostsee zu beliefern“, erläutert Dr. Michael Sternbeck, dm-Bereichsverantwortlicher Logistikmanagement Filiale. Die Wahl fiel schließlich auf ein Grundstück im Güterverkehrszentrum der brandenburgischen Gemeinde Wustermark vor den Toren Berlins.

Doch das Projekt umfasste weit mehr als den Bau eines neuen Logistikgebäudes. Gleichzeitig entwickelten die Logistiker auch eine innovative logistische Infrastruktur. In deren Zentrum stehen digitale Filial-Zwillinge für jeden einzelnen Markt. Dazu wurden alle mehr als 2.000 dm-Märkte mit ihrer jeweiligen Regalarchitektur und den individuellen Artikelplatzierungen digitalisiert. Der digitale Zwilling bildet die Grundlage dafür, die Artikel auf den Wareneingangspaletten aus Wustermark intelligent zu kombinieren – und so die Filiallogistik beim Einräumen der Produkte wesentlich zu erleichtern.

Dazu hat der stark automatisierte intralogistische Bereitstellungsprozess in Wustermark die Aufgabe, die auf sortenreinen Originalpaletten eintreffenden Artikel für die sieben Kommissionierroboter so aufzureihen und diesen anzudienen, wie sie für den physischen Bau der Filial-Mischpaletten benötigt werden. Gleichzeitig wurden die Mitarbeiter in den dm-Märkten mit 30.000 Smartphones ausgestattet, die ihnen beispielsweise jetzt helfen, die Laufwege zum Befüllen der Regale zu optimieren. „Wir haben die Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit miteinander verbunden und durch eine innovative logistische Infrastruktur die Warenversorgung unserer stationären Märkte deutlich effektiver und effizienter gestaltet“, ist Christian Bodi, als dm-Geschäftsführer verantwortlich für das Ressort Logistik, überzeugt.

Im Ergebnis sorgt die laut BVL-Mitteilung nun hochautomatisierte vorgelagerte Logistik für Einsparungen bei den Logistikaufwendungen von mehreren Millionen Euro jährlich. Sie resultieren unter anderem aus einem um mehrere 10.000 Stunden reduzierten Zeitaufwand für die Mitarbeiter in den dm-Märkten und einem um fast zwei Millionen Kilometer verringerten Lkw-Transportaufkommen.

Die drei Bausteine des ausgezeichneten Projekts:

  • Der Fokus lag auf dem gesamten Wertschöpfungsnetzwerk – vom Industriepartner bis ins Regal des dm-Markts. Die logistischen Interdependenzen zwischen Verteilzentrum, Transport und Filiallogistik wurden detailliert untersucht und in der Konzeption bestmöglich ausbalanciert. Das Ergebnis ist eine wesentlich höhere Produktivität des Gesamtsystems.
  • Ein durchgängig datenbasierter Planungsprozess, der auf dem digitalen Zwilling jedes einzelnen dm-Markts basiert, bildet das digitale Fundament des Konzepts. Im Zusammenspiel mit einer hohen Prognosegüte der Abverkäufe ergibt sich durch die digitale Palettenplanung pro Markt der praktische Zusatznutzen für den Gesamtprozess.
  • Die neuartige Automated-Case-Picking-Lösung von Swisslog für die voll automatisierte Kommissionierung von Mischpaletten ist das Herz des neuen Verteilzentrums. Das integrierte Bereitstellungskonzept, das dieser Warenlogistiklösung zugrunde liegt, schafft die notwendigen Voraussetzungen für eine filialindividuelle Kommissionierung bei dm.

Mit seinem Projekt setzte sich dm-drogerie markt gegen drei weitere Finalisten durch, nämlich die Barilla Deutschland GmbH, die Engelbert Strauss GmbH und die Volkswagen Konzernlogistik GmbH. Ausschlaggebend für die 17-köpfige Fachjury unter Vorsitz von Matthias Wissmann war die Konsequenz, mit der das Projekt „Integrativ. Intelligent. Automatisiert.“ auf- und umgesetzt wurde. „Ausgehend vom Menschen, von den Kunden und von den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, wurde ein Logistiksystem (weiter)entwickelt, das den Menschen Erleichterung bringt (17 Prozent weniger schleppen und packen). Gleichzeitig erhöht es die Kommissionierleistung und senkt die Kosten pro Kollo. So trägt es zur Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens bei und ermöglicht es, rund 1.500 Tonnen CO2 allein im Lkw-Transport einzusparen“, fasst der Juryvorsitzende die Ergebnisse zusammen. Wissmanns Fazit: „Das Projekt ist preiswürdig!“

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