Diesel-Abgase: Umweltbundesamt will eigene Messungen durchführen

Umweltbehörde will "geeignete Prüffirmen" mit Straßenmessungen beauftragen und damit dem KBA Konkurrenz machen. UBA-Chefin: "Diesel haben in hochbelasteten Städten keine Zukunft". Ausnahmen für Gewerbe aber denkbar.
Selbst ist das Amt: Das UBA will eigene Realemissionsmessungen bei Diesel-Fahrzeugen - hier Verbrauchsmessungen von PSA - im Straßenbetrieb durchführen lassen. | Foto: Groupe PSA
Selbst ist das Amt: Das UBA will eigene Realemissionsmessungen bei Diesel-Fahrzeugen - hier Verbrauchsmessungen von PSA - im Straßenbetrieb durchführen lassen. | Foto: Groupe PSA
Johannes Reichel

Das Umweltbundesamt (UBA) hat als Konsequenz des Abgasskandals ein eigenes Prüfprogramm zur Messung von Abgasemissionen bei Diesel-Fahrzeugen angekündigt. Darüber berichtet die Süddeutsche Zeitung. "Unser Messprogramm steht kurz vor der Ausschreibung", zitiert die Zeitung das UBA, das die oberste Umweltbehörde Deutschlands darstellt. Demnach sollten "geeignete Prüf-Firmen" die Testreihen auf der Straße übernehmen. Bisher wird nur im Labor und in einem unrealistischen Messzyklus (NEFZ) gemessen, was die EU mit neuen Regularien ändern will.

Die Ankündigung des UBA steht auch gegen die Bemühungen des Bundesverkehrsministeriums, das Kraftfahrtbundesamt (KBA) künftig stärker in die tatsächliche Erhebung von Abgasemissionen einzubinden. Das KBA hatte auf Weisung von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) einen 150-seitigen Bericht mit Messungen von 53 Diesel-Fahrzeugen veröffentlicht, mit zum großen Teil ernüchternden Ergebnissen quer durch fast alle Marken und Klassen. Auch bei den Transportern wie Sprinter, Crafter und Ducato waren bei Labor-Warm-Messungen sowie auf der Straße erheblich erhöhte Stickoxidwerte gemessen worden. Nach Berechnungen der SZ hätten von den 53 Modellen (Euro 5 und Euro 6), die in einer Zahl von 2,6 Millionen Exemplaren auf der Straße unterwegs sind, über zwei Millionen mehr als doppelt so viel Stickoxide ausgestoßen als eigentlich erlaubt. Damit würden diese Modelle die künftigen Vorgaben der EU nicht einhalten. Das Dobrindt-Haus hatte allerdings nur die Überarbeitung von 630.000 Fahrzeugen im Rahmen "freiwilliger Serviceaktionen" angekündigt.

Über die Messungen hinaus will das UBA weiter Druck machen. "In den hochbelasteten Innenstädten haben Diesel-Fahrzeuge sicher keine Zukunft", erklärte UBA-Chefin Maria Krautzberger gegenüber SZ, NDR und WDR. Sie sei erleichtert, dass diese Botschaft zumindest in Teilen der Autoindustrie endlich anzukommen scheint, schob die Behördenleiterin nach, offenbar in Anspielung auf die Ankündigung von VW-Chef Matthias Müller. Der hatte vergangene Woche in Frage gestellt, ob es "ab einem gewissen Zeitpunkt" noch lohnenswert wäre, in Dieseltechnologie zu investieren und zugleich eine massive E-Mobilitätsoffensive angekündigt. Auch Daimler-Chef Dieter Zetsche will seinem Konzern eine radikale Wende in Sache Antriebstechnologie verordnen und in den nächsten beiden Jahren über 7 Milliarden Euro in alternative Antriebsformen investieren.

Über das eigene Messprogramm hinaus hat UBA-Chefin Krautzberger auch die niedrige Mineralölabgabe für Diesel in Frage gestellt. Die Besteuerung um 18,4 Cent pro Liter weniger sei ein falsches Signal und koste den Staat mehrere Milliarden Euro. Die Kosten für Schäden an Gesundheit und Umwelt taxiert die Behörde auf 30 Milliarden Euro pro Jahr. Im Hinblick auf gewerbliche Verkehre im Stadtverkehr hatte das UBA allerdings schon Kompromissbereitschaft signalisiert: Lkw und Transporter seien lediglich für 22 Prozent der städtischen Stickoxidemissionen verantwortlich. Insofern wäre bei künftigen Einfahrbeschränkungen zu prüfen, „ob zunächst nur die privaten PKW erfasst und die Logistikbranche ausgespart werden sollte", schlug sie vor.

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