Digitaler Führerschein: App-solut nicht zu empfehlen

Die App für den digitalen Führerschein funktionierte nur wenige Tage und der ADAC hält den "Digi-Lappen" für rechtlich zu kurz gedacht. Er ersetze bei Kontrollen nicht den richtigen Führerschein. So wird das nichts.

Hinhaltetaktik: Klingt pfiffig, bringt aber nix - die App zum Digi-Führerschein, von Verkehrsminister Scheuer in den höchsten Tönen angepriesen, hielt der Nachfrage offenbar nicht stand. | Foto: BMVI
Hinhaltetaktik: Klingt pfiffig, bringt aber nix - die App zum Digi-Führerschein, von Verkehrsminister Scheuer in den höchsten Tönen angepriesen, hielt der Nachfrage offenbar nicht stand. | Foto: BMVI
Tobias Schweikl
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

"Die Technik für den digitalen Führerschein steht" hatte das Bundesverkehrsministerium unter Leitung von Andreas Scheuer (CSU) noch am 23. September vermeldet. Er habe das Potenzial, den Alltag von Autofahrern deutlich zu erleichtern", frohlockte der Minister. So war die Hoffnung, dass aufwändige Video-Prüfungen der Fahrerlaubnis beispielsweise im Carsharing oder der Vermietung wegfallen oder Polizeikontrollen einfacher werden könnten.

Wenige Tag nach dem Start scheint die Technik nicht mehr "gestanden" zu haben. Per App, die vom externen und wenig bekannten Dienstleister Digital Enabling entwickelt worden war, hätten Nutzer*innen eine digitale Variante ihres Führerscheins erstellen und diese auf ihrem Smartphone speichern können sollen. Doch wenige Tage nach dem Start wurde die Anwendung bereits wieder aus den Stores von Apple und Google entfernt. Das BMVI begründet den Rückzug mit der "hohen Nachfrage" nach der für den Einsatz des digitalen Führerscheins nötigen App "ID Wallet" und "unerwarteten Lastspitzen". Außerdem hätten Nutzer*innen auf Sicherheitsbedenken hingewiesen, was man nun verfolgen wolle. Bis zum Neustart würden mehrere Wochen vergehen, so das BMVI.

Spezialisten wie der IT-Sicherheitsfachmann Manuel Atug bemängelten, dass die App nur auf Software aufbaue, während der Personalausweis etwa auf Soft- und Hardware setze. Er monierte den Einsatz einer Blockchaintechnologie und insgesamt das falsche Design und die falschen Prioritäten.

ADAC mahnt: Digi-Führerschein genügt rechtlich nicht

Das Ministerium war wohl vom Interesse am digitalen Führerschein überrascht worden. Die Anforderungen für den Einsatz sind eigentlich hoch, weil man neben einem leistungsfähigen Smartphone auch einen Personalausweis mit aktivierter Online-Funktion benötigt, die seit 2017 Standard ist. "Wer diese Online-Funktion nachträglich freischalten will, muss mit dem Personalausweis ein Bürgeramt aufsuchen. Außerdem ist der Besitz eines EU-Führerscheins im Scheckkarten-Format nötig", skizziert der ADAC. Und moniert die durch das Ministerium fälschlich erweckte Erwartung. Denn ohnehin hätte bis auf weiteres der digitale Führerschein den Kartenführerschein nur ergänzt. "Bei Polizeikontrollen wäre die digitale Variante nicht anerkannt worden. Hier bleibt es beim traditionellen, analogen Modell", warnt der Club.

Die Zahl der Menschen, die den digitalen Führerschein grundsätzlich nutzen könnten, wachse allerdings, weil die Zahl der vor dem 19.1.2013 ausgestellten Papiere in den nächsten Jahren abgebaut und durch den EU-Führerschein ersetzt würden auf Basis der Umtausch-Pflicht. Bis 19.1.2022 muss die erste Gruppe von Besitzern alter Dokumente umgetauscht haben, mahnt der ADAC.

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