DIW-Expertin Kemfert fordert grundlegende Verkehrswende

Der Verkehrssektor liegt im Klimaschutzbericht ganz hinten. Die Energieexpertin mahnt grundlegend andere Verkehrskonzepte an, weg vom Individualverkehr. Man dürfe nicht nur E-Mobilität fördern.

Weniger Individualverkehr: Speziell in der Stadt fordert Claudia Kemfert grundlegend andere Ansätze, weg vom individuell genutzten Pkw. | Foto: DIW
Weniger Individualverkehr: Speziell in der Stadt fordert Claudia Kemfert grundlegend andere Ansätze, weg vom individuell genutzten Pkw. | Foto: DIW
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Vor dem Hintergrund der Bundestagsdebatte um den Klimaschutzbericht der Bundesregierung hat die Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) eine grundlegend Wende in der Verkehrspolitik gefordert und den Verantwortlichen schwere Versäumnisse vorgeworfen. Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk argumentierte die Wissenschaftlerin, während es wie schon seit längerem bekannt zum Beispiel in der Energiewirtschaft ode der Industrie zu einer Reduktion der Treibhausgasemissionen gekommen sei, habe der Verkehrssektor im vergangenen Jahr sogar zugelegt um von 1,2 Millionen Tonnen CO2 im Vergleich zu 2018.

Sie mahnte, man dürfe nicht zu lange an der Vergangenheit festhalten gegenüber B5. Nach ihrem Dafürhalten müsse die Zukunft der Mobilität ganz anders aussehen. Sie bezog sich vor allem auf den den Individualverkehr, der speziell in Städten zurückgehen werde. Daher forderte sie, nicht nur in Elektromobilität und Digitalisierung zu investieren, sondern auch in neue Mobilitätsanbieter.

Im Hinblick auf die Zunahme der Emissionen im Verkehrssektor warf die Wissenschaftlerin dem Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und dessen Vorgänger schwere Versäumnisse vor. Es sei nicht gelungen, in den vergangenen Jahren nicht die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Mobilität zu schaffen.

"Da hat die Politik leider nicht geliefert und wir müssen heute mit den Konsequenzen leben", so Kemfert hartes Urteil.

Dennoch sieht sie in der Corona-Krise neben dem Risiko auch als Chance. Sie würdigte, einerseits entstünden neue Radwege, anderseits würden wieder vermehrt Fahrzeuge genutzt und die Nachfrage bei der Bahn gehe zurück. Die Politik müsse das schnell korrigieren: "Die Klimakrise wartet nicht“, appellierte sie eindrücklich.

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