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DLR-Projekt: Cargobikes könnten den Verkehr stark entlasten

Europaweit größtes Forschungsprojekt präsentiert Zwischenbilanz mit Ergebnissen. Sie deuten das Potenzial des "neuen, alten" Transportmittels an: Zwei von drei Fahrten durch Transporter oder Pkw wurden ersetzt.

Klare Tendenz: Die bisherigen Ergebnisse erweisen, dass viele innerstädtische Transporte per Cargobike zu erledigen sind. | Foto: DLR
Klare Tendenz: Die bisherigen Ergebnisse erweisen, dass viele innerstädtische Transporte per Cargobike zu erledigen sind. | Foto: DLR
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Johannes Reichel

Das Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat eine erste Zwischenbilanz zum Forschungsprojekt "Ich entlaste Städte" gezogen, an dem sich seit vergangenem Jahr bundesweit 400 Unternehmen beteiligten. Die ersten Ergebnisse von Europas größtem Lastenrad-Testprojekt zeigen laut dem projektleitenden DLR, dass die Lastenräder bei zwei von drei Fahrten anstelle von Pkw oder leichten Nutzfahrzeugen eingesetzt wurden.

"Die Hälfte der Teilnehmer erwägt am Ende der Testphase ein eigenes Lastenrad zu kaufen oder kauft es sofort", so die Projektverantwortlichen.

Der Fuhrpark besteht aus 152 Lastenrädern: vom zweirädrigen Lieferbike bis zum dreirädrigen Schwerlastrad - die meisten davon mit elektrischer Tretunterstützung bis 25 km/h. Rund 140.000 Kilometer wurde mit den Projektfahrzeugen bislang zurückgelegt. Die Tester zeichneten bislang über 12.000 Fahrten mit der projekteigenen App auf und bewerteten diese Fahrten, damit liefern sie eine wichtige Datengrundlage für die Verkehrsforschung.

"In diesem Projekt erfahren wir, wie Firmen Lastenräder für ihre Mobilität nutzen können. Damit liefert das DLR der Politik wichtige Erkenntnisse, wie groß hier das Potential für die Entlastung des Verkehrs in Städten und von CO2-Einsparungen ist", urteilt Prof. Pascale Ehrenfreund, Vorstandsvorsitzende des DLR.

Zudem könne der bundesweite DLR-Lastenradtest den Umstieg von konventionellen Kraftfahrzeugen auf das Lastenrad in vielen Branchen anstoßen. Bundesumweltministerin Svenja Schulze zeigte sich erfreut über das rege Interesse am Lastenradtest: "Der Klimaschutz im Verkehr stellt uns vor besondere Herausforderungen. Aber jede und jeder kann selbst etwas bewirken. Dies zeigt die große Resonanz auf das Projekt "Ich entlaste Städte" des DLR", findet die Politikerin.
 

Lastenräder ersetzen zwei Drittel der Pkw- oder Transporterfahrten

Die ersten Nutzungszahlen des Lastenradtests sprechen für sich: mehr als 98 Prozent der Fahrten würden die Tester erneut mit dem Lastenrad zurücklegen. Zwei Drittel der mit den Projektfahrzeugen gefahrenen Kilometer wären in den Betrieben sonst mit Pkw oder leichten Nutzfahrzeugen durchgeführt worden. "Das Lastenrad wurde für viele Unternehmen und Einrichtungen zur selbstverständlichen und regelmäßig genutzten Alternative für täglich anfallende Transporte, Einkäufe oder Kundenbesuche", berichtet Projektleiter Johannes Gruber. Jeder fünfte Testfahrer schaffe nach der Leihphase ein eigenes Lastenrad an Zahlreiche Projektteilnehmer sind auch nach Abschluss des Tests weiterhin mit einem Lastenrad unterwegs - nun allerdings mit dem eigenen Rad.

Beispiel Postdienstleister: Kfz-Nutzung stark gesunken

Ein Beispiel unter vielen ist die Filiale von Mail Boxes Etc. in Potsdam-Babelsberg. Mitarbeiterin Pia Gaude erzählt: "Wir verwenden das Lastenrad täglich für unsere Auslieferungen und unsere Kfz-Nutzung ist entsprechend gesunken." Mail Boxes Etc. ist kein Einzelfall: Etwa jede fünfte am Projekt beteiligte Organisation gab an, im Anschluss an die Testphase bereits ein eigenes Lastenrad angeschafft zu haben, ein weiteres Drittel hält eine zukünftige Anschaffung für "ziemlich wahrscheinlich" oder "ganz sicher". Nur etwa zwei Prozent der Projektteilnehmer lehnen nach Abschluss der Testphase eine dauerhafte betriebliche Nutzung von Lastenrädern ab. Als wichtigste Hemmnisse für gewerbliche Fahrradnutzung gaben die Tester schlechtes Wetter, eine unzureichende Radverkehrsinfrastruktur oder zu hohe Kosten an.

Deutlich stärker als die Hemmnisse werden von den Testern allerdings die positiven Treiber der Lastenradnutzung wahrgenommen. Im Vordergrund stehen praktische Vorteile wie das Wegfallen der oft zeitaufwendigen Parkplatzsuche oder die direkte Erreichbarkeit der Fahrziele, aber auch "weiche" Aspekte wie Image und Gesundheit. Stellvertredent für viele Nutzer urteil der Tischler Carsten Rehfeldt aus Berlin: "Endlich wieder selbst bewegen statt gestresst im Auto sitzen! Insgesamt war ich auf dem Lastenrad im Stadtverkehr viel entspannter und schneller unterwegs - und die Zeitplanung wird auch zuverlässiger."

Wie Cargobikes genutzt werden: 3.000 km in drei Monaten

Die Nutzungsintensität der Testräder ist von Tester zu Tester unterschiedlich und ein zentrales Thema der Begleitforschung. Die beiden bisherigen Topnutzer stammen aus Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg; sie sind in drei Monaten jeweils über 3.000 Kilometer gefahren. Insgesamt nehmen Unternehmen und Einrichtungen aller Wirtschaftszweige und aus allen Bundesländern teil, das größte Teilnahmeinteresse wurde bislang in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Niedersachsen und Berlin bekundet. Daneben beteiligten sich auch mehr als 30 Städte und Gemeinden am Lastenradtest und zeigten damit Einsatzmöglichkeiten in der kommunalen Verwaltung auf. In Großstädten ist die Nachfrage erwartungsgemäß besonders hoch, allerdings stammen auch zwei von fünf Bewerbern aus Städten und Gemeinden unter 100.000 Einwohnern.

Interessierte Unternehmen und Institutionen können sich noch bis Sommer 2019 für die Teilnahme am Lastenradtest von "Ich entlaste Städte" bewerben. Anfang 2020 will das DLR eine Gesamtevaluation von Europas größtem Lastenrad-Testprojekt vorstellen und eine Einschätzung zur Zukunft von Lastenrädern im Wirtschaftsverkehr abgeben.

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