E-Commerce-Boom: Paris ertrinkt in Paketen und steuert gegen

Der starke Zuwachs im Onlinehandel und der daraus folgende Lieferverkehr verursachen etliche Probleme in Ballungsgebieten. Die französische Hauptstadt versucht nun, die Infrastruktur dem Bedarf an On-Demand-Logistik anzupassen - etwa mit speziellen Lieferzonen.

Reservierte Parkplätze für die Logistik im Stadtzentrum.| Foto: Stadtverwaltung Paris
Reservierte Parkplätze für die Logistik im Stadtzentrum.| Foto: Stadtverwaltung Paris
Johannes Reichel
(erschienen bei VISION mobility von Thomas Kanzler)

Der E-Commerce-Sektor ist auch in Frankreich unaufhaltsam auf dem Vormarsch. 2021 überschritt er den Wert von 129 Milliarden Euro, das ist ein Anstieg von 15,1 Prozent gegenüber dem Jahr 2020. Paris hatte in einer Hauptcharta bereits 2006 Vorschriften und Regelungen für den Transport und die Lieferung von Gütern im Stadtgebiet erarbeitet. An dieser Projektcharta waren 80 Partner in Arbeitsgruppen beteiligt. Um die Wareneinfuhr und -verteilung zu optimieren, wurden die Probleme des städtischen Logistikverkehrs wie Verkehrsstaus und die Luft- und Lärmbelästigung erörtert. Diese Charta der Logistik wurde 2013 überarbeitet und nun zuletzt aktualisiert.

Paris als Experimentierfeld für die urbane Logistik

Ein großes Problem in Städten ist die begrenzte Anzahl an Parkplätzen. Die Stadtverwaltung von Paris schuf deshalb in diesem Jahr bereits 1.000 neue Parkplätze für Logistikunternehmen. Die nun etwa 10.600 Parkmöglichkeiten sind aber aufgrund des radikalen Anstiegs des E-Commerce weiter unzureichend. Im 15. Arrondissement wurden in einem sechsmonatigen Experiment Parkplätze für Zulieferer privatisiert. Ein Lkw lieferte die Waren an, drei E-Bikes mit Anhängern übernahmen die weitere Paketverteilung im Viertel. So konnte die Gesamtzahl der Lkw im Stadtgebiet spürbar reduziert werden.

Lagermöglichkeiten zur Weiterverteilung sind ein weiterer Punkt, der in der urbanen Lieferkette eine immer größere Rolle spielen. Verschiedene Technologien zur Identifizierung kostenloser Lieferparkplätze in Echtzeit sind im Testbetrieb, um die Kontrolle und Nutzung von Lieferbereichen zu optimieren. Anbieter von Sammel- und Zustellstellen haben zudem ihre Vertriebsnetze über Partnerschaften mit Supermarktketten aufgebaut.

Städtische Distributionszentren

Schließlich gibt es zunehmende Investitionen in städtische Distributionszentren. Das Logistikunternehmen Partners Valor Real Estate hat beispielsweise im Jahr 2021 über 20 Millionen Euro investiert, um einen urbanen Distributionsknotenpunkt in Paris zu entwickeln. Zu diesem Zweck hat Valor eine zwei Hektar große Brachfläche in La Courneuve für die spekulative Entwicklung eines über 10.000 m² großen städtischen Verteilerparks erworben. Für die Verteilung von Waren aus den städtischen Logistikzentren an Verbraucher oder andere Unternehmen würden dann Elektrofahrzeugen oder alternativ angetriebenen Fahrzeugen bereitgestellt. Das städtische Logistikzentrum soll auch Tankstellen für alternative Kraftstoffe und Ladestationen für Elektrofahrzeuge umfassen.

Was bedeutet das?

Das starke Wachstum an E-Commerce und Lieferdiensten erfordert ein Umdenken bei der Stadtplanung. Die Akteure der städtischen Logistik müssen kontinuierlich neue Lösungen für die Logistik, Distribution und den Transport von Waren entwickeln und testen. Auch bei der Transportbranche muss das Umdenken einsetzten. Gütermobilität, Luftqualität, Lärm und die Überlastung des öffentlichen Raums sind große Herausforderungen für die Städteplaner.

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