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E-Commerce: Mehr als schnell liefern

Neben der möglichst schnellen Lieferung sehen Handelslogistikexperten den Kundenmehrwert im Online-Handel immer öfter auch im Lieferservice.
Jessica Neumann, Hartmut Deiwick: Die Zeitfenster-Zustellung wird immer mehr zum Thema – für Delikatessen offensichtlich ebenso wie für Medikamente. | Foto EHI/Schulten
Jessica Neumann, Hartmut Deiwick: Die Zeitfenster-Zustellung wird immer mehr zum Thema – für Delikatessen offensichtlich ebenso wie für Medikamente. | Foto EHI/Schulten
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Tobias Schweikl

Aus der Sicht des E-Commerce ist jede Vor-Ort-Filiale ein potenzielles Auslieferungszentrum, so ein Tenor des 23. Handelslogistik-Kongresses „Log 2017“ Ende März 2017 in Köln. Das Lager vor Ort biete neben Geschwindigkeits- auch Servicevorteile. Statt aus einem Zentral- oder Regionallager, könne vorrätige Ware durch die Nähe zum Kunden oft effizienter aus einer Filiale versendet werden. Zeitfenster oder Kofferraumzustellung ließen sich je nach Organisation und Einbindung der Lieferdienste auch von dort aus realisieren. Alternativ oder ergänzend böten sich Kurierfahrten auch mit eigenem Personal an – vor allem in Verbindung mit Zusatzleistungen, die die Privatsphäre der Kunden betreffen. Als Beispiele wurden der Aufbau von Möbeln in der Wohnung oder das Anschließen elektronischer Geräte genannt.
Liefergeschwindigkeit und Lieferservice sind für viele Logistiker die entscheidenden Punkte. „Natürlich müssen wir uns alle an der Schnelligkeit von Amazon orientieren“, so Jessica Neumann, Logistikleiterin der Foodist GmbH, einem Versandhändler für Trockenware im Delikatess-Segment. „Die Menschen erwarten einen schnellen Versand, auch bei einem Start-up.“ Dennoch müssten Pakete nicht immer am selben Tag ankommen. Wer bei Foodist bestelle, dem genüge in der Regel eine Lieferung in 48 Stunden. „Wir bieten deshalb eine Express-Option an. Ansonsten denken wir eher über noch über Wunschzeitfenster nach als über Same-Day-Delivery.“
Ebenfalls ein Thema sei die Wahlmöglichkeit verschiedener Zustellunternehmen: „Wenn wir nach Österreich oder in die Schweiz liefern, bevorzugen unsere Kunden oft die heimischen Logistiker, an der Lösung arbeiten wir zurzeit“, so Neumann. Denn dies ermögliche die Nutzung der jeweiligen Packstationen. „Aber auch innerhalb Deutschlands sind unterschiedliche Lieferdienste nicht verkehrt.“

Individuelle Zustellung


Bei Aponeo, einer Online-Apotheke aus Berlin, denkt man ähnlich: „Es kommt immer wieder vor, dass Kunden den Logistiker wechseln möchten. Wir bieten daher mit DHL und Hermes zwei Optionen“, so Hartmut Deiwick. Er hat als kaufmännischer Leiter bei Aponeo für weitere Wahlmöglichkeit gesorgt: Abendzustellung, Wunschzeit, Same-Day-Delivery – in Berlin auch für rezeptpflichtige Medikamente. „Die Menschen wollen den Lieferzeitpunkt so präzise wie möglich festlegen können. Wir erleben im E-Commerce gerade einen Boom der Zustellung in Zeitfenstern.“
Auch bei Aponeo greife der Versandhandel in vielen Fällen immer mehr in die Privatsphäre der Menschen. Die Versandapotheke arbeite derzeit beispielsweise an einer Auslieferung in die Autos der Kunden. Zwischen 22 Uhr und 5 Uhr würden die Pakete in den Kofferraum gelegt, der dafür vom Boten elektronisch entriegelt und danach wieder verschlossen würde. „Jeder vierte Mensch in Deutschland ist offen für die Kofferraumzustellung. Und das bei einem Service, den noch kaum jemand kennt“, so Deiwick. Die neue letzte Meile ende nicht mehr zwangsläufig an Haustüren oder Schlössern.
Der Handelslogistik-Kongress 2017 wurde veranstaltet vom EHI Retail-Institut e.V. und der GS1 Germany GmbH.

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