E-Mobilität, Ladeinfrastruktur und Assistenzsysteme: Diese Themen bewegen MAN Truck & Bus im kommenden Jahr

Der Nutzfahrzeughersteller MAN Truck & Bus nutzt den Jahresausklang, um einen Ausblick auf die Themen der kommenden Monate zu geben. Der Lkw wird demnach ganz im Zeichen von E-Mobilität und Ladeinfrastruktur stehen. Beim Transporter hingegen steht mit dem Modelljahr 25 eine Aufwertung durch Assistenzsysteme an.

Beim Lkw fokussiert sich im Jahr 2024 MAN auf die E-Mobilität und den Ausbau von Ladeinfrastruktur. (Foto: MAN Truck & Bus SE)
Beim Lkw fokussiert sich im Jahr 2024 MAN auf die E-Mobilität und den Ausbau von Ladeinfrastruktur. (Foto: MAN Truck & Bus SE)
Tobias Schweikl
(erschienen bei Transport von Christine Harttmann)

Im kommenden Jahr stehen bei MAN Truck & Bus Produkt- und Modellinformationen zu Trucks und Vans auf dem Programm. Zudem gewinnt das Thema Ladeinfrastruktur mit Blick auf den Verkaufsstart des eTGX an Bedeutung, für den TGE wird ein Handelsvertretermodell auf dem deutschen Markt ausgerollt.

Die Initiative Fahren für Deutschland" geht mit neuen Unterstützern ins Jahr 2024. Das berichtete Christoph Huber, Vorsitzender der Geschäftsführung der MAN Truck & Bus Deutschland GmbH, gestern Abend vor Journalisten in Aying bei München.

Ausblick Truck - E-Mobilität im Fokus

Im Truck-Bereich wird im kommenden Jahr das Thema E-Mobilität im Mittelpunkt stehen. Huber kündigte an, dass ab Ende 2024 die ersten Fahrzeuge des eTruck an Kunden ausgeliefert werden. Die Serienproduktion werde 2025 starten.

Der aktuelle Stand der Servicebereitschaft bei MAN Truck & Bus Deutschland zeigt, dass im September 2023 insgesamt 54 Servicestandorte für Lkw, Busse und Transporter „eReady“ sind, wie Huber sagte. Davon sind 44 eigene Servicebetriebe und zehn Servicepartner. Der Fokus für das Jahr 2024 liegt auf den Standorten, die die ersten eTrucks betreuen. Ab Mitte 2025 sollen insgesamt 150 Standorte für die elektrischen Serienfahrzeuge bereit sein.

MAN plane, so Huber, dass 2024 jeder eTruck eine Heimatwerkstatt hat, die mit speziellen Werkzeugen, einem mobilen DC-Ladegerät und Elektrofachkräften für die Kundenanforderungen befähigt sei. Zusätzlich werden als Priorität gemeinsam mit dem Kunden zwei potenzielle Routen erarbeitet, und Werkstätten entlang dieser Routen ebenfalls auf die Elektromobilität vorbereitet.

Dies bedeutet, dass Werkstätten möglicherweise keine eigenen eTruck-Kunden haben, jedoch zur M24-Bereitschaft befähigt, auf den eTruck-Audit vorbereitet und mit Spezialwerkzeugen ausgestattet werden. Priorität drei des Servicenetzes für die eTrucks ist es, auch Werkstätten an nicht geplanten Routen, jedoch in der Nähe von Ladestationen, für den Pannenfall oder das Handling zu befähigen.

Fortschritte meldet Huber auch bei der Vorbereitung der Mitarbeiter auf die E-Mobilität. 600 Mechatroniker wurden bisher bis zum Hochvolt-Basiskurs geschult. Zudem haben mehr als 500 Mechatroniker eine produktspezifische Hochvolt-Schulung für Fahrzeuge wie eTGE, eTGM und eBus erhalten. Auch im Batteriebereich hat MAN die Entwicklung vorangetrieben. So wurde in Hannover-Laatzen ein Batterie-Reparaturzentrum als Pilotprojekt etabliert. Für das kommende Jahr ist ein weiterer Standort in Nürnberg geplant. Darüber hinaus wurden erste Standorte für den innerbetrieblichen Transport pilothaft mit Lademöglichkeiten ausgestattet. Dazu gehören unter anderem Göttingen, Wiesbaden, Schweinfurt, München-Neufahrn, Nürnberg und Hamburg-Moorfleet.

Ladeinfrastruktur

Die Analysen der Nationalen Koordinierungsstelle Ladeinfrastruktur ergeben für das Jahr 2030 insgesamt 30.000 Lkw-Ladevorgänge pro Jahr entlang der Autobahnen. Deren Verteilung auf Zwischenladungen an MCS-Ladepunkten und Übernachtungsladungen an CCS-Ladepunkten wird prognostiziert. Sollte der Ladebedarf für kürzere Strecken als 300 Kilometer nicht durch das Laden an Depots gedeckt werden können, erhöht sich der öffentliche Ladebedarf entsprechend.

Das Joint Venture Milence zwischen Traton, Daimler Trucks und Volvo Trucks greift genau diese Ladepunktproblematik auf. Derzeit wird an der Installation und dem Betrieb von 1.700 leistungsstarken Ladepunkten bis 2027 gearbeitet. Der erste Ladepunkt wird im Dezember 2023 eröffnet.

Zudem ist MAN im Projekt „Hochleistungsladen im Lkw-Fernverkehr“ (HoLA) des Bundesverkehrsministeriums vertreten. Ziel dieses Fördervorhabens ist die Planung, Errichtung und der Betrieb einer Hochleistungs-Ladeinfrastruktur. Der Aufbau und Betrieb von Fahrzeugen und Infrastruktur wird 2024 mit umfangreichen Forschungsaktivitäten begleitet. Ziel ist es auch hier, den flächendeckenden bundesweiten Ladeinfrastrukturausbau voranzutreiben.

Van

Auch bei den Transportern tut sich im kommenden Jahr einiges: Zum einen kommt ab Mai das Modelljahr 25 mit neuen Assistenzsystemen und einem neu gestalteten Fahrerarbeitsplatz für mehr Komfort und Sicherheit auf den Markt. Im Mittelpunkt steht dabei eine neue Generation von Steuergeräten, Sensoren und Kameras, die der MAN TGE Next Level mit diesem Modellwechsel hardwareseitig erhält. Gleichzeitig wird die E/E-Architektur grundlegend erneuert.

Damit werde eine grundlegende Weiterentwicklung im Bereich der Assistenz- und Sicherheitssysteme ermöglicht, so der MAN-Chef. Der MAN-Transporter wird sowohl die Sicherheit seiner Insassen als auch die der anderen Verkehrsteilnehmer erhöhen, da einige Assistenzsysteme erstmals serienmäßig zum Einsatz kommen, darunter Verkehrszeichenerkennung, aktiver Spurhalteassistent, Müdigkeitserkennung und Einparkhilfe. Damit werden laut Huber auch die neuesten Gesetze zu GSR-II und Cyber-Security erfüllt.