EIT-Studie: Logistiker können mit Mixflotten aus E-Cargobikes und E-Vans massiv sparen

Studie vergleicht Einsatz von E-Vans und E-Cargobikes hinsichtlich Kosten und Klimaimpact. Und zeigt, dass eine gemischte Flotte aus E-Lastenrädern und E-Transportern für Logistiker kostengünstiger ist als reine E-Transporter-Flotten. Reglementierungen als Treiber.

Gemischter Einsatz: Mit Hilfe von E-Cargobikes in Kombination mit E-Vans können Logistikflotten massiv ihre Kosten drücken. | Foto: Larry vs Harry
Gemischter Einsatz: Mit Hilfe von E-Cargobikes in Kombination mit E-Vans können Logistikflotten massiv ihre Kosten drücken. | Foto: Larry vs Harry
Johannes Reichel

Eine neue Studie von EIT InnoEnergy, einem Innovationstreiber für nachhaltige Energie, der vom Europäischen Innovations- und Technologieinstitut (EIT), einer Einrichtung der Europäischen Union (EU), unterstützt wird, hat den Einsatz gemischter Elektroflotten in Hinsicht auf Kosten- und CO2-Einsparungen untersucht. Demnach spart der kombinierte Betrieb von E-Lastenrädern und E-Transportern im Vergleich zu einer Flotte aus 100 % E-Transportern erhebliche Kosten ein und sorgt für eine Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität in Städten.

Bis zu 80 Prozent weniger Kosten in der Last-Mile-Logistik

Die Studie zeigt, dass große Logistikunternehmen, die jährlich zwei Milliarden Pakete mit einer gemischten Flotte aus 80 % E-Lastenrädern und 20 % E-Transportern ausliefern (im Vergleich zu einer hundertprozentigen E-Transporter-Flotte), bis 2030 jährliche Kosteneinsparungen in Höhe von 554 Mio. Euro erreichen. Gleichzeitig können CO2-Emissionen im Bereich der Last-Mile-Logistik um bis zu 80 % reduziert werden. In Hinblick auf das jährlich steigende Volumen im E-Commerce Sektor um 8-14%, versuchen Logistikunternehmen ihre Gewinnmargen zu verbessern und gleichzeitig CO2-Emissionen zu reduzieren.

Regulierungen als Treiber der Veränderung

Regulierungen, wie das bevorstehende Stockholmer Innenstadtverbot für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, setzen die Unternehmen zusätzlich unter Druck, ihre Last-Mile-Zustelldienste zu dekarbonisieren. Angesichts dieser Herausforderungen bietet die Studie neue Erkenntnisse in Bezug auf Kosten, Betrieb und Nachhaltigkeit von E-Lastenrädern. Sie präsentiert klare Vergleiche zwischen ICE-Transporter-Flotten, E-Transporter-Flotten und gemischten Flotten.

"Logistikdienstleister sind mit vielen Herausforderungen gleichzeitig konfrontiert: steigende Paketmengen, strengere Regularien und die Notwendigkeit, in einem margenschwachen Geschäft Kosten zu senken", sagt Jennifer Dungs, Global Head of Mobility bei EIT InnoEnergy. "Die Studie zeigt, dass E-Lastenräder nicht nur eine nachhaltige Lösung sind, um diese Herausforderungen zu bewältigen, sondern auch eine wettbewerbsfähige und profitable Option für große Logistikunternehmen - heute schon und erst recht bis 2030."

Die Ergebnisse zeigen, dass der Einsatz von E-Lastenrädern die Gesamtkosten pro Paket im Vergleich zu E-Transportern unabhängig vom Flottenmix und der städtischen Infrastruktur senkt. Im Referenzfall der Studie, der von einer Zustellflotte mit einem Anteil von 60 % E-Lastenrädern und 40 % E-Transportern in einer großen und dicht besiedelten Stadt ausgeht, liegen die Gesamtkosten pro Paket im Jahr 2023 um 0,05 € niedriger als bei einer reinen E-Transporter-Flotte (1,36 € gegenüber 1,41 €). Bis 2030 würde sich diese Differenz pro Paket auf 0,20 € pro Paket erhöhen.

Bis 2030 erhöht sich die Ersparnis noch deutlich

Für ein großes Logistikunternehmen sind das bei jährlich zwei Milliarden zugestellten Paketen Einsparungen von etwa 95 Mio. € im Jahr 2024 und ca. 390 Mio. € bis 2030. In einem optimierten Szenario (80 % E-Lastenräder und 20 % E-Transporter in einer mittelgroßen Stadt) wären die Einsparungen im Vergleich zu einer 100-prozentigen E-Transporter-Flotte sogar noch größer: 0,08 € bzw. 5,3 % geringere Kosten pro Paket würden sich für einen großen Logistikdienstleister im Jahr 2023 zu einer jährlichen Gesamteinsparung von rund 156 Mio. € summieren.

Diese Kostendifferenz pro Paket würde sich bis 2030 auf 0,28 € bzw. 17,0 % erhöhen, was einer Kostenersparnis von 554 Mio. € entspricht. Hervorzuheben ist aus Sicht der Autoren, dass diese Kostenreduktionen auch trotz der Mehrkosten der gemischten Flotten erzielt werden, die in erster Linie durch höhere Personalkosten für die Paketsortierung in Mikro-Fulfillment-Zentren und in der Zustellung entstehen.

Vorteile für die Städte: Reduktion von Emission und Verkehr

Neben den monetären Einsparungen ergeben sich auch Vorteile für Städte, wie z.B. die Reduktion von CO2-Emissionen in den 100 größten europäischen Metropolen um bis zu 80 %. Außerdem entfallen 120.000 Lieferfahrzeuge, wodurch Flächen frei werden und Staus vermieden werden können. Im Vergleich zu rein elektrisch betriebenen Flotten zeigt die Studie, dass gemischte Flotten die lokalen Stromnetze entlasten und den jährlichen Energieverbrauch von bis zu 850 Haushalten pro Stadt einsparen würden.

"Städte und Logistikanbieter haben großes Interesse an einer Zusammenarbeit, um das Potenzial gemischter Flotten auszuschöpfen. Es bestehen hervorragende Möglichkeiten zur Entwicklung öffentlich-privater Partnerschaften, um die Infrastrukturplanung zu optimieren und sicherzustellen, dass die Vorteile in Bezug auf Nachhaltigkeit, Flächennutzung und Kosteneinsparungen voll ausgeschöpft werden. Diese Studie soll Entscheidungsträgern in Europa eine Orientierungshilfe zur Bewältigung des wachsenden Paketvolumens, der Aufrechterhaltung der Kosteneffizienz und der flexibleren und nachhaltigeren Gestaltung der Auslieferung auf der letzten Meile bieten", ergäntz Dungs.