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Electric Brands: Großer Bahnhof mit X-Bus, Evetta und Nito-Scooter

Die Kollegen von der Autoren Union waren vor Ort beim Göttinger Unternehmen Electric Brands, das demnächst sein Leichtfahrzeug-Portfolio ausrollen will. Gewerblich ist vor allem der X-Bus interessant, ein L7e-Kleinsttransporter. Spannend ist auch eine Cargo-Evetta als Mikro-Laster.

Mit Wechselbrücke: Der X-Bus ist ein leichter E-Laster, der vor allem für urbane Logistiker spannend sein könnte. | Foto: Foto: Ampnet/Autoren Union/Jens Riedel
Mit Wechselbrücke: Der X-Bus ist ein leichter E-Laster, der vor allem für urbane Logistiker spannend sein könnte. | Foto: Foto: Ampnet/Autoren Union/Jens Riedel
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Johannes Reichel
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Electric Brands kennt man vor allem vom X-Bus, der optisch an eine Schrumpfversion des VW T2 erinnert.  Im ersten Quartal 2024 soll der vielseitige X-Bus jetzt in Serie gehen. Gestartet wird allerdings erst einmal mit dem europaweiten Vertrieb der Elektroroller und E-Kickscooter von Nito. Jens Riedel von der Autoren Union hat sich schon mal für uns umgesehen.

Gestartet wird dem Vertrieb von Zweirädern

Nito steht für „Nuova Industria Tornese“ und besteht aus einem E-Kickscooter und einem Elektroroller, der wahlweise als Kleinkraft- und als Leichtkraftroller geordert werden kann. Technisch fährt der 890 Euro teure Nito N1e Scheibenbremsen vorne und hinten sowie Blinker an den Lenkerenden auf. Das Trittbrett hat in der Mitte eine Antirutschfläche – so dass er zu den sichersten Tret- respektive Stehscootern im Markt gehören dürfte. Geklappt wird er allerdings anders als die meisten E-Tretroller: Der Vorbau wird zur Seite gelegt und muss dort mit einer separaten Klammer fixiert werden. Die üppige Ausstattung und Solidität schlagen allerdings aufs Gewicht, das Nito mit 13 Kilogramm angibt. Deshalb soll der Scooter weniger zum Mitnehmen, sondern eher als solider Fahrrad- oder besser Autoersatz gedacht sein. Trotzdem bietet man auch Tragteasche und/oder einen Schultergurt für den Transport an.

Der Nito-Roller NES ist eher Lifestyle als Sparversion

Ebenfalls eher als hochwertiges Lifestyleprodukt ist der Nito-Roller NES gedacht, den es mit 45 km/h für die Führerscheinklasse AM und mit 90 km/h Spitze als A1-Modell gibt. Auffällig ist das Trittbrett in Holzoptik, das an ein Surf- oder Skateboard erinnert und am Heck nach oben gebogen ist. Der Wechsel-Akku steckt unter dem Fußraum, was Platz für ein Fach unter der Sitzbank schafft, in das zumindest der hauseigene Jet-Helm passt. Ein USB-Anschluss im Beinschild ist ebenfalls vorhanden.
Sowohl der NES5 als auch der NES10 verfügen über drei Fahrmodi (Low, Eco, Sport), die sich einfach mit dem rechten Daumen am unverkleideten Rohrlenker wechseln lassen. Die Spitzenleistung liegt bei 4 kW (5,5 PS) und sorgt in der Leichtkraftrollerversion für eine ordentliche Beschleunigung.

Die Ladezeit gibt Nito mit drei bis viereinhalb Stunden an, die Reichweite schwankt laut Hersteller je nach Modell, gewählter Fahrstufe und gefahrener Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen 60 und 90 Kilometern. 5500 Euro werden für den Nito ES5 aufgerufen, der als Besonderheit aber serienmäßig auch über CBS (Combined Breaking System) verfügt, wie es für die leistungsstärkeren Leichtkrafträder und -roller als Alternative zum ABS vorgeschrieben ist. Der NES10 kostet 6500 Euro. Auch hier kann der Kunde wieder zwischen verschiedenen Designs beim Trittbrett, der Sitzbank und den Rädern wählen. Später soll noch ein Elektromotorrad das Nito-Prgramm nach oben abrunden. Das „N4“ ist als Urban Motard konzipiert und soll auch als 11-kW-Leichtkraftrad angeboten werden. Offen leistet der Motor 15 kW (20 PS) und soll für 150 km/h Höchstgeschwindigkeit gut sein. Als Reichweite werden 150 Kilometer angestrebt.

Aus der Isetta wird die Evetta – und die kommt auch offen

Bekannt ist auch die Evetta: Einst hätte das der Microlino werden sollen – nach einem Rechtsstreit trennten sich die Unternehmen und die Schweizer konstruierten ihre Version der „Isetta“ mit vorn angeschlagener Tür nochmal neu und gingen noch ein Stück weiter Richtung Automotive. Artega behielt die Urfassung, musste sie aber massiv abändern und geriet am Ende in finanzielle Schieflage. Jetzt übernahm Electric Brands die ehemalige Delbrücker Sportwagenmanufaktur Artega und macht aus dem Karolino die „Evetta“. Das 2,48 Meter kurze Citycar ist 90 km/h schnell und soll eine Reichweite von bis zu 240 Kilometern haben. In den Kofferraum passen immerhin 280 Liter. Die Produktion soll jetzt 2023 starten, einige Monate nach dem Schweizer Microlino, der jetzt in Italien gefertigt wird. Zum Produktionsstart der Evetta sind zunächst insgesamt rund 2950 Fahrzeuge als „First Edition“ für Händler und Kunden geplant. Zudem soll es zusätzlich die auf zunächst 999 Exemplare limitierte Roadster-Version „Openair“ geben.

Evetta auch als Nutzfahrzeug!

Sehr gespannt sein darf man außerdem auf die die Evetta Cargo mit Pritsche, die ebenfalls serienreif entwickelt werden soll. Die Preise für die Evetta sollen bei rund 16.000 Euro beginnen, das Cabrio wird rund 5000 Euro teurer sein. Die Cargo-Evetta soll irgendwo dazwischenliegen. Gebaut werden sollen die Evettas in Aachen.

Endlich: Der X-Bus als Camper – darauf dürften viele gewartet haben

Bekannt ist Electric Brands aber eigentlich durch den sogenannten  X-Bus. Offiziell ist das ein Leichtfahrzeug der Klasse L7e, was den Herstellern einen Airbag oder teure Standard-Sicherheitssysteme aus dem Pkw-Bau erspart. Der knapp vier Meter und 1,70 Meter schmale X-Bus war von Anfang an modular konzipiert, so dass er vielfältige Nutzungsmöglichkeiten bietet. Als Prototyp gibt es mittlerweile auch eine Wechselpritsche und einen Camper. Dank Aufstelldach in der Mitte und hochklappbarer Sitzfläche hinten soll es innen sogar Stehhöhe geben. Das hinter den Vordersitzen montierte Campingmodul schränkt allerdings den Platz auf den hinteren Plätzen etwas ein. Und weil sich zwei Betten bei den maßen nicht ausgegangen wären, löste man das Problem mit einem sogenannten „Slideout“ im Heck, mit dem im X-Bus Camper eine 2,10 Meter lange und 1,40 Meter breite Liegefläche für zwei Personen bieten soll.

Der X-Bus-Montagestandort ist noch nicht final geklärt

Für die Fertigung des Fahrzeugs sind laut Electric-Brands-Gründer Ralf Haller aktuell zwei Standorte im Gespräch, einer im Inland und einer im benachbarten Ausland. Der Motor des X-Bus wird eine Dauerleistung von 15 kW (20 PS) haben, wobei die Spitzenleistung bei bis zu 56 kW (76 PS) liegen kann. Entscheidender ist das angepeilte Drehmoment von etwa 1000 Newtonmetern. Die Höchstgeschwindigkeit des E-Kleinbusses wird etwa 100 km/h betragen. Angedacht sind eine Basisversion für Wechselaufbauten, Koffer-, Pritschen- und Kastenwagen – und eben der Camper. Preislich geht es nach derzeitigem Stand bei 17.400 Euro für die Standardversion los, das wären gut 14.620 Euro netto.

Was bedeutet das?

Electric Brands hat mit seiner Ausstellung aufgezeigt, wie man sich künftig positionieren möchte: Als Full-Liner im Leichtfahrzeugsegment, der vom kompakten 13-kilo-E-Scooter bis zum nutzwertigen X-Bus alle Produkte anbietet – womit sich das Portfolio (teils auch optisch) an der ersten Motorisierungswelle in der Nachkriegszeit der 1950er-Jahre orientiert. Mehr ist in den meisten Fällen im Alltag auch gar nicht nötig!

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