Elektromobilität: ADAC-Präsident nennt Antriebswende alternativlos

Für einen nüchternen Blick auf die Elektrifizierung des Verkehrs plädiert ADAC-Präsident Christian Reinicke. Die Antriebswende sei eine gesellschaftliche Aufgabe, um die Klimaziele zu erreichen. Von der Politik fordert er klare Signale.

Laden statt Tanken: ADAC-SE-Präsident Christian Reinicke sieht die E-Mobilität als alternativlos an - und empfiehlt der Politik klare Ansagen und entschlossenes Handeln. / Foto: Ford
Laden statt Tanken: ADAC-SE-Präsident Christian Reinicke sieht die E-Mobilität als alternativlos an - und empfiehlt der Politik klare Ansagen und entschlossenes Handeln. / Foto: Ford
Tobias Schweikl
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

ADAC-e.V.-Präsident Christian Reinicke hat sich in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung für einen nüchternen Blick auf die Mobilitätswende stark gemacht und sieht keine Alternative zur Elektrifizierung des Verkehrs, wenn die Klimaziele erreicht werden sollen.

"Es ist der Politik nicht gelungen, ein klares, konkretes Ziel und ein positives Zukunftsbild vorzugeben. Nur den Eindruck zu erzeugen ,Wir legen jetzt einfach den Schalter um, und alle fahren bis 2030 elektrisch' das reicht nicht und es überzeugt vor allem nicht", kritisierte der Jurist. 

Er hält das 15-Millionen-Elektro-Auto-Ziel, sprich ein Drittel der Flotte, bis 2030 für unrealistisch in Anbetracht der Tatsache, dass Autos zehn oder mehr Jahre gefahren werden. 

"Die große Elektro-Euphorie ist verflogen. Wir müssen uns endlich sachlich mit dem Thema befassen. Die Tatsachen liegen doch auf dem Tisch, das Problem ist die Umsetzung - und das geht die gesamte Gesellschaft an. Wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, gibt es keine Alternative zum möglichst breiten Umstieg auf Elektromobilität. Das ist einfach Tatsache", erklärte der Präsident. 

Es gebe natürlich auch andere Lösungen, aber weder E-Fuels noch andere alternative Kraftstoffe würden in den nächsten Jahren in ausreichenden Mengen vorhanden sein. E-Autos seien zudem vom Wirkungsgrad deutlich besser als Verbrenner. Hier müsse die Reise hingehen. Als ADAC wolle man dabei Orientierung geben und der Verunsicherung entgegenwirken. 

"Wir müssen das Thema jetzt schnell in den Griff bekommen. Was sicher nicht gut war: die E-Auto-Prämie zuzusagen und dann über Nacht abzublasen. Wenn Politik so handelt, verunsichert sie die Menschen", kritisierte Reinicke. 

 

Die Prämie sei zwar zwiespältig im Hinblick auf die Bezuschussung gut verdienender Hersteller, aber eben auch ein klares Bekenntnis der Politik zur E-Mobilität. Reinicke forderte eine bessere Kommunikation. Es müsse klare, auch ambitionierte Ziele geben, die Antriebswende werde nicht hinreichend erklärt. Zudem gebe es zahlreiche Hürden. Allen voran der zu hohe Strompreis, der höchste weltweit. In Kommunen würden in Wettbewerbsprobleme stören, wenn Stadtwerke die besten Flächen für Ladesäulen besetzen und andere, häufig günstigere Anbieter ausgebootet würden. Zudem seien in der Regierung zu viele Ministerien zuständig für das Thema und es gebe unzählige Abstimmungsdefizite. 

"Es wäre hilfreich, wenn der Kanzler das Thema priorisieren würde. Elektromobilität muss eine Gemeinschaftsaufgabe werden", appellierte der ADAC-SE-Präsident. 

Vor allem die Ladeinfrastruktur bereite Sorgen, auch wenn sie sich an Fernstraßen und in Ballungsräumen gut entwickle. In ländlichen Gebieten sehe es dagegen schlecht aus, konstatierte Reinicke. Das Angebot der deutschen Hersteller sei zu teuer und zu groß. Es gebe gerade einmal vier E-Autos unter 30.000 Euro, kein deutsches Fabrikat darunter. Es brauche kleine und bezahlbare E-Autos. Diese kämen nun vermehrt aus China, technisch und in Sachen Sicherheit immer besser. Die Prämie sei nun eigentlich nicht mehr nötig, befand Reinicke, zudem wachse das Angebot an Gebraucht-Stromern. Der Markt könne das regeln, glaubt der ADAC-Chef. Die E-Mobilität werde sich stark weiterentwickeln. 

"Bei vielen Menschen ist noch nicht angekommen, dass in den kommenden Jahren wegen steigender CO2-Abgaben auch die Spritpreise steigen werden. Durchschnittlich sind es 50 Euro in diesem Jahr. Aber das wird absehbar zunehmen", warnte Reinicke.