Elektromobilität: Quantron peilt Milliardenumsatz an

Das Start-up Quantron AG präsentiert sich als Full-Range-Anbieter elektrifizierter Komplettlösungen für Nutzfahrzeuge zwischen 3,49 und 44 Tonnen und will Brennstoffzellen-Lkw in Serie bringen. Das Unternehmen peilt nach eigener Aussage einen Umsatz in Hohe von 1,2 Milliarden Euro an.

Präsentierten gemeinsam die großen Pläne (v.l.n.r.): Firmenchef Andreas Haller, Schauspieler Hannes Jaenicke und Quantron Marketingchef Serhat Yilmaz. (Foto: Quantron AG)
Präsentierten gemeinsam die großen Pläne (v.l.n.r.): Firmenchef Andreas Haller, Schauspieler Hannes Jaenicke und Quantron Marketingchef Serhat Yilmaz. (Foto: Quantron AG)
Tobias Schweikl
(erschienen bei Transport von Christine Harttmann)

Über alle Business Units gesehen rechnet die Quantron AG mit einem Umsatz von 1,2 Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren. Unternehmenschef Andreas Haller ist überzeugt, dass die Basis dafür gelegt ist:

„Als einziger Full-Range-Anbieter und durch unsere strategischen Partnerschaften, sowohl im Bereich der e-Mobilität als auch im reinen Batteriebusiness, in Verbindung mit unserem europaweiten Servicenetzwerk sehen wir uns als Marktführer in diesem Bereich.“

Angestrebt wird eine jährliche Produktionskapazität von 8.000 Fahrzeugen, die durch die eigene Produktion in Augsburg sowie den weiteren Aufbau von Microfactories erreicht werden soll.

„Dank dieser Vorgehensweise können wir größere Kundenaufträge dann vor Ort im jeweiligen Land abwickeln. Dadurch ergeben sich nicht nur erhebliche finanzielle und zeitliche Einsparungen, sondern auch bei den sonst anfallenden Emissionen durch den wegfallenden Transport der e-Fahrzeuge aus Deutschland zu den Kunden“, erklärt Haller auf einer Pressekonferenz in Frankfurt am 4. August 2020.

Im Fokus des Unternehmens stehen ressourcen- und kosteneffiziente Lösungen. Daher, so Unternehmenschef Andreas Haller, setze die Quantron AG bei der Elektrifizierung der Fahrzeuge auf das sogenannte Right Sizing:

„Im Vorfeld analysieren wir unter anderem exakt, welche Reichweite im täglichen Einsatz wirklich benötigt wird, um eine Überdimensionierung der Batteriekapazität und somit unnötige Kosten für den Kunden zu vermeiden. Eine intelligente Routenplanung zum Beispiel mit möglichen Zwischenladungen an Entladepunkten unterstützt dieses Vorgehen.“

Bei der Konzeption der Fahrzeuge setzt Quantron auf erfahrene Partner. Mit denen gemeinsam sei es möglich, so Haller, auf bereits praxistaugliche Technik zurückgreifen zu können. Auf diese Weise will die Augsburger Fahrzeugschmiede auch einen Brennstoffzellen-Lkw auf den Markt bringen. Unternehmen und Kommunen, die Wasserstoff-Nutzfahrzeuge einsetzen möchten, bietet das in Augsburg angesiedelte Unternehmen ab sofort Lösungen an. Der Hersteller will damit die Debatte um den Prototypen-Status dieser Fahrzeuge beenden. Als Partner wird dabei im Light-Segment AE Driven Solutions unterstützen. Im Heavy-Segment heißt der Technologiepartner Freudenberg Sealing Technologies. Andreas Haller ist überzeugt, dass beide Unternehmen „hochqualifizierte Mitarbeiter sowie funktionierende Technik“ haben, die Quantron nun in Masse auf den Markt werde.

Der Erste in der kommenden Brennstoffzellen-Product Range des Herstellers ist der Energon. Die ersten 100 Testfahrzeuge sollen ihre Praxistauglichkeit in einem Feldversuch noch 2021 unter Beweis stellen. Die Serienproduktion könnte dann Mitte 2022 starten. Der 44-Tonnen-Lkw mit Brennstoffzelle eigne sich für den Güterverkehr und können vollwertig in die Logistikprozesse eingebunden werden. Er kommt auf eine Reichweite von etwa 700 Kilometer. Die eingesetzte 130 kW-Brennstoffzelle speist mit Unterstützung einer 110 kWh-LFP-Batterie den 340 kW starken Motor an, der mit einem zwei-Gang-Getriebe ausgestattet ist.

Der 44-Tonner soll außerdem noch 2021 als Oberleitungs-Variante kommen. Das Portfolio der Augsburger Innovationsschmiede reicht damit vom rein Batterieelektrischen Van, über Hybrid-Lkw mit Tange-Extender und den Oberleitungs-Truck bis zum Fuel-Cell-Lkw.

Ohne eine Servicestrategie würde das jedoch nicht funktionieren. Die Quantron AG hat sich dafür in ganz Europa Werkstattpartner gesucht. Mehr als 700 Servicestandorte, die meisten davon aus dem Alltruck-Netz, und eigene Telematik-Lösungen sollen den Kunden das ganze Jahr über Sicherheit beim Einsatz ihrer Elektro-Lkw geben.

„Wir können den Kunden nicht nur ein e-Fahrzeug vor die Tür stellen. Bei der Integration der e-Mobilität gibt es einiges zu beachten. Deshalb bieten wir unseren Kunden einen voll umfassenden Service. Dieser reicht von der im Vorfeld stattfindenden Analyse des Status quo vor Ort über die Unterstützung bei der Infrastruktur und bei Förderungen bis hin zum Angebot von Miet-, Kauf-, Finanzierungs- und Leasingoptionen.“

Laut Haller geht das Unternehmen sogar noch einen Schritt weiter. Kunden, die kurzfristige und neue Aufträge abwickeln wollen, will Quantron zusätzlich zum Fahrzeug auch den Fahrer zur Verfügung stellen.

„Dadurch wird der Einstieg in die e-Mobilität und die Integration von e-Fahrzeugen in den Unternehmensfuhrpark erheblich vereinfacht. Abgerechnet wird dann über die verbrauchten kWh“, erklärt der Vorstand der Quantron AG.

Um den zukünftigen Bedarf an individuellen Finanzierungs- und Leasingangeboten und auch die Nachfrage nach speziellen e-Fahrzeug-Versicherungen besser abdecken zu können, sind sogar eine eigene Q-Bank sowie Q-Versicherung im Gespräch. Beide Gesellschaften seien bereits im Aufbau, so Haller.

„Mit unserer Q-Bank und Q-Versicherung wollen wir nicht nur unsere eigenen Kunden bedienen. Wir schauen auch hier Quantron-like über den Tellerrand und zielen auf eine Betreuung aller e-Mobility-Kunden am Markt ab.“

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