Elektromobilität: Wasserstofftankstellenetz wächst weiter

An der A1 eröffnet eine weitere Füllstation der Westfalen Gruppe, am Mittwoch geht eine Anlage von Shell bei Geisingen an der A81 in Betrieb. Auch Betankung von Bussen möglich. "Beginn der Kommerzialisierung der Technologie".
Hoch hinaus: Der Wasserstoffspeicher an der neuen H2-Tankstelle in Münster ragt weit in den Himmel. An der Anlage können auch Busse Kraftstoff nachfüllen. | Foto: Westfalen Gruppe
Hoch hinaus: Der Wasserstoffspeicher an der neuen H2-Tankstelle in Münster ragt weit in den Himmel. An der Anlage können auch Busse Kraftstoff nachfüllen. | Foto: Westfalen Gruppe
Johannes Reichel

Die Westfalen Gruppe hat in Zusammenarbeit mit der Clean Energy Partnership (CEP) eine Wasserstofftankstelle an der A1 bei Münster-Amelsbüren eröffnet. Die neue Wasserstoffstation liegt nahe der A1 im Industriegebiet Hansa-Business-Park. "Die Belastung mit Stickstoffdioxid ist das Problem Nummer eins in der Luftreinhaltung - nicht nur in Nordrhein-Westfalen. Auch die Ergebnisse der aktuellen Luftqualitätsmessungen zeigen: Stickstoffdioxid in der Luft gefährdet in den Städten an vielen Stellen die Gesundheit der Menschen und deswegen muss die Stickstoffbelastung schnell und wirksam reduziert werden", erklärte der Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW Johannes Remmel. Das Ziel sei es, bis zum Jahr 2030 emissionsfrei mobil zu sein. "Die Eröffnung der Wasserstofftankstelle in Münster ist ein richtiger Schritt auf dem Weg, an dessen Ende wir endlich über eine saubere und emissionsfreie Mobilität verfügen werden", versicherte der Minister.

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) förderte den Bau und Betrieb der Tankstelle mit 1,5 Millionen Euro im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP). Sie ist ausgerüstet mit 700-bar-Technologie für Pkw sowie eine mit 350-bar-Technologie für Pkw und Busse. Die Investitionskosten dieses Projekts beziffern sich auf drei Millionen Euro. Die staatliche Förderquote für die förderfähigen Anteile der Maßnahme liegt bei 48 Prozent. Die größte Summe trage die Westfalen Gruppe, so der Anbieter.

„Wir stehen am Beginn der Kommerzialisierung der Technologie im Verkehrsbereich“, erklärte der Bereichsleiter Verkehr und Infrastruktur der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) Thorsten Herbert. Dazu habe das Innovationsprogramm entscheidend beigetragen. Mit der Station in Münster sind 24 Wasserstofftankstellen in Deutschland fertiggestellt, am morgigen Mittwoch hat Shell die Eröffnung einer Anlage an der A81 in Geisingen angekündigt. Der Aufbau einer flächendeckenden Wasserstoffinfrastruktur in Deutschland soll nach dem Wunsch der Planer einhergehen mit dem geplanten Markthochlauf von Brennstoffzellenfahrzeugen verschiedener Hersteller. Bisher bietet allerdings neben Toyota nur Hyundai ein serienmäßiges Brennstoffzellenfahrzeug an. Der koreanische Hersteller zeigte auf der IAA Nutzfahrzeuge zudem die Studie des 3,5-Tonnen-Transporters H350 mit Brennstoffzellenantrieb.

In der CEP arbeiten führende Industrieunternehmen gemeinsam daran, die CO2-Emissionen insbesondere im Straßenverkehr bis zum Jahr 2050 deutlich zu senken – mit Wasserstoff als alternativem Kraftstoff. In wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen kommt die Brennstoffzelle als Antriebstechnologie zum Einsatz. In ihr reagieren Wasserstoff und Sauerstoff in einem chemischen Prozess. Dabei wird die Energie, die im Wasserstoff gespeichert ist, als Strom an einen Elektromotor freigegeben. Somit ist ein Brennstoffzellenfahrzeug auch ein Elektromobil. Beim Betrieb von Brennstoffzellenfahrzeugen entstehen keine CO2-Emissionen, sondern lediglich Wasserdampf. Darüber hinaus sind eine hohe Reichweite sowie eine kurze Betankungszeit zwei weitere Vorteile der Elektromobilität mit Brennstoffzellenfahrzeugen, wie der Anbieter darstellt.

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