Elvis-Forderung wegen Chipmangel: „Autoindustrie soll sich an Logistik-Kosten beteiligen“

Die kurzfristigen Werkschließungen würden Logistikdienstleister unter Druck setzen, argumentiert Elvis, da sie auf Ausfallkosten sitzenblieben.

Logistikdienstleister sind im Zuge der Halbleiterkrise laut Elvis immer wieder mit kurzfristigen Werkschließungen konfrontiert. (Foto: Yuri Bizgaimer / Fotolia)
Logistikdienstleister sind im Zuge der Halbleiterkrise laut Elvis immer wieder mit kurzfristigen Werkschließungen konfrontiert. (Foto: Yuri Bizgaimer / Fotolia)
Johannes Reichel
(erschienen bei LOGISTIK HEUTE von Therese Meitinger)

Der Ladungs-Verbund Elvis hat angesichts des Halbleiter-Engpasses mehr Verständnis für die Situation der Logistikdienstleister eingefordert: In einer Mitteilung vom 30. Juli hat er die Automobilindustrie zu Gesprächsbereitschaft und einer anteiligen Kostenübernahme aufgerufen. Wegen der anhaltenden Versorgungsschwierigkeiten schlössen viele Hersteller immer wieder spontan ihre Produktionswerke, argumentiert der Verband. Die beauftragten Transportunternehmen, die ihr für Linieneinsätze geschultes Personal und das speziell angepasste Equipment nicht kurzfristig anderweitig einsetzen könnten, würden damit vor vollendete Tatsachen gestellt. Sämtliche Ausfallkosten bleiben laut Elvis mit der Begründung produktionsbedingter Schwankungen bei den Spediteuren hängen.

„Unangekündigte Werksschließungen und die kurzfristige Verschiebung geplanter Produktionsruhen, wie sie wegen der mangelnden Verfügbarkeit von Halbleitern seit vielen Monaten an der Tagesordnung sind, setzen die Transportwirtschaft massiv unter Druck“, kritisiert Nikolja Grabowski, Vorstand der Europäischer Ladungs-Verbund Internationaler Spediteure (Elvis).

Kurzfristig freiwerdende Ressourcen als Herausforderung

Als Grund für die Versorgungskrise nennt sie zum einen Engpässe bei den Rohstofflieferanten sowie den hohen Wettbewerbsdruck.

„Wir sehen aber auch, dass viele Automobilhersteller wegen coronabedingt stillstehender Fließbänder ihre Bestellungen reduziert oder teilweise sogar storniert haben. Diese Produktionen können nun nicht ohne Weiteres wieder anlaufen“, erklärt Grabowski.

Das sprunghaft wechselnde Geschäft, insbesondere mit kaum Vorlauf kommunizierte Schließperioden von nur wenigen Tagen, stellten die betroffenen Fuhrunternehmen vor eine unlösbare Aufgabe, so Grabowski. Sie bezieht sich damit auf die enge Taktung der gesamten Transportkette und die individuelle Konfektion für die jeweiligen Kunden sowie häufig vorgeschaltete kontraktlogistische Dienstleistungen. Spontan freiwerdende Ressourcen könnten in so kurzer Zeit nicht einfach andernorts eingesetzt werden, so die Elvis-Vorständin.

Hinzukommen ihrer Ansicht nach mit speziellen Vorrichtungen für die entsprechenden Vorprodukte ausgerüstete Fahrzeuge. Zudem könnten die Unternehmen ihr teils extra für solche Aufträge angestelltes und geschultes Personal nicht plötzlich im Fernverkehr einsetzen, argumentiert Grabowski. Die Folge seien kostspielige Standzeiten der Lkw, für die sich die Automobilindustrie offenbar nicht verantwortlich fühle: „Hierbei handelt es sich nicht um erwartbare Produktionsschwankungen, sondern eine deutliche Reduzierung der vertraglich vereinbarten jährlichen Arbeitstage, die Grundlage jeglicher Kalkulationen sind“, sagt Grabowski.

„Die Situation ist für viele Transportunternehmen wirtschaftlich nicht länger tragbar. Wir fordern einen Dialog über die Folgen des Vorgehens und eine zumindest anteilige Übernahme der Ausfallkosten durch die Hersteller“, resümiert sie.

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