Erdgasbranche will mit LNG-Trucks zum EU-Klimaziel beitragen

Für Klimaneutralität sieht die Erdgasbranche neben der Elektromobilität auch Biomethan aus erneuerbaren Energiequellen als unerlässlich an.

Symbolbild: Zukunft Gas
Symbolbild: Zukunft Gas
Redaktion (allg.)
(erschienen bei Transport von Nadine Bradl)

Bis 2050 soll Europa klimaneutral sein, bis 2030 der Ausstoß von Treibhausgasen um mindestens 55 Prozent zu 1990 sinken, fordert der EU-Klimaschutzplan. Um das zu erreichen, genüge nicht allein der Fokus auf Elektromobilität, waren sich zumindest die Experten beim Diskussionsforum „Renewable Gases for Road Transport: Fit for 55“ der NGVA Europe sicher.

„Um die Ziele des europäischen Green Deals zu erreichen, müssen alle verfügbaren Technologien genutzt werden“, glaubt Timm Kehler, Vorstand von Zukunft Gas und Präsident der NGVA Europe.

Das mache nicht nur absolut Sinn, sondern sei bislang auch sehr erfolgreich. Feststehe aber, dass eine schnelle Umsetzung im Schwerlastverkehr nur mittels Gas-Lkw erfolgen könne.

„Bis 2030 werden gasbetriebene Fahrzeuge die einzige marktreife Technologie sein, die eine deutliche CO2-Reduktion im Schwerlastverkehr verspricht“, sagte Kehler weiter.

Joaquim Nunes de Almeida, EU-Kommissionsmitglied und Direktor für Mobilität und Energie, betonte die Schlüsselrolle, die dem Transportsektor und insbesondere dem Schwerlastverkehr bei der Reduktion von CO2-Emissionen zukommt. Trotz seines geringen Anteils am Gesamt-Verkehrsaufkommen, stoße der Schwerlastverkehr rund ein Viertel der Emissionen aus. Hierbei müssten Gas-Lkw eine tragende Rolle übernehmen, um Emissionen effektiv senken zu können.

Prof. Thomas Willner, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, erklärte die Kriterien, die Klimaschutzmaßnahmen erfüllen müssen. Diese seien:

  1. Keine Verzögerung: Maßnahmen zur Treibhausgas-Reduktion müssen bei ihrer Umsetzung sofortige Wirkung zeigen.
  2. Kein Export von Treibhausgasen: In der gesamten Wertschöpfungskette darf es zu keiner Verschiebung von Emissionen in anderen Länder kommen.
  3. Schneller Roll-out erfolgreicher Technologien: Klimaschutz ist eine globale Aufgabe (nur für neun Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen ist die EU verantwortlich) und kann nur mit internationaler Zusammenarbeit gelingen.

Für den Straßenverkehr bedeuten diese Kriterien laut Willner:

  1. Keine Verzögerung:
  • Alternative Kraftstoffe: Sie wirken sich in der großen bestehenden Fahrzeugflotte (1,4 Milliarden Autos) direkt aus.
  • E-Mobilität: Fünf bis 15 Jahre Verzögerung und keine Wirkung in der bestehenden Flotte (Austausch dauert zu lange)
  1. Kein Export von Treibhausgasen:
  • Alternative Kraftstoffe: hohe Leistung (Deutschland: 83 Prozent Treibhausgas-Reduktion)
  • E-Mobilität: massiver Treibhausgas-Export in andere Länder (für Batterieproduktion und Recycling, neue Infrastrukturen, fossile Stromerzeugung)
  1. Schneller Roll-out erfolgreicher Technologien: Der schnelle Ausbau der internationalen Zusammenarbeit ist der Schlüssel für den Klimaschutz.
  • Export erneuerbarer Energietechnologien in Länder mit einem Überschuss an erneuerbaren Energien sowie Produktion von grünen Kraftstoffen (E-Fuels).
  • Import von E-Fuels für Deutschland und Europa (hoher Energieimport: Deutschland 70%, EU28 58%)

Lars Martensson, Direktor für Umwelt und Innovationen bei Volvo Trucks, betonte die Rolle der unterschiedlichen Technologien und Energieträger. „Wir erwarten, dass die Zahl der Gas- aber auch E-Lkw mit der Zeit deutlich zunehmen wird“, sagte Martensson. Im Gegenzug dazu, werde Schritt für Schritt die Zahl der Verbrenner sinken. Elementar sei hierbei allerdings unter anderem, dass die nötige Infrastruktur zur Verfügung stehe.

In einem waren sich die Experten einig: Der Schlüssel wird vor allem in der Kooperation aller Beteiligten liegen. Nur so können die ambitionierten Klimaziele erreicht werden.

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