Fachkräftemangel: Drei Tipps, um 2024 Logistik-Mitarbeiter zu binden

44 Prozent der Mitarbeiter aus Lager und Logistik erwogen 2023 eine Kündigung. Ursache sind Stress, eine fehlende Work-Life-Balance sowie das Empfinden, in der Karriere nicht vorwärts zu kommen.

Unternehmen aus dem Wirtschaftsbereich Logistik müssen 2024 an drei Punkten arbeiten, um Mitarbeitende zu halten und zu gewinnen. (Bild: Adobestock, ProstoSvet)
Unternehmen aus dem Wirtschaftsbereich Logistik müssen 2024 an drei Punkten arbeiten, um Mitarbeitende zu halten und zu gewinnen. (Bild: Adobestock, ProstoSvet)
Johannes Reichel
(erschienen bei LOGISTIK HEUTE von Gunnar Knüpffer)

44 Prozent der Mitarbeiter aus Lager und Logistik haben im Jahr 2023 darüber nachgedacht zu kündigen. Das ergab die „State of the Frontline Workforce”-Trendstudie des Workforce-Management-Anbieters Quinyx. Eine Zahl, die gerade in Anbetracht des Arbeitskräftemangels zu denken gibt.

Hauptgründe sind dabei Stress (51 Prozent), eine fehlende Work-Life-Balance (31 Prozent) sowie das Empfinden, in der eigenen Karriere nicht voranzukommen (26 Prozent). Daraus ergeben sich drei Bereiche, an denen Unternehmen aus dem Wirtschaftsbereich Logistik 2024 arbeiten müssen, um Mitarbeitende zu halten und zu gewinnen:

1. Stressreduktion

Laut Studie sind die Hauptgründe für Stress bei der Arbeit die mangelnde Flexibilität in der Dienstplanung (54 Prozent) und zu viele Arbeitsstunden (39 Prozent). Mehr als die Hälfte der Befragten hat bereits eine Unterbesetzung wahrgenommen und musste kurzfristig einspringen oder mehr arbeiten.

„Fehlt Personal, ist es denkbar schwierig, das tägliche Aufgabenpensum auf einem managebaren Niveau zu halten. Mit digitalen Helfern wie zum Beispiel einem Tool für Aufgabenmanagement kann man dem zumindest entgegenwirken”, sagt Maximilian Thost, Country Manager DACH bei Quinyx. „Weiß man, wann eine Aufgabe ansteht und wie viel Zeit sie einnimmt, kann man das Personal genauer planen und Unterbesetzungen vermeiden. Digitale Tools bieten dabei nicht nur Möglichkeiten zur Auswertung, sondern können neuen Mitarbeitern als ständig abrufbares Handbuch zum Beispiel bei der Einarbeitung dienen.”

2. Flexibilität und Mitspracherecht

Ein Drittel der Beschäftigten in der Logistik hat laut Studie kein Mitspracherecht bei der Schichtwahl. Bei 44 Prozent hat das bereits dazu geführt, dass sie wichtige familiäre oder gesellschaftliche Ereignisse verpasst haben und keine Zeit für Erholung oder Fortbildung hatten.

„Dadurch entsteht Frustration – gerade, wenn man sieht, wie flexibel White Collar-Angestellte oft sind”, meint Thost. „Die Pandemie hat gezeigt, wie schnell fähige Mitarbeiter in andere Branchen abwandern und nicht mehr zurückkehren. Es ist also Zeit, auch in der Logistik mehr in Richtung New Work zu denken und Mitarbeitern mehr Mitspracherecht und Flexibilität einzuräumen.”

Über eine App für Workforce Management (WFM) lassen sich zum Beispiel Dienstwünsche direkt weitergeben, sie gehen nicht auf Zetteln oder bei Whatsapp verloren. Dienstpläne und Änderungen können in der App eingesehen und Schichten flexibel getauscht werden. Das befähigt Angestellte, die Dienstplanung den eigenen Bedürfnissen anzupassen, und kann die Zufriedenheit und Bindung an das Unternehmen fördern.

3. Förderung und Feedback

Eine erfreuliche Nachricht: Mitarbeitende aus der Logistik fühlen sich wertgeschätzt: 73 Prozent der Befragten denken, dass ihr Arbeitgeber ihre Leistung würdigt, 80 Prozent haben zudem die Möglichkeit zur beruflichen Weiterbildung. Dennoch sagen fast 90 Prozent, dass sie länger im Unternehmen bleiben würden, wenn ihr Arbeitgeber ihnen mehr Entwicklungschancen bieten würde.

„Hier stellt sich die Frage, ob Unternehmen die richtigen Möglichkeiten zur Weiterentwicklung bieten oder bestehende Möglichkeiten nicht gut genug kommunizieren”, schlussfolgert Thost. „Das A und O für 2024 ist daher, den Mitarbeitenden mehr Gehör zu schenken – in persönlichen Gesprächen oder per Umfragemöglichkeit – zum Beispiel über eine WFM-App oder andere digitale Tools. So lässt sich herausfinden, was die Beschäftigten wirklich brauchen.”