Fahrbericht LEVC VN5: Premium-Kasten mit kleinen Kosten

Bitisch-chinesischer Anbieter stellt dem Taxi einen Transporter zur Seite, der durch Nachhaltigkeit und günstige TCO punkten soll. Der Hauptantrieb erfolgt elektrisch, zur Not lädt ein Verbrenner nach. Die ersten Eindrücke unterstreichen die Ernsthaftigkeit und zeugen von Solidität.

Der LEVC VN5 soll künftig neben dem ikonischen "Black Cab" Stückzahlenbringer der Marke werden. | Foto: G. Soller
Der LEVC VN5 soll künftig neben dem ikonischen "Black Cab" Stückzahlenbringer der Marke werden. | Foto: G. Soller
Johannes Reichel
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Das berühmte Black Cab erhält einen Bruder: Der Van VN5 ergänzt ab März 2021 das Programm von LEVC. Wir durften jetzt schon mal eine ausgiebige Runde rund um Coventry drehen und wurden dabei gleich mehrfach überrascht. Kurz zu den Fakten: Mit 5,23x2,08 (mit Spiegeln)x1,99 Meter gehört der VN5 eher zu den Großkalibern: Er parkt mit 5,5 Kubikmetern Ladevolumen eher zwischen VW Caddy und VW T6, bietet 830 Kilogramm Nutzlast und zwei Paletten Platz. Eine davon kann man auch seitlich laden, denn hinter der Schiebetür, die mit 1,25x1,27 Meter fast quadratisch ausfällt, gibt diese eine 1,12 Meter breite Öffnung frei. Soweit, so gut. Der Laderaum ist sauber verarbeitet mit einer LED im Bereich der Schiebetür, nur das Kabel, das nach hinten führt, könnte man noch eine Idee sauberer unters Dach klemmen.

Wir schließen die Portale und starten und, erste Überraschung: Hören nichts! Leise schnurrt der Stromer dahin und schafft so laut LEVC mit dem kompakten 31-kWh-Akku (das sind rund 28 kWh netto) bis zu 98 Kilometer weit, mit Range-Extender werden daraus bis zu 489 Kilometer. Der besteht aus dem Volvo-1,5-Liter-Dreizylinder, der vor allem bei höheren Tempi sehr unauffällig beispringt. Und hier ist der Unterschied zu Plug-in-Hybriden, denn das surrende Hauptfahrgeräusch kommt immer von der E-Maschine im Heck. Offiziell leistet der Verbrenner 110 kW und 240 Nm, doch da immer der Elektromotor antreibt, steht in etwa diese Leistung ansatzlos und satt zur Verfügung, nächste Überraschung: Denn einen Tritt aufs Gas quittiert der Brite, den wir allerdings unbeladen fuhren, mit starkem Durchzug. Und da sind wir trotz fürsorglich voraussagendem Navi auch schon an der Abzweigung vorbeigeschossen.

Der Mini-Wendekreis macht den Riesen handlich

Macht nichts, denn der VN5 überrascht ein drittes Mal: Selbst auf schmalen britischen Innenstadtstraßen genügt eine abzweigende Straße, um deren extra Raum zu nutzen, um einen schnellen U-Turn hinzulegen. Der Wendekreisdurchmesser des VN 5 beträgt gerade einmal 10,1 Meter und das macht diesen Brocken extrem wendig! Dazu kommt eine knisterfreie und solide Verarbeitung – auch, weil die Briten viele Volvo-Teile übernehmen konnten. Und entsteht im zweckmäßigen Interieur eine Art „Premium-Hartplastiklandschaft“ – auch die Sitze kommen im Grundsatz von Volvo, was laut TX-Fahrern, die täglich etliche Kilometer herunterreißen, für ermüdungsfreies Fahren sorgt – notfalls auch die 1400 Kilometer von Monaco bis nach Coventry.

Die knisterfreie Lautlosigkeit überrascht umso mehr., als es sich hier um ein britisches Kleinserienprodukt handelt. Dabei verklebt man Alupaneele und beplankt diese mit einer soliden Kunststoffhaut und das Ganze so massiv, dass man diesen Leichtbaumix auch für Stahl halten könnte, Überraschung Nummer vier. Und davon ist LEVC so überzeugt, dass man großzügige 40.000 Kilometer-Serviceintervalle vorgibt.

Lange Garantien bis zu 240.000 Kilometer

Überraschung fünf: Die Garantie auf Auto und Akku gilt 240.000 Kilometer oder fünf (aufs Gesamtfahrzeug) respektive acht Jahre (auf den Akku). Damit wolle man die Haltedauer von derzeit drei bis vier Jahren beim Erstbesitzer im Idealfall mal verdoppeln. Insgesamt geht Marketing-Manager James Drake-Lee von rund 15 Jahren Gesamtlebensdauer aus. Hört siuch alles verdammt gut an, muss aber auch so sein, denn der LEVC hat einen Haken: Seine aufwendige Technik und die ordentliche Qualität kostet britische Kunden ab November 2020 mindestens 46.500 Pfund für das Basismodell, die Version City kostet 48.000 und der „Ultima“ gar 52.000 Euro. Dafür hat der einen 22-kW-Lader an Bord, wo die anderen nur 11 kW bieten. Womit wir zum Schluss bei den Ladezeiten sind: Die dauern für 100 Prozent eine gute halbe Stunde am 50-kW-DC-Schnelllader, mit 5,2 kW werden daraus 162 Minuten und mit 7,2 kW dann 360 Minuten. Wer schnell viele Umläufe schaffen will, fährt stattdessen zur Tanke und füllt Sprit nach – und lässt den Range-Extender brummen, der den Akku dann schonen kann. Hier kommt die gleiche Technik zum Einsatz als beim TX.

LOGISTRA-Kommentar:

Der VN5 ist ein durchdachter Van, der eher als teurer Premium-Sonderling angreift, dafür aber maximale Wendigkeit und lange Wartungsintervalle und Garantien für niedrige TCO in die Waagschale wirft. Ab März 2021 sollen ihn 16 Händler in ganz Deutschland verkaufen. Dafür arbeitet man auch mit Innenausstattern zusammen, um den VN5 branchenspezifisch professionell ausgebaut  im Ein- oder Zweirechnungsgeschäft anbieten zu können. 

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