Fahrerlose Transportsysteme: BHS lädt Fahrzeuge nun kontaktlos

Der Automatisierungsspezialist BHS Intralogistics setzt künftig auf kontaktlose Ladeprozesse für seine Fahrerlosen Transportfahrzeuge.

Mit BHS iMotion kann der Warenfluss ab Lkw autonom organisiert werden. | Bild: Wiferion
Mit BHS iMotion kann der Warenfluss ab Lkw autonom organisiert werden. | Bild: Wiferion
Tobias Schweikl

Die BHS Intralogistics GmbH entwickelt Lösungen für ein automatisches Be- und Entladen von Lkw sowie den autonomen Warentransport. Nun hat die Kooperation des Maschinen- und Anlagenbauers BHS Corrugated GmbH und des Automatisierungs- und Steuerungsspezialisten KS Control GmbH eine weitere Automatisierungsmöglichkeit in sein Portfolio aufgenommen.

Mit der kontaktlosen Lademöglichkeit „etaLINK 3000“ des Herstellers Wiferion GmbH werden die fahrerlosen Flurförderzeuge (FFZ) des Unternehmens künftig ohne Kabel aufgeladen. Batteriewechsel sollen damit selbst im Dauereinsatz entfallen, weil die Ladevorgänge in die Prozesse integriert werden. Auch großräumige Ladezonen würden damit überflüssig, heißt es.

Mit der Intralogistiklösung „BHS iMotion“ beispielsweise ermöglicht BHS einen autonomen Warenfluss ab Lkw. Das System besteht aus der zentralen Warenfluss- und Leitsteuerung „BHS iCMS“, dem autonom vernetzten Elektrostapler „BHS iLifter“ und dem kompakten „BHS iShuttle“ für den innerbetrieblichen Transport. Den maximalen Automatisierungsgrad erreicht das System durch das kontaktlose Laden der fahrerlosen Transportfahrzeuge.

BHS Intralogistics setzt bei seinen Transportsystemen überwiegend auf Lithium-Ionen-Batterien. Diese punkten gegenüber Blei-Säure-Batterien im Hinblick auf Leistung, Wartungsaufwand und Lebensdauer. Allerdings sind auch beim Einsatz von Lithium-Ionen-Batterien schnelle und komfortable Ladevorgänge nötig, um eine maximale Effizienz und Auslastung der logistischen Abläufe zu erhalten. Herkömmliche kabelgebundene oder kontaktbasierte Ladesysteme sind meist träge. Prozess- und Arbeitsabläufe müssen unterbrochen werden, damit die Fahrzeuge in entsprechend eingerichteten Ladezonen mit dem Ladevorgang beginnen können.

Aufladen auch bei kurzen Stopps

„Bei der Entwicklung unserer Transportlösungen setzten wir uns unter anderem zum Ziel, das Laden unserer autonomen Fahrzeuge ohne menschliches Zutun zu realisieren“, so CEO Thorsten Lehr. „Wiferion bot uns dafür die perfekte Lösung: kabellose Energiemanagementsysteme für elektrobetriebene Flurförderzeuge und fahrerlose Transportsysteme inklusive Lithium-Ionen-Batterien.“

Damit erfolgt das Aufladen völlig autonom während des Logistikprozesses. Das Wireless-Charging-System „etaLINK 3000“ von Wiferion kommt ohne Steck- und Schleifkontakte aus und ermöglicht jederzeit ein Zwischenladen der Fahrzeugbatterie. Die patentierte Ladetechnologie besteht aus einer stationären Sendeeinheit mit Wandbox und Ladepad sowie einer Empfangselektronik, die im Fahrzeug verbaut wird. Die Ladesysteme haben eine kontinuierliche Leistung von 3 kW bei einem maximalen Ladestrom von 60 A.

Zur Energieübertragung wird das Prinzip der magnetischen Induktion genutzt. Der Ladeprozess beginnt vollautomatisch, sobald das Fahrzeug an der Ladestation steht. Die Kommunikation mit den Fahrzeugkomponenten über eine integrierte CAN-Schnittstelle gewährleistet ein optimiertes Aufladen der lithiumbasierten Batterien. Eine Initialisierungszeit von weniger als einer Sekunde ermöglicht ein Aufladen selbst bei sehr kurzen Haltezeiten – das „In-Process-Charging“. Die von Wiferion verwendeten Lithium-Ionen-Batterien unterstützen dieses prozessintegrierte Laden dabei durch eine hohe Zyklusfestigkeit.

Das kontaktlose Schnellladesystem verfügt über eine Echtzeit-Datenerfassung und überwacht Betriebszustände sowie das Alterungsverhalten der Batterien. Eventuell auftretende Störungen seien somit frühzeitig erkennbar, verspricht Wiferion.

Das Ladesystem verfügt laut Hersteller über einen Wirkungsgrad über 92 Prozent. Durch den Wegfall mechanischer Kontakte sei es zudem weniger fehleranfällig, wartungsfrei und somit für den langjährigen Dauereinsatz geeignet. Zudem könne die induktive Lösung überall dort installiert werden, wo es am sinnvollsten ist. Eigene Ladezonen müssen nicht ausgewiesen werden.

Die Komponenten lassen sich durch ihre modulare Bauweise nach dem Plug-and-play-Prinzip in die Fahrzeuge integrieren. Möglich ist auch eine Nachrüstung von Fahrzeugen in Bestandsflotten. Dabei ist das Schnellladesystem für alle Batterietypen geeignet.

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