Fiat launcht E-Ducato und Partnerschaft mit DHL Express

Eine Partnerschaft mit DHL gibt dem E-Ducato Rückenwind für den Start in den Markt. Der Logistiker will bis 2030 seine Flotte zu 60 Prozent elektrifiziert haben. Der neue E-Van biete genug Nutzlast und Reichweite.

Unter Strom: Stellantis-Europa-LCV-Chef Eric Laforge (re.) verkündete zum Start des E-Ducato einen DHL-Auftrag, wo Alberto Nobis (li.) auf E-Vans setzt, wie er gegenüber Massimo Temporelli bekräftigte. | Foto: Stellantis
Unter Strom: Stellantis-Europa-LCV-Chef Eric Laforge (re.) verkündete zum Start des E-Ducato einen DHL-Auftrag, wo Alberto Nobis (li.) auf E-Vans setzt, wie er gegenüber Massimo Temporelli bekräftigte. | Foto: Stellantis
Johannes Reichel

Die Stellantis-Tochter Fiat Professional hat jetzt den Startschuss für den Vertrieb des neuen vollelektrischen Ducato gegeben und zugleich die Unterzeichnung einer Vereinbarung mit DHL Express bekanntgegeben. Bereits seit 2016 besteht außerdem eine strategische Partnerschaft. Tests in der Lieferpraxis des Logistikdienstleisters seien erfolgreich verlaufen, das Fahrzeug erfülle die hohen Anforderungen an Reichweite und Nutzlast, erklärte ein DHL-Vertreter und unterstütze das Unternehmen dabei, bis 2030 die Flotte zu 60 Prozent elektrifiziert zu haben. Das entspreche einer Stückzahl von etwa 14.000 Fahrzeugen. Bis 2050 peilt der Konzern Klimaneutralität an, dabei seien Elektrofahrzeuge ein integraler Bestandteil, so Alberto Nobis, CEO von DHL Express Europe:

"Wir glauben fest daran, dass die Zukunft der Last-Mile-Logistik elektrisch ist", erklärte er.

Dem voraus gingen fünf Jahre Datensammlung, 4.000 vernetzte Fahrzeugen luden ein Jahr lang Daten hoch und absolvierten 50 Millionen Kilometer unter allen Fahr-, Lade- und Wetterbedingungen und Arten von Zustellungen. Man könne heute nicht mehr mit großen Flotten ins Geschäft kommen, wenn man kein Angebot in Sachen E-Mobilität machen könne, konstatierte Domenico Gostoli, bei Fiat Professional für E-Antriebe verantwortlich.

Der Erdgas-Antrieb wird obsolet

Man sei der erste Hersteller mit einem alternativen Antrieb in Form von Erdgasfahrzeugen gewesen, reklamierte Eric Laforge, LCV-Europa-Leiter bei Stellantis. Mit diesem Spirit habe man auch den E-Ducato entwickelt, der aber mittelfristig den CNG-Antrieb erübrigen soll und sei damit jetzt bevorzugter Partner bei DHL Europe. Der elektrifizierte Transporter soll auch parallel zu den anderen E-Van-Modellen der Stellantis-Marken Peugeot, Citroen und Opel im 3,5-Tonner-Bereich laufen. Für eine Vereinheitlichung sei die Entwicklung zu weit vorangeschritten gewesen, erklärte Laforge.

Vorerst laufen die E-Vans von Fiat uns PSA mit anderer Technik

PSA und Opel setzen für ihre mit dem Fiat Ducato karosserieseitig baugleichen großen Transporter auf eine Elektrifizierungslösung in Kooperation mit dem britisch-türkischen Spezialisten Bedeo, der allerdings auch zahlreiche Retrofits auf Ducato-Basis umgesetzt hat. Der Kooperationsvertrag mit PSA wurde jedoch schon im Jahr 2019 abgeschlossen, weit bevor die Fusion von PSA mit Fiat ein Thema war. In weiterem Verlauf sollen die Technologien aber vereinheitlicht werden, auch beim Standard-Diesel übrigens, der für Euro 6 aber noch auf die unterschiedlichen Aggregate setzt. Auch das Thema Wasserstoffantrieb habe man im Stellantis-Konzern auf der Agenda, auch für Fiat, so Laforge weiter.

"Mit dem E-Ducato wollten wir nicht nur ein ,grünes' Fahrzeug schaffen, sondern eine komplette Mobilitätslösung mit Vielseitigkeit, Zuverlässigkeit, Effizienz und Nachhaltigkeit sowohl auf ökologischer als auch auf ökonomischer Ebene", wirbt Laforge weiter.

Variantenreich: Auf Augenhöhe mit dem Verbrenner

Das Fahrzeug kommt mit in einer Tonnage von 3,5 bis 4,2 Tonnen und bis zu zwei Tonnen Nutzlast in allen verfügbaren Varianten des Verbrenners, somit auch als Fahrgestell und Kastenwagen mit 10 bis zu 17 Kubikmeter Volumen, soll aber mit bis zu 40 Prozent niedrigeren Wartungskosten punkten. Zudem gibt der Hersteller auf die Batterie zehn Jahre Garantie über 220.000 Kilometer bei der 79-kWh-Batterie sowie acht Jahre und 160.000 km beim 47-kWh-Speicher. Die Energie soll im WLTP-Zyklus 170 bis zu 280 Kilometer und in der Stadt von 235 bis 370 Kilometer Reichweite ermöglichen. Für Vertrauen beim Fahrer soll auch ein sogenannter Turtle-Mode sorgen, der mit gedrosselter Leistung im Stile einer Batteriesparfunktion beim Handy das Fahrzeug bis zu zehn Prozent länger fahrbar halten soll. Ein Recovery-Mode nutzt bei Ausfall eines Akkumoduls die noch intakten Module, um das Fortkommen sicherzustellen.

Moderate und optionale DC-Leistung mit 50 kW

Geladen wird im AC-Modus mit 7 bis 22 kW Leistung, optional gibt es einen DC-Lader mit moderaten 50 kW, mit dem 100 Kilometer Reichweite in einer halben Stunde geladen sein sollen. Die Performance liege auf Diesel-Niveau, reklamiert der Leiter Produktmanagement bei Fiat Professional Luca Marengo. Der Spurt von 0 bis 50 km/h ist unter fünf Sekunden absolviert, die 280 Nm maximales Drehmoment des 90-kW-E-Motors stehen vom Start weg bereit.

Zudem verweist der Hersteller auf eine eigens entwickelte Flottentelematik inklusive Smartphone-App und will den Kunden bei der Installation der Ladeinfrastruktur behilflich sein. Auch die Energieversorgung stelle man über eine Partnerschaft mit dem Energiekonzern Engie sicher, verspricht der Anbieter.

Ab 55.000 Euro Listenpreis beim Kastenwagen

Die Preisliste des Fiat E-Ducato reicht vom Kastenwagen L2H1 (mittlerer Radstand, normale Dachhöhe) mit 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht und zehn Kubikmetern Ladevolumen für 55.400 Euro (netto) bis zum Kastenwagen L5H3 (extra langer Radstand, Super-Hochdach) mit 4,2 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht und 17 Kubikmetern Ladevolumen für 61.030 Euro (netto). Für spezialisierte Aufbauten bieten sich Fahrgestelle mit Kabine an, die mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen in vier verschiedenen Längen bei 54.800 Euro (netto) starten. Auch Fahrgestelle mit zulässigem Gesamtgewicht von 4,2 Tonnen sind erhältlich.

Zudem bietet man auch diverse Vermiet- und Leasinglösungen an, um den Einstieg in die Technologie zu erleichtern. So können Kunden im sogenannten „Free to E"-Programm ihren Kredit aufnehmen, mit dem sie ihren E-Ducato innerhalb von zwei Monaten nach dem Kauf und einer maximalen Kilometerleistung von 1.500 Kilometern zurückgeben dürfen. Allerdings mit der Verpflichtung, dann einen Ducato, Talento oder Doblò mit Verbrennungsmotor zu kaufen.

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