Fiat Professional: Vier Jahre Garantie - Erdgas statt Elektro

Marke setzt auf CNG sowie Euro 6 ohne SCR. Neuer Scudo, Fiorino Facelift und Pickup für 2016. Vier Jahre Garantie auch im KEP-Einsatz.
Wollen lieber Gas geben: Fiat-Chef Gostoli setzt bei den Alternativen auf Erdgas - etwa mit dem Ducato Natural Power, der bereits die Euro-6-Norm (über)erfüllt. | Foto: Fiat Professional
Wollen lieber Gas geben: Fiat-Chef Gostoli setzt bei den Alternativen auf Erdgas - etwa mit dem Ducato Natural Power, der bereits die Euro-6-Norm (über)erfüllt. | Foto: Fiat Professional
Johannes Reichel

Domenico Gostoli, neuer Chef der Transporter-Sparte im Fiat Chrysler Konzern setzt bei den Alternativen Antrieben eher auf Erdgas als auf Elektro. Das machte der Europa-Vorstand der Marke Fiat Professional bei einer Pressekonferenz in Frankfurt deutlich. „Wenn der Markt da ist, werden wir von Fiat Professional auch da sein“, erklärte Gostoli. Einstweilen setzt der neue Boss von Fiats LCV-Sparte lieber auf das Thema Erdgas bei den Alternativen Antrieben sowie auf Euro 6 ohne SCR beim konventionell angetriebenen Ducato (LOGISTRA berichtete). „Die Umwelt hat deutlich mehr davon, in hoher Zahl Euro-3-Fahrzeuge durch Euro-6-Autos zu ersetzen, als wenn in minimaler Stückzahl Elektro-Vans eingesetzt werden“, so Gostolis Credo. Der Ingenieur kam im Frühjahr zu Fiat Professional und war früher bei Iveco für Hybrid- und Elektroentwicklung verantwortlich.

Stattdessen wolle Fiat Professional den Kunden lieber den Erdgasantrieb anbieten, der etwa im Ducato bereits heute Euro 6 erfülle und für weitere Verschärfungen der Emissionsnorm vorbereitet sei. „Es gibt derzeit keinen nachhaltigeren Antrieb als Erdgas“, beschied Gostoli. Mit Einführung der Euro-6-Norm schrumpfe zudem der Preisabstand zum Diesel. Kaum 3000 Euro mache das aus, über die geringeren Spritkosten fahre man das binnen drei Jahren wieder herein, führte Gostoli an. Dabei müsse man bei Fiat in der Performance keine Abstriche zum Diesel hinnehmen. Grundsätzlich könnte sich Gostoli auch die Adaption der LNG-Technologie mit verflüssigtem Erdgas aus den Iveco Stralis Lkw vorstellen. [pagebreak]

Einen Technologie-Vorsprung sieht Gostoli für Fiat auch für das Thema Euro 6: Man schaffe die Euro-6-Norm bei den Nutzfahrzeugvarianten des Ducato nur mit EGR, skizzierte Domenico. Das spare 40 Kilo Gewicht, etwa 1000 Euro Mehrkosten, die durch den SCR-Kat entstünden und erspare dem Kunden lästiges Nachfüllen von Adblue. In den eigenen Labormessungen habe man keinen Mehrverbrauch zu den Kombiversionen feststellen können, die aufgrund eines anderen Fahrzyklus nicht ohne SCR-Kat auskommen.

Deutschland-LCV-Chef Kare Neergaard ergänzte, dass man zudem ab sofort und als erster Hersteller über alle Baureihen eine Vier-Jahres-Garantie anbieten werde, die sich auf 100.000 Kilometer erstrecke. Optional ließe sich auf 150.000 oder 200.000 km verlängern (250/500 Euro). Die Funktionsgarantie umfasst zahlreiche Baugruppen der Technik und gelte explizit auch für Fahrzeuge, die bei KEP-Diensten eingesetzt werden. Außerdem geht Fiat Professional mit neuen Leasingangeboten namens „Easy“ an den Start: Beim Ducato beträgt die Rate 199 Euro /mtl., beim Doblo Easy sind es 109 Euro/mtl. beim Fiorino 99 Euro/mtl. Der Doblo sei darüber hinaus als Sondermodell Easy für 9999 Euro erhältlich. [pagebreak]

Darüber hinaus hat der im Mai von Iveco gekommene Nutzfahrzeugfachmann für nächstes Jahr drei Neuheiten angekündigt, die allesamt in Kooperation mit anderen Herstellern entstehen. Hier ist die generelle Devise Gostolis: „Die Produkte mögen technisch identisch sein, den Unterschied macht das Vertrauen in die Marke und die Zusatzleistungen im After Sales Bereich“. Wichtigster Baustein wird der neue Scudo, den Fiat Professional nicht mehr auf Basis eines Peugeot-Citroen-Modells realisiert, sondern auf Basis des jüngst erneuerten Renault Trafic. Bei den Pickups adaptieren die Turiner den Mitsubishi L200 und passen ihn auf die Marke an. Weiter gemeinsam mit PSA entsteht dafür der Kleinsttransporter Fiorino, der 2016 ein Facelift und Motoren mit Euro-6-Norm erhält. Auch die Verlängerung der Kooperation mit PSA beim Ducato/Boxer/Jumper, die 2017 ausläuft, steht für Gostoli nicht in Frage.

Defizite in der eigenen Organisation sieht Gostoli vor allem beim Thema Service sowie Assistence. Hier will man die Marke deutlich stärker professionalisieren. Generell sieht Gostoli den Fiat-Konzern nach der schweren Krise vor gut zehn Jahren auf einem guten Weg. Nach der Markteinführung des Ducato in den USA verkaufe sich der dort „Pro-Master“ genannte Transporter erstaunlich gut mit etwa 23.000 Exemplaren in 2014. Für den LCV-Markt sehe er große Herausforderungen durch eine sich rasant verändernde Logistik. Der Boom der Paketdienstleistungen und zuletzt auch der Trend zur Heimbelieferung mit Lebensmitteln mache ganz andere Fahrzeuge erforderlich. „Die Vorzeichen der Logistik verändern sich“, analysierte der Fiat-Professional-Chef.

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