Ford Liive: Smarter Uptime-Service soll Standzeiten verkürzen

Hersteller führt digitalisiertes Wartungssystem ein, das Werkstatt-Aufenthalte mittels optimierter Einsteuerung von Service- und Reparaturarbeiten deutlich verkürzen soll. Schrittweise Einführung in Europa und für alle vernetzten Nutzfahrzeugbetreiber kostenlos.

Schneller durch: Die Standzeiten in der Werkstatt sollen durch vorausschauende Wartung und Teilebestellung deutlich verkürzt werden. | Foto: Ford
Schneller durch: Die Standzeiten in der Werkstatt sollen durch vorausschauende Wartung und Teilebestellung deutlich verkürzt werden. | Foto: Ford
Johannes Reichel

Der Transporterhersteller Ford Europe hat einen neuen Uptime-Service vorgestellt, mit dem sich die Standzeiten in den Werkstätten stark verkürzen lassen sollen. Bei dem Dienst namens Ford Liive setzt man vor allem auch auf digitale Instrumente zur effizienteren Steuerung der Wartungs- und Reparaturarbeiten. Der kostenlos verfügbare Dienst läuft auf allen Modellen, die mit einem FordPass Connect-Modem ausgestattet sind. Aktuell seien rund 500.000 Ford-Nutzfahrzeuge mit dem Modem auf Europas Straßen unterwegs, bis Mitte 2022 sollen es eine Million sein. Das System vernetzt Gewerbetreibende und Flottenkunden mit dem Ford Transit Center-Händlernetzwerk sowie dem Automobilhersteller selbst und verwendet Echtzeit-Fahrzeugdaten. Nach eigenen Prognosen sollen sich die Ausfallzeiten der Fahrzeuge um bis zu 60 Prozent pro Jahr reduzieren lassen.

"Der Geschäftsbetrieb unserer gewerblichen Kunden gerät ins Stocken, wenn ihre Fahrzeuge in die Werkstatt müssen. In seiner Gesamtheit stellt das System einen Schritt in Richtung einer unterbrechungsfreien Betriebszeit dar“, wirbt Hans Schep, General Manager, Commercial Vehicles, Ford of Europe.

Der Dienst soll nun schrittweise in diesen europäischen Märkten eingeführt werden und besteht aus drei Bausteinen:

  • Smart Maintenance (die Kunden und ihre vernetzten Fahrzeuge),
  • Ford Service Pro (die Händler = die Ford Transit Center)
  • FORDLiive-Zentren.

Smart Maintenance soll dabei fahrzeugspezifische Wartungsinformationen für den Kunden liefern und eine proaktive Planung von Wartungsarbeiten zum effizientesten Zeitpunkt inklusive der rechtzeitigen Benachrichtigung des Kunden ermöglichen. Kleine Unternehmen mit bis zu fünf Nutzfahrzeugen erhalten diese Benachrichtigungen über die App, während Manager größerer Flotten durch eine spezielle Version von Ford Telematics informiert werden, die später im Jahr verfügbar sein soll. Die Daten zum Fahrzeugzustand werden automatisch über das Modem des Fahrzeugs übermittelt, das seit Mitte 2019 zur Serienausstattung der Nutzfahrzeugbaureihen Tourneo/Transit Connect, Tourneo/Transit Custom, Transit und Ranger gehört. Auch die künftigen Nutzer des für Anfang 2022 avisierten batterieelektrischen  E-Transit sollen von den Vorteilen profitieren.

Ein Drittel der Ausfallzeit ließe sich vermeiden

Zudem soll sich die verbleibende Lebensdauer verschiedener Fahrzeug-Verschleißteile überwachen lassen. Der Baustein bietet zudem eine einfache Erklärung aller im Fahrzeug aktivierten Warnleuchten oder Meldungen sowie die Darstellung der potenziellen Auswirkungen auf den Fahrzeugbetrieb und Anleitungen für eine angemessene Wartung. Auch über etwaige Service-Aktionen werden Kunden informiert. Ford schätzt, gestützt auf Daten und Erkenntnisse europäischer Pannendienste, dass bis zu 30 Prozent der Ausfallzeiten bereits dadurch vermieden werden könnten, dass Kunden künftig auf diese Smart-Maintenance-Mitteilungen reagieren können.

Proaktive Teilebestellung

Der Ford Service Pro bündelt dann eine Reihe von Dienstleistungen für die Händler. Jedes der 800 Ford Transit Center in Europa kann, nachdem es von einem Kunden kontaktiert wurde, über ein Tool namens Smart Diagnostics die Fahrzeugdaten der letzten 60 Tage abrufen. Dies ermögliche dem Werkstattbetrieb eine rasche Fahrzeug-Diagnose und eine proaktive Ersatzteilbestellung, noch bevor das Fahrzeug in der Werkstatt eintrifft. Auch die Beratungseffizienz soll damit steigen, Aufgaben gebündelt werden, von Terminvereinbarung über reguläre Wartungen bis hin zu notwendigen Reparaturen. Verfügbare Ersatzfahrzeuge will man dadurch einfacher beschaffen können,. Im Bedarfsfall können auch Ingenieure hinzugezogen werden, die unter Verwendung von Virtual-Reality-Headsets mit den Ford Transit Center-Experten kommunizieren.

Spezialisten unterstützen die Werkstätten digital

Das Liive-Konzept schließlich setzt neben der Vernetzung der Fahrzeuge mit den Werkstätten auch auf eine Unterstützung der Ford Transit Center durch konkrete Ansprechpartner. Zu diesem Zweck entstehen noch in diesem Jahr drei Liive-Zentren: in Köln, in Dunton (Großbritannien) und in Valencia (Spanien). Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz werden von Köln aus bedient. Gemeinsam werden diese drei Zentren circa 80 Prozent der Ford-Nutzfahrzeugkunden in Europa abdecken. In diesen Zentren werden erfahrene "Agents" die Transit Center unterstützen, indem sie eventuell auftretende Fahrzeugprobleme schnell identifizieren und darauf reagieren. Die Teams verwenden dazu die neue UptimePro-Software, die Livedaten von Center-Niederlassungen empfängt, um jede Reparatur zu verfolgen.

Die neuen europäischen Zentren sollen über Hotlines mit Ford-Ingenieuren verbunden sein, um bedarfsweise schnelle Hilfe bei der Fehlerdiagnose zu erhalten. Sobald Verzögerungen bei Reparaturen oder wiederholte Werkstattbesuche desselben Fahrzeugs erkannt werden. Die Agents seien damit eine Art „Frühwarnsystem“ des Automobilherstellers, um sicherzustellen, dass die Expertenteams von Ford den Händler im Bedarfsfall sofort unterstützen können.

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