Ford und VW konkretisieren Kooperation bei Nutzfahrzeugen

Der US-Konzern und die Wolfsburger treiben die Arbeitsteilung weiter voran. Auf Basis des Caddy entsteht auch der nächste Ford-City-Van, der MEB dient für einen E-Van dazwischen. E-Transit unabhängig.

Den Hut auf: Ford entwickelt neben dem nächsten VW Pick-up auch den T6.1-Nachfolger. VW liefert die Caddy-Basis und den MEB. Bei den 3,5-Tonnern herrscht noch Unklarheit, beim E-Transit macht Ford sein eigenes Ding. | Foto: VW
Den Hut auf: Ford entwickelt neben dem nächsten VW Pick-up auch den T6.1-Nachfolger. VW liefert die Caddy-Basis und den MEB. Bei den 3,5-Tonnern herrscht noch Unklarheit, beim E-Transit macht Ford sein eigenes Ding. | Foto: VW
Johannes Reichel

Die Ford Motor Company und die Volkswagen AG haben mit weiteren Verträgen die Konkretisierung ihrer Kooperation vorangetrieben. Mit den vereinbarten Projekten wolle man die jeweiligen Stärken der Unternehmen bei mittelgroßen Pickups sowie Nutz- und Elektrofahrzeugen nutzen. Die Pläne für die Kooperation wurden im vergangenen Jahr von Ford und Volkswagen verkündet. Durch die Allianz wollen beide Unternehmen ihren Kunden unter anderem schneller neue Technologien und eine breitere Modellauswahl bieten, heißt es. Ausgehend von einem anhaltenden Wachstum der weltweiten Nachfrage nach Nutzfahrzeugen und nach leistungsstarken Elektrofahrzeugen erwarten beide Partner große Skaleneffekte für die jeweiligen Portfolios.

Konkret sind in der Allianz folgende Projekte geplant:

  • Die Realisierung eines von Ford konstruierten und gebauten mittelgroßen Pickups, der ab 2022 von Volkswagen Nutzfahrzeuge als Amarok in das eigene Modellangebot aufgenommen und im Ford-Werk Silverton in Südafrika produziert wird. Er soll trotz technischer Identität je individuellen Charakter haben durch eigenständiges Design und Bedieninterfaces. Laut VW hätte es ohne Ford keinen Amarok-Nachfolger gegeben.
  • Bereits 2021 kommt als erstes Kooperationsprodukt ein Stadtlieferwagen als Nachfolger des Transit/Tourneo Connect auf Basis des neuesten Caddy-Modells, das Volkswagen Nutzfahrzeuge entwickeln und im Caddy-Werk Poznan fertigen wird.
  • Ford wird als weiteres Projekt einen gemeinsamen Transporter im Ein-Tonnen-Ladesegment entwickeln, der den T6.1 Transporter ablöst und durch die Skaleneffekte der beiden Hersteller eine gute Kosten-Nutzen-Relation bieten soll. Die Nachfolger von der Pkw-Großraum-Vans Multivan und Caravelle mit der Bezeichnung T7 entstehen aber in Eigenregie bei VW Nutzfahrzeuge, wie VWN-Chef Thomas Sedran betont.
  • Ausbau der E-Mobilitätsstrategie beider Unternehmen: Ford bietet ab 2023 ein eigenes Elektrofahrzeug für den europäischen Markt auf Basis des Modularen E-Antriebskasten (MEB) von Volkswagen an. Das dürfte vom Format am ID.Buzz angelehnt sein, sprich zwischen City-Van und Transporter rangieren.

 

Die Nutzung der MEB-Plattform von Volkswagen durch Ford in Europa ist zudem ein wichtiger Eckpfeiler in der Elektromobilitätsstrategie von Volkswagen. In den drei Nutzfahrzeug-Projekten der Allianz sollen insgesamt rund 8 Millionen Fahrzeuge entwickelt und produziert werden.

Ab 2023 rechnet Ford innerhalb von mehreren Jahren mit der Auslieferung von mehr als 600.000 Elektrofahrzeugen auf Basis der MEB-Plattform. Das geplante Modell soll ein großzügiges Platzangebot mit den Vorzügen des Elektroantriebs kombinieren. Entworfen und konstruiert wird das Fahrzeug von Ford in Köln-Merkenich. Ford erweitert damit sein Angebot an E-Fahrzeugen neben dem vollelektrischen Mustang Mach-E, der 2021 vorgestellt wird.

Autonome Shuttles und Transporter: VW schließt Invest in Argo AI ab

Darüber hinaus können beide Hersteller künftig das Self-Driving System (SDS) von Argo AI unabhängig voneinander für eigene hochleistungsfähige, selbstfahrende Fahrzeuge nutzen. Eine erste Pilotflotte soll ab 2022 unter Realbedingungen in den Einsatz gehen, zugleich der erste Level-4-Einsatz für den vollelektrischen ID.Buzz. In der vergangenen Woche schloss Volkswagen seine angekündigte Investition in Argo AI ab. An dem in Pittsburgh ansässigen Unternehmen hält Ford bereits Eigentums- und Entwicklungsanteile.

„Angesichts der Covid-19-Pandemie und ihrer Auswirkungen auf die Weltwirtschaft ist es mehr denn je von entscheidender Bedeutung, belastbare Allianzen zwischen starken Unternehmen zu bilden", erklärte Volkswagen Chef Herbert Diess.

Diese Zusammenarbeit werde die Entwicklungskosten effizient senken, eine stärkere weltweite Verbreitung von Elektro- und Nutzfahrzeugen ermöglichen und die Position beider Unternehmen entscheidend stärken, glaubt der VW-Konzern-Chef. Sein Counterpart bei Ford, CEO Jim Hackett verweist darauf, dass Unternehmen derzeit sorgfältig entscheiden müssen, wie sie ihr Geld investieren.

„Diese Allianz kommt in einer Zeit großer Begeisterung für die Verzahnung von immer intelligenteren vernetzten Fahrzeugen in einer immer smarteren Welt. Hier entstehen enorme Chancen zur innovativen Lösung globaler Mobilitätsfragen“, hofft Hacket.

Thomas Sedran, Vorstandsvorsitzender von Volkswagen Nutzfahrzeuge sieht durch die langfristige Zusammenarbeit mit Ford eine weitere Stärkung der nach seiner Ansicht sehr guten Position im Bereich der leichten Nutzfahrzeuge, insbesondere in unseren europäischen Kernmärkten. Er ordnet sie zudem als wichtigen Baustein in der Umsetzung der Strategie GRIP 2025+ zur Transformation der Marke ein. 

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