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Ford Vans: Pioniere bei Elektrifizierung

Den Anfang machen Mild-Hybride, neben dem Transit jetzt auch in Tourneo und Transit Custom sowie ein Plug-In-Hybrid des Custom/Tourneo. 2021 soll ein vollelektrischer Transit folgen.

 

Dreifach unter Strom: Der Transit Custom geht als PHEV in Serie, der Transit mit 48-Volt-Hybrid. Und 2021 folgt ein vollelektrischer Transit, noch verhüllt, aber schon fahrbar. | Foto: J. Reichel
Dreifach unter Strom: Der Transit Custom geht als PHEV in Serie, der Transit mit 48-Volt-Hybrid. Und 2021 folgt ein vollelektrischer Transit, noch verhüllt, aber schon fahrbar. | Foto: J. Reichel
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Johannes Reichel

Der Automobilhersteller Ford forciert seine Elektrifizierungspläne und hat jetzt in Amsterdam die nächsten Schritte seines elektrifizierten Portfolios präsentiert. Eine zentrale Rolle dabei spielen die leichten Nutzfahrzeuge und Vans. Hier soll der bereits angekündigte und im Piloteinsatz befindliche Kompakttransporter Transit Custom auch als achtsitziger Kleinbus Tourneo Custom mit Plug-In-Hybrid-Antrieb kommen, der den 1,0-Liter-Ecoboost-Benzinmotor als Range-Extender nutzt. Die Vorderräder werden ausschließlich vom elektrischen Motor angetrieben, der seine Energie aus einer 13,6 kWh großen, laderaumneutral platzierten und flüssigkeitsgekühlten Lithium-Ionen-Batterie erhält und bis zu 50 Kilometer rein elektrisch fahren können soll.

Der EcoBoost-Turbobenziner dient ausschließlich als sogenannter Range Extender, der Strom für die Batterie produziert. Mit ihm verlängert sich der Aktionsradius des Hybrid-Transporters auf rund 500 Kilometer. Die Ladezeit des Fahrzeugs gibt der Hersteller mit drei bis fünfeinhalb Stunden an, ersteres bei 16 oder 32 Ampere, letzteres an der konventionellen Haushaltsteckdose.

Per Verbrenner aus dem Depot: Vier Fahrprogramme

Auch der Rekuperationsgrad der Elektromaschine lässt sich regulieren. Das Fahrzeug verfügt zudem über vier unterschiedliche EV-Fahrprogramme: Ein Auto-Modus, der je nach Fahrsituation variiert, also etwa bei Stadt- oder Autobahnfahrt. Die EV-Now-Funktion priorisiert dann den elektrischen Betrieb bis zur Entladung des Akkus. "EV-Later" bevorzugt den Range-Extender-Betrieb und hält per Rekuperation den Akku-Ladestand hoch, EV-Charge aktiviert den Benzinmotor zum Laden der Batterie. Der Hersteller berichtete aus den Pilottests mit den Fahrzeugen in London, diese seien unter dem Strich zu 55 Prozent im rein elektrischen Modus unterwegs gewesen. In den Tests habe sich auch gezeigt, dass eine stärkere Elektromaschine von für die Serienversion jetzt 90 kW Leistung nötig ist. Im Hinblick auf den Reifenverschleiß ist das System aber auf ökonomisches Anfahren ausgelegt.

Mild-Hybride sparen in der Stadt bis acht Prozent

Schon ab der zweiten Jahreshälfte 2019 soll es den Transit Custom sowie Tourneo Custom auch mit 48-Volt-Mild-Hybrid geben, der den 2,0-Liter-EcoBlue-Diesel-Motor unterstützt. Gegenüber Pendants mit konventionellem 2,0-Liter-Diesel soll der Verbrauch nach WLTP-Norm um drei Prozent sinken, im Stadtverkehr mit viel Stop&Go-Betrieb verspricht der Hersteller sogar acht Prozent Ersparnis.  Dabei ersetzt ein riemengetriebener Starter-Generator BISG (Belt-driven Integrated Starter/Generator, BISG) die konventionelle Lichtmaschine, rekuperiert kinetische Energie – die andernfalls als Reibung an den Bremsen ungenutzt verloren ginge. Die Energie fließt stattdessen in eine luftgekühlte 48 Volt-Lithium-Ionen-Batterie. Der BISG ist in den Nebenaggregate-Strang integriert und unterstützt bei geringeren Drehzahlen den Verbrenner als Elektromotor mit zusätzlichem Drehmoment.

Vollelektrischer Transit kommt 2021 - zusätzlicher zu StreetScooter

Weitere Neuheit ist nach dem bereits in den Verkauf gestarteten Transit mit 48-Volt-Mildhybrid eine vollelektrische Variante des Transit, die in Amsterdam als fahrfertiger Prototyp auf die Bühne surrte und die 2021 auf den Markt kommt. Sie soll das derzeit mit StreetScooter in Kooperation im Ford-Werk Köln gefertigte Elektroplattformfahrgestellt für Ford allerdings nicht obsolet machen, sondern ergänzen um volumenträchtigere Varianten wie Kastenwagen und Kombi. Man sieht die beiden Fahrzeuge also "komplementär", nicht "substitutiv". Die unterflur verlegten, flach bauenden Lithium-Ionen-Akkus sollen Laderaumneutralität zum Standard-Modell des Transit sicherstellen, eine CCS-Ladeoption das Zwischenladen ermöglichen.

Elektro-Studie Transit Shuttle: Mit Wärme und Kälte klug haushalten

Darauf basiert allerdings noch eine Studie namens Prototyp „Ford Transit Smart Energy Concept“ – ein batterie-elektrischer Mini-Bus mit zehn Sitzplätzen, der von den Ingenieuren des Technical Centers von Ford in Köln-Merkenich entwickelt wurde. Der Hersteller will damit neue Lösungsansätze zur Optimierung der Energie-Effizienz und zur Reichweiten-Maximierung elektrifizierter Fahrzeuge erproben, wie es heißt. Das Fahrzeug kann nach vierstündiger Ladezeit 150 Kilometer Strecke zurücklegen und baut auf dem gleichen batterie-elektrischen Antriebsstrang auf, der auch im StreetScooter WORK XL zum Einsatz kommt. Ergänzt wurden energiesparende und rekuperierende Maßnahmen umgesetzt.

Dazu zählt ein Wärmepumpensystem, das insbesondere die Abwärme des Antriebstrangs und der Kabinenluft nutzt, um den Energiebedarf der bordeigenen Heizung um bis zu 65 Prozent zu senken und die Reichweite laut Hersteller um 20 Prozent zu steigern. Die elektrische Schiebetür mit Fernbedienung gleitet im Normalfall nur zur Hälfte auf, was Wärmeverluste im Innenraum zu reduzieren soll. Bei Öffnung werden Heizung, Ventilation und das Gebläse der Klimaanlage automatisch deaktiviert. Beheizte und speziell gepolsterte Sitze sollen den Energiebedarf für das Beheizen des gesamten Innenraums senken.

Mehr Licht: Wohlbefinden per Beleuchtung

Darüber hinaus laden sechs Solarzellen auf dem Fahrzeugdach eine 12-Volt-Batterie, die das Kabinenlicht, die Sitzheizungen und andere elektrische Onboard-Systeme wie das kabellose Ladefeld für Smartphones mit Strom versorgt. Eine Polycarbonat-Trennwand zwischen dem Einstiegs- und Sitzbereich soll Wärmeverluste beim Ein- und Aussteigen mildern, eine belüftete Doppelverglasung soll die Isolierung verbessern. Mit einer Ambiente-Beleuchtung - blau für Klima-, rot für Heizbetrieb - will der Hersteller im Unterbewusstsein das Temperatur-Empfinden der Passagiere positiv beeinflussen. Schließlich wurde an dem Experimentalfahrzeug auch die Isolierung des Boden- und Dachbereichs im Fahrzeugheck optimiert.

Ein Modem ermöglicht Anbindung und Apps

Auch die Konnektivität treibt Ford speziell bei den Nutzfahrzeugen voran: Durch das serienmäßig verbaute On-Board-Modem wird jetzt auch ein neuer Werkstattservice möglich, der dank Echtzeitdatennutzung individuelle Wartungsintervalle darstellen soll. Fuhrparkmanager können hier per App Statusberichte abrufen und so Termine und Reparaturen bündeln. Noch in diesem Jahr soll zudem eine Cloud-Anwendung für größere Flotten kommen, die in einer Desktop-Anwendung "Echtzeitinformationen in Herstellerqualität" liefert, wie der Hersteller verspricht. Für kleinere und mittlere Betriebe empfiehlt der Hersteller dagegen seine Ford Pass App, die bald auch als angereicherte Pro-Version kommt und die wichtigsten Fuhrparkdaten auf dem Smartphone zur Verfügung stellt.   

Beim Service will man zudem die Zahl an Transit-Centern von derzeit 950 in Europa weiter erhöhen und vor allem die Zahl der zertifizierten Umbaupartner im sogenannten QVM-Programm. Im Hinblick auf die Allianz mit Volkswagen, die zuerst im Nutzfahrzeugbereich startet, unterstrich der Hersteller nochmal die Verantwortlichkeit für den nächsten schweren Pickup sowie größere Transporter, wohingegen Volkswagen sich um die City-Vans kümmern soll.

LOGISTRA-Kommentar

Bei den Nutzfahrzeugen ist mehr Zug zum Strom. Kein Wunder, hier ergibt sich auch schneller ein Business Case und die Not etwa der Lieferlogistiker, nachhaltige und stadtverträgliche Fahrzeuglösungen zu erschließen, ist groß. Man sei, wie Hans Schep darstellt: Productivity Provider, wozu er auch diverse Telematik- und Konnektivitätslösungen zählt, die den Logistikalltag erleichtern sollen. Neben den elektrisch angetriebenen Transit und Tourneo Custom, bei denen der Verbrenner nur noch eine Nebenrolle spielt, ragt vor allem der in kürzester Zeit in unkonventioneller Kooperation auf die Räder gestellte StreetScooter Work XL heraus, der sich so harmonisch fährt, als wäre er von Ford. Bis Ende des Jahres sollen 2.000 Stück davon gebaut sein, bald werden erste Fahrzeuge an Drittanbieter ausgeliefert. Der Ford-StreetScooter dürfte mit Abstand das meistproduzierte E-Nutzfahrzeug in seiner Klasse sein.

Ihm zur Seite stellt man 2021 noch einen Transit Electric, der als Kastenwagen und Kombi noch weitere Kreise erschließen soll als das doch sehr spezielle Geschäft der Plattformfahrgestelle. Daneben rollen bald die 48-Volt-Versionen des Transit, hier gekoppelt an einen Diesel, sowie die Mild-Hybriden der City-Vans Courier und Connect an, bei denen man wiederum auf die Kombination mit einem kleinen Turbobenziner setzt aufgrund der geringeren Gewichte. Mit dem Transit Electric Smart Energy Concept zeigt man, mit welchen Kniffen ein großer, vollelektrischer Shuttlebus energiesparend und dennoch mit allem Reisekomfort unterwegs sein kann. Man muss es Ford lassen: Das ist schon ziemlich clever aufgefächert. Wie hieß einst ein Firmenslogan: Ford, die tun was. Hat ein bisschen gedauert, aber jetzt marschieren vor allem die "Nutzis" voran.  

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