Forschungsprojekt IMOCO: Die Vision vom intelligenten Transportfahrzeug

Autonom fahrende Transportfahrzeuge in Produktionshallen und Lagerhäusern, die ihre Umgebung auch „verstehen“, sollen durch das europäische Forschungsprojekt IMOCO Realität werden. Das Projektende ist für das vierte Quartal 2024 anvisiert.

Die Vision von autonom fahrenden Transportfahrzeugen in Produktionshallen und Lagerhäusern soll durch das europäische Forschungsprojekt IMOCO in greifbare Nähe rücken. | Bild: Still
Die Vision von autonom fahrenden Transportfahrzeugen in Produktionshallen und Lagerhäusern soll durch das europäische Forschungsprojekt IMOCO in greifbare Nähe rücken. | Bild: Still
Tobias Schweikl

In nicht allzu ferner Zukunft sollen Transportfahrzeuge vollständig autonom durch Lager und Produktion navigieren und dabei ihre Umgebung analysieren und auch „verstehen“ lernen. Das europäische Forschungsprojekts IMOCO (Intelligent Motion Control) hat zur Erreichung dieses Ziels vier Szenarien definiert, die von digitalen Zwillingen und KI-Prinzipien (Maschinelles Lernen / Tiefenlernen) geprägt sind: das intelligente Navigieren, das Aufnehmen der Ware, der Transport und die Platzierung am Ziel. Auf deutscher Seite wird das Projekt vom Hamburger Intralogistikspezialisten Still, einer Tochter der Kion Group, geleitet.

„Derartige Abläufe stellen sehr hohe Anforderungen an die Prozesse und auch an das Fahrzeug. Wir haben daher mit unserem ‚OPX iGo neo‘ einen Kommissionierer in das Projekt geschickt, der aufgrund seiner intelligenten Ausstattung und den daraus resultierenden Fähigkeiten bereits sehr nah an die Vorstellung dieses autonom fahrenden Fahrzeugs heranreicht“, beschreibt Ansgar Bergmann, bei Still verantwortlich für das IMOCO-Projekt.

Aktuelle fahrerlose Transportsysteme stoßen noch an ihre Grenzen, wenn sie sich tatsächlich vollautonom im Lager oder in der Produktion bewegen sollen. Zwar erkennen sie Hindernisse und bremsen entsprechend selbstständig ab – Hindernisse umfahren, intelligent nach den effizientesten Fahrtrouten suchen und dabei die Umgebung analysieren, das können sie jedoch noch nicht. Dazu benötigen sie eine hochsensible Sensorik in Form von Laserscanner, Kameras oder Radar, um damit räumliche Objekte wie Regale oder auch Schilder, Markierungen und Anzeigen zu detektieren.

Zudem müssen sie ihre Umgebung „verstehen“, Veränderungen registrieren und in der Lage sein, damit umgehen zu können. Nur so werden diese Fahrzeuge künftig selbstständig zum Zielpunkt navigieren, Lasten erkennen und handhaben, Hindernissen ausweichen oder geeignete Abstellplätze für die transportierte Ware finden.

IMOCO hat sich zum Ziel gesetzt, die Voraussetzungen für diesen herausfordernden Einsatz mobiler robotischer Systeme in dynamischen Intralogistikumgebungen zu schaffen. Autonom durchgeführte und situationsbedingte Planungsänderungen einer Fahrroute inklusive der Berücksichtigung beweglicher Objekte wie Menschen oder Fahrzeuge sollen dann im gesamten Lager möglich sein.

Ansgar Bergmann dazu: „Das Forschungsvorhaben will den herkömmlichen Dreiklang aus Erkennen, Analysieren und Handeln mittels künstlicher Intelligenz weiterentwickeln – zu Wahrnehmen, Verstehen und Lösen.“

In der Still-Zentrale in Hamburg wird ein Demonstrator aufgebaut, an dem alle Arbeitserfolge der Projektpartner zusammengeführt werden. Neben Still als Vertreter der Kion Group nehmen auf deutscher Seite auch das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML, Hahn Schickard, die IMST GmbH, Nuromedia und Digital Twin Technology an dem Projekt teil. Gefördert wird IMOCO von der Europäischen Union durch den Forschungsträger „Electronic Components and Systems for European Leadership“ (ECSEL) sowie durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

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