Forum Automobillogistik fordert mehr Kooperation und Vernetzung

Der Zusammenschluss moniert, dass in veralteten Wertschöpfungsketten zu isoliert gearbeitet werde. Für reibungslose Supply Chains mahnt das Forum nun mehr Zusammenarbeit und vernetzte Datenflüsse an.

Tschüss Silo, hallo Offenheit: Das Forum Automobillogistik will mehr Verschmelzung in Produktion und Logistik | Foto: obs/BVL Bundesvereinigung Logistik e.V./Kai Bublitz
Tschüss Silo, hallo Offenheit: Das Forum Automobillogistik will mehr Verschmelzung in Produktion und Logistik | Foto: obs/BVL Bundesvereinigung Logistik e.V./Kai Bublitz
Johannes Reichel
(erschienen bei Transport von Dr. Karsten Düsdieker)

Bei seiner Tagung in Leipzig hat das Forum Automobillogistik 2020 mehr Kooperation angemahnt. Bei der Debatte wurde konstatiert, dass veraltete Wertschöpfungsketten, in denen jeder seine Prozesse für sich selber optimiert, der Vergangenheit angehören sollten. Nur der Blick über eigene Tellerränder könne das Potenzial einer reibungslosen Supply Chain vollständig heben — speziell im Fahrzeugbau, so der Tenor Beteiligten. Grenzen, so Michael Müller, CEO der gleichnamigen Lila Logistik AG, seien zuallererst in den Köpfen einzureißen:

„Querdenken in Bezug auf Geschäftsmodelle und auf Kooperationsweisen ist gefordert. Wir müssen immer wieder in Alternativen denken und nicht nur das optimieren, was wir momentan haben.“

Datenstandards statt -silos

Grundvoraussetzung für reibungslose Lieferketten sind internationale Datenstandards und konstruktiver Datenaustausch über die gesamte Supply Chain, betont Andreas Schick. Als Vorstand für Produktion, Supply Chain-Management und Einkauf beim Automobilzulieferer Schaeffler betont er die Bedeutung silobefreiter Datenflüsse:

„Wir erheben immens viele Daten, die auch unseren Kunden helfen würden, wenn man sie teilt.“

Die Realität hingegen besteht weiterhin aus gewerk- oder firmeneigenen Datenökosystemen, die sich voneinander abschotten. Schnittstellen und produktiver Austausch sind hier nur schwer oder gar nicht machbar.

Allerdings, so Schick weiter, erfordere produktives Datenpooling unbedingte Datensicherheit, um klar zu definieren, wem welche Daten gehören und wie diese zu handhaben seien. Erst dann ergäben sich Lösungen, die allen guttun.

Die Mauer muss weg

Prof. Katja Windt, Mitglied der Geschäftsführung beim Anlagenlieferanten SMS Group und im Vorstand der BVL, will gemeinsames Datenpooling per „lernender“ Wertschöpfungskette erreichen. Entlang der gesamten Lieferkette stellt ein Qualitätstracking demnach sicher, dass sich aus Daten gewerkunabhängig neue Erkenntnisse herauslesen und zu Prozesswissen verdichten lassen.

Um aber Reibungsverluste und isoliertes Betrachten der Einzelgewerke zu überwinden, so Windt, müssen alle Beteiligten schon früh miteinander reden:

„Gemischte Expertenteams unterschiedlichster Fachgebiete, und zwar von Beginn an — diese Lösung kommt der Silo-Bildung zuvor.“

Join locally, succeed globally

Altbewährte Dogmen und geografische Grenzen einreißen will die Expertenrunde auch mit Blick auf überlastete Infrastruktur, steigende Logistikkosten, knappe Transport- und Fachkräftekapazitäten oder Bestrebungen zur Dekarbonisierung.

Denn geografisch rücken alle Bereiche der Wertschöpfungskette rücken näher zusammen, so Volkswagen-Logistikleiter Thomas Zernechel:

„Zukünftig wird vermehrt dort produziert, wo der Markt ist.“

Chance Automatisierung

Um alle Gewerke produktive am selben Ort zu bündeln, müssen Fertigung und Logistik neu gedacht und Standorte neu organisiert werden — jedes Gewerk muss gemeinsam mit der nötigen Kompetenz umziehen.

Eine große Hilfe sieht Prof. Dennis J. Snower hierbei in wachsender Automatisierung. Der Präsident der Global Solutions Initiative und Professor für Makroökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance ist sich sicher: Anders als Menschen lassen sich Roboter und ihre Kompetenz leichter in der Welt herumschicken.

Snower zufolge erleichtere dies zwar den Kompetenztransfer von A nach B, doch jenseits aller Daten-, Informations- und Wissenstransfers entstehen neue Grenzen:

„Je mehr Automatisierung in die Fabriken einzieht, desto mehr kann sich die Produktion an den Kunden annähern. Handelsbarrieren gleichen dem Bau von Mauern in den Fabriken — sie gehören abgeschafft!“

Ausrichter des Forum Automobillogistik sind die Bundesvereinigung Logistik (BVL) und der Verband der Automobilindustrie (VDA).

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