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Forum Grüne Logistik: Mit Erdgas auf die lange Meile

Zum dritten Mal lud der Bundesverband Naturkost zum Forum Grüne Logistik - und die Notwendigkeit nachhaltiger Lösungen in der Distribution ist dringlicher denn je. Die Runde plädiert für die Nutzung von Erdgas als Übergangstechnologie und für einen CO2-Preis.

Grüne Lösungen dringend gesucht: Die Berliner Bürgermeisterin Ramona Pop im Gespräch mit Meinrad Schmitt, Geschäftsführer Terra Naturkost Handels KG beim 3. Forum Grüne Logistik, diesmal in Berlin. | Foto: BNN e.V.
Grüne Lösungen dringend gesucht: Die Berliner Bürgermeisterin Ramona Pop im Gespräch mit Meinrad Schmitt, Geschäftsführer Terra Naturkost Handels KG beim 3. Forum Grüne Logistik, diesmal in Berlin. | Foto: BNN e.V.
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Johannes Reichel

Bereits zum dritten Mal hat der Bundesverband Naturkost Naturwaren e.V. zum "Forum Grüne Logistik geladen", bei dem rund 80 Fachleute und Politiker über den besten Weg hin zu nachhaltiger Logistik diskutierten, diesmal auf dem Gelände von Terra Naturkost in Berlin.

„Über die Mobilitätswende sprechen heute alle. Das ist angesichts der negativen Effekte des Wirtschaftsverkehrs auch dringend notwendig“, erklärte Ramona Pop, Berliner Bürgermeisterin und Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe.

Ausschlaggebend sei, dass den Diskussionen konkrete Schritte folgten. Sie führte aus, dass Berlin Potential für regionale und nationale Lösungen als Testgebiet hat. „Wir ergreifen Maßnahmen zur Dekarbonisierung, indem wir zum Beispiel den städtischen Fuhrpark sukzessive auf Elektromobilität umstellen“, skizziere Pop.

Es sei aber klar, dass sich abgasfreie Mobilität nur durchsetze, wenn fossile Kraftstoffe nicht länger bevorzugt würden. Die Dieselsubvention seien antiquiert und müssten daher schrittweise abgebaut werden. Die CO2-Steuer müsse kommen und zwar so, dass ein Lebensstil mit weniger CO2-Last direkt belohnt werde, befand die Politikerin.

Den CO2-Ausstoß von sieben auf zwei Tonnen pro Kopf senken

In der Podiumsdiskussion stimmte Jörg Nolte, Geschäftsführer IHK Berlin der Senatorin in vielen Punkten zu und sagte die grundsätzliche Unterstützung der Wirtschaft zu. Er mahnte an, dass die Sicherung der notwendigen Wirtschaftsverkehre ebenso gewährleistet werden müsse wie die Versorgung der Bevölkerung. Für den Fachgebietsleiter Logistik der TU-Berlin, Prof. Dr. Ing. Frank Straube, standen zwei Dinge im Vordergrund:

„Wir, in Deutschland, müssen uns von dem CO2- Ausstoß von 7 Tonnen möglichst schnell in Richtung 2 Tonnen pro Einwohner entwickeln“, forderte er.

Dazu sei es notwendig, Logistik ganzheitlich zu betrachten und neu zu denken, die Kräfte zu bündeln und übergreifend zu kooperieren. So könne die Naturkostbranche beispielsweise erprobte Tools zur Bewertung von Logistikketten nutzen um den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Moderator Dieter Hallerbach, Betriebsleiter bei Peter Riegel Weinimport und Initiator des Forums Grüne Logistik, fasste das Ergebnis des konträr diskutierten Themas „Möglichkeiten, Perspektiven und Grenzen alternativer Antriebstechniken für LKW“ zusammen:

„In jedem Fall ist es wichtig, dass die Unternehmen ihre Verantwortung wahrnehmen, sich informieren und vor allem, dass sie handeln“, so Hallerbach.

Erdgas aus Reststoffen als Übergangstechnologie nutzen

Es sei keine Zeit mehr, abzuwarten. Prof. Dr. Gernot Liedtke, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (Berlin) plädierte in der Diskussion für eine Umgestaltung des gesamten Logistiksystems, auch wenn es „weh“ tue. „Wir müssen von der ,Droge CO2-Ausstoß' runter", mahnte Liedtke. 20 Prozent des CO2-Ausstosses stamme aus dem Verkehr, davon ein rundes Drittel aus dem Güterverkehr, insbesondere aus der „langen Meile“. Er sprach sich im Sinne einer Übergangstechnologie für Gas-Antriebe auf der „langen Meile“ aus und betonte, dass Gas aus Reststoffen zu bevorzugen sei. Für die letzte Meile hingegen ist der Elektro-Antrieb ein immer ernster zu nehmendes Angebot. Klar sei, dass es die eine optimale Antriebstechnologie in naher Zukunft nicht geben werde, daher müsse am System und an Effizienzsteigerung gearbeitet werden.

Höchste Zeit für Verkehrswende - und einen CO2-Preis

Es sei höchste Zeit für eine Verkehrswende, betonte Arno Klare, MdB, Berichterstatter der SPD im Ausschuss für Verkehr und Digitale Infrastruktur. Stephan Kühn, verkehrspolitischer Sprecher Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, verwies auf die vielen offenen Baustellen in der Rahmengesetzgebung und kritisierte die Prioritätensetzung der Bundesregierung. Staatssekretär Ingmar Streese, Bündnis 90/Die Grünen, Senatsverwaltung Umwelt, Verkehr und Klimaschutz in Berlin zeigte die Notwendigkeiten bei der Verkehrswende für Berlin auf und verwies darauf, dass die angestrebte Wende allen noch viel abverlangen werde. Eine CO2 Steuer wurde im Laufe des Tages nicht nur seitens der Politiker gefordert.

Elke Röder und Meinrad Schmitt fassten die vielen Hinweise zusammen, die vor allem auf Regionalität, gegen Lebensmittelverschwendung und für Belieferungskooperationen zielten. Beide stellten klar, dass eine neue deutsche Fiskal- und Förderpolitik notwendig sei. Diese müsse sich deutlich stärker auf die Erreichung der Klimaschutzziele fokussieren, forderten die Veranstalter.

LOGISTRA zählte als Medienpartner zu den Unterstützern des Forums Grüne Logistik.

 

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