Fraunhofer-Studien sehen großes Potenzial für Lastenräder

Bei der Last-Mile-Belieferung könnten Lastenfahrräder einen großen Beitrag leisten, insbesondere in Verbindung mit "City-Hubs".
Da geht noch mehr: Feldversuche mit Lastenrädern verliefen vielversprechend, insbesondere die Kombination mit Mikrodepots wie bei UPS in Hamburg. / Foto: UPS
Da geht noch mehr: Feldversuche mit Lastenrädern verliefen vielversprechend, insbesondere die Kombination mit Mikrodepots wie bei UPS in Hamburg. / Foto: UPS
Johannes Reichel

Zwei unabhängig voneinander erstellte Studien zweier Fraunhofer Gesellschaften haben jetzt dem Konzept "Lastenfahrrad" großes Potenzial bei der Lösung der Probleme der innerstädtischen Belieferung bescheinigt. Darauf wies der ökologische Verkehrsclub VCD in seinem Newsletter zum Abschluss des Projekt "Lasten auf die Räder hin", das der Verband mit Förderung des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamtes in den letzten zwei Jahren durchführte.

Im Ausschuss für Umwelt und Technik des Stuttgarter Gemeinderats war am 17. März die IHK-Kurzstudie »Räumliche Wechselwirkungen von Innenstadtlogistikkonzepten am Beispiel des Einsatzes von Lastenrädern in der Paketzustellung« vorgestellt worden. Fraunhofer IAO (Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation) hatte darin die Zustellvorgänge zwei großer Paketzusteller in der Stuttgarter Innenstadt ausgewertet und alternative Zustellkonzepte mit Mikrodepot(s) und Lastenrädern untersucht. Das Fazit der Mobilitätsforscher: "Innovative Lösungen für die letzte Meile haben ein großes Potential für Stuttgart. Der Einsatz von Lastenrädern ist dabei ein mögliches Konzept mit spezifischen Vor- und Nachteilen, das es zu prüfen gilt."

Darüber hinaus wurde eine von Fraunhofer IML (Institut für Materialfluss und Logistik) erstellte Konzeptstudie für die Region Hannover »Klimafreundlicher Wirtschaftsverkehr« am 7. Juli in Fachausschüssen der Regionsversammlung Hannover präsentiert. Zu den vier vorgeschlagenen Maßnahmen empfiehlt Fraunhofer IML abschließend: "Die Maßnahme der städtischen Verkehre mit Lastenfahrrädern sollte mit höchster Priorität umgesetzt werden, da sich zum einen ein breites Spektrum für den Einsatz von Lastenfahrrädern anbietet und sich zum anderen die CO2-Einsparungen direkt auf die Region Hannover beziehen". Neben dem Einsatz von Lastenfahrrädern sieht die Studie großes, auch kurzfristig abrufbares Potenzial in der Forcierung von sogenannten "Lkw-Vorrangrouten" und deren Digitalisierung. Mit höchster Priorität sollten die Verantwortlichen außerdem das Marketing für den Kombinierten Verkehr verstärken. Ebenfalls für empfehlenswert, aber schwieriger umsetzbar hielten die Logistikforscher die Intelligente Steuerung des Lkw-Verkehrs, Pulkverkehre sowie flexible Anlieferzeiten und sogenannte "Shared Hubs" jeweils für Lastenfahrräder. Für die Region Hannover als schwierig umsetzbar stuften die Forscher dagegen die Idee eines gemeinsamen "mehrdimensionalen City-Hubs" ein. Das wiederum dürfte für viele Ballungsräume gelten.

Ebenfalls stellvertretend für viele Stadt-Umlandregionen kommt die Studie zu dem Schluss, dass der Einfluss der Region Hannover auf die Entwicklung eines nachhaltigen Wirtschaftsverkehrs gering sei. Es bedürfe daher eines "Kooperationsnetzwerkes klimaverträglicher Wirtschaftsverkehr", um dem bis 2030 prognostizierten starken Wachstum des Güterverkehrs um 15 Prozent bei gleichzeitiger Reduzierung des CO2-Ausstoßes um 40 Prozent bereits bis 2020 Herr zu werden.

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