Fuso Canter E-Cell: Elektro-Lkw bewährt sich im Feldtest

Bei der Kundenerprobung in Portugal erreicht der 6,0-Tonner bis zu 64 Prozent Kostenersparnis zum Diesel. Auch bei GO Express und Post im Einsatz.
Problemloser Einsatz: Auch in der städtischen Belieferung bewährte sich der Vorserien-Elektro-Lkw laut Hersteller gut. / Foto: Daimler
Problemloser Einsatz: Auch in der städtischen Belieferung bewährte sich der Vorserien-Elektro-Lkw laut Hersteller gut. / Foto: Daimler
Johannes Reichel

Daimler-Tochter Fuso hat eine positive Bilanz des erste Feldtests mit E-Cell-Elektro-Lkw gezogen. Bei acht prototypischen Einsatzarten in portugiesischen Unternehmen habe der 6,0-Tonnen-Verteiler 50.000 Kilometer problemlos und ohne größere Störungen absolviert. Das sei umso erfreulicher, als es sich bei den acht Fahrzeugen noch um Vorserienmodelle gehandelt habe. Vor allem bei der Reichweite hätten die mit Pritschen und Kofferaufbauten ausgerüsteten Elekro-Lastwagen die Versprechen des Herstellers gehalten und bis zu 109 Kilometer täglich geschafft. Nach Daimler-Berechnungen spare der von einem 150-PS-Permanent-Magnet-Motor angetriebene lokal emissionsfreie Verteiler bis zu 64 Prozent an Kosten. Im Strommix des Landes Portugal, das stärker auf regenerative Energien wie Windkraft setzt als Deutschland, soll der Canter bis zu 37 Prozent an CO2-Emissionen gegenüber dem Diesel-Pendant eingespart haben. Der Verbrauch betrug beim E-Lkw im Mittel 47,6 kWh/100 km, den Diesel gab Fuso mit 14,08 l/100 km Verbrauch an.

Härtester der acht Anwendungsfälle war der Einsatz in der Haustürbelieferung beim portugiesischen KEP-Dienstleister GO Express, der es im Testjahr auf 14.000 Kilometer brachte. Bei diesem Prototypen wurde im Lauf des Tests auch eine Schnellladeoption nach Chademo-Standard nachgerüstet, die das Nachladen in der Mittagspause ermöglicht habe. Binnen einer Stunde sind bei dieser Lademethode die vier am Rahmen verbauten Lithium-Ionen-Akkus mit einer Kapazität von 48,4 kW/h wieder zu 80 Prozent aufgeladen. Auf diese Weise könne man im Prinzip fast eine Doppelschicht fahren, erklärte der Hersteller dazu. Bei normalem Ladestandard sind die Batterien in sieben Stunden wieder voll aufgeladen.

Gelobt hätten die Teilnehmer am Feldtest unisono die Performance und Beschleunigung des Canter E-Cell, der 650 Nm Drehmoment aus dem Stand bereitstellt. Auch der Antriebskomfort des leisen, mit stufenloser Automatik versehenen Fahrzeugs habe großen Anklang gefunden. Ebenso äußerten sich die Unternehmen positiv über das Bremsverhalten des mit einem Rekuperationsmodus ausgestatteten Fahrzeugs. Auch das Rangieren per Kriechmodus habe selbst in engen Straßen und an Bergen gut funktioniert, so die Aussagen.

Trotz der etwa 600 Kilogramm Akku-Gewicht habe der Canter E-Cell mit Aufbau eine Nutzlast von über zwei bis zweieinhalb Tonnen ermöglicht und somit die Anforderungen der Nutzer, die von Müllsammeltätigkeit, über den Einsatz in einem Naturpark bis hin zur Post- und Paketbelieferung reichten, gut erfüllt. Die maximale Aufbaulänge beträgt 4,40 Meter.

Daimler will dem ersten Feldtest 2016 einen weiteren Feldtest in Deutschland folgen lassen und dann in die Kleinserienfertigung starten, der bis 2020 die Serienfertigung folgen soll. Fuso-Europa-Sales&Marketing-Leiter Pius Dettling erklärte bei der Vorstellung der Feldtestergebnisse in Portugal, die Kunden hätten auf solche Fahrzeuge gewartet. Die Elektromobilität im gewerblichen Stadtverkehr sei kein Thema von übermorgen, sondern werde in allernächster Zukunft Realität. Mit dem Canter E-Cell wolle man nach dem Canter Eco Hybrid als erster Hersteller auch bei rein elektrischen Antrieb ein Serienangebot machen, das für den Kunden einen "Business Case" ergebe und von den Anschaffungskosten etwa bei 15 Prozent Plus zum Diesel liegen soll. Der Feldtest habe gezeigt, dass sich die nahezu wartungsfreie und unkomplizierte Technik schon heute für die Kunden rechnen könne.

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